Hamburger Bürgerpreis für Gökhan Konca

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Im Interkulturellen Seniorentreff Liman in Billstedt fühlen sich auch Türkinnen ab 40 Jahren wohl. Sie verstehen sich als große Familie Foto: Dagmar Gehm
 
Gökhan Konca Foto: Gehm

Der 42-Jährige aus Billstedt engagiert sich für den Kontakt zwischen Deutschen und Türken

Von Dagmar Gehm
Billstedt
Gökhan Konca ist ein smarter Typ im Business-Anzug, der gar keine steile Karriere als Business-Manager hinlegen will. Nicht der einzige Widerspruch bei der Begegnung mit dem Preisträger des „Bürgerpreis Hamburg-Mitte“, der für „herausragendes Engagement in der Integrationsarbeit“ verliehen wurde. Von der Interkulturellen Begegnungsstätte – IKB – sei er für den Preis vorgeschlagen worden, sagt Gökhan Konca. Weil er dort ehrenamtlich das Erzählcafé betreut, wo sich die türkischen Senioren alles von der Seele reden können, was sie bewegt. Gökhan hört zu, gibt Ratschläge für Menschen mit Migrationshintergrund, hauptsächlich aus der Gastarbeiter-Generation, denen die Integration deutlich schwerer gefallen ist als ihm.

Ohne Sprachkenntnisse nach Deutschland

Er brach 1995 mit 21 Jahren aus Istanbul nach Deutschland auf, ohne Sprachkenntnis. Drei Jahre lang jobbte er sich durch Berlin. „Anfangs war ich nicht glücklich, weil ich keine Freunde hatte“, sagt Gökhan. Und weiter: „Also besuchte ich eine Sprachenschule, um mich besser zu integrieren.“ Als er nach Hamburg zog, ging er auf das Central College, um auch das deutsche Abi zu bekommen. Seinen Magister machte er 2010 in Politik- und Erziehungswissenschaften, die deutsche Staatsbürgerschaft hatte er bereits 2001 erhalten. Inzwischen hat er sich ein großes Netzwerk aufgebaut, das vor allem älteren Migranten zu Gute kommt. Bei dem Projekt „Neue Wege – Prävention von Antisemitismus“ bringt der 42-Jährige jüdische und türkische Jugendliche zusammen.

Hilfe für Demenzkranke

Türkische Senioren und ihre Familien unterstützt der Preisträger bei allen Fragen zum Thema Demenz mit dem Projekt Gönüllü, einer Kooperation der Türkischen Gemeinde Hamburg und Umgebung (TGH), des Diakonischen Werks und der Hamburgischen Brücke. „Ich stimme auch Pflegeheime auf wichtige kulturelle Unterschiede ein, wie den Verzicht auf Schweinefleisch und Alkohol, oder dass ihnen zumindest eine kleine Gebetsecke zur Verfügung gestellt wird. Oglum nennen mich die Demenzkranken, mein Sohn“. Beim dritten Projekt geht es um Einbürgerung. Für eine Reihe weiterer Programme engagiert sich der Mann „mit großem Respekt vor älteren Menschen“ ehrenamtlich, wie für den interkulturellen Seniorentreff Liman in Billstedt. Vor ihnen steht türkischer Tee mit deutschem Spekulatius. Mit 85 ist Demir Atila Kansu der älteste Türke im Liman. Gökhan übersetzt: „1960 bin ich nach Deutschland gekommen und konnte gleich als Kraftfahrer bei der Post beginnen.“ Das Arbeitsamt in Ankara hatte ihn nach Hamburg vermittelt: „Inzwischen bin ich zum zweiten Mal verheiratet, meine erste Frau starb 1997.“ Den Sommer verbringen beide in der Türkei, den Winter in Hamburg – wie so viele türkische Rentner. Negative Erlebnisse? Fehlanzeige. „Von meinem Vater habe ich nur Gutes über die Deutschen gehört. Und das hat sich bewahrheitet.“

Kontakt zu Gökhan Konca unter Telefon 040/ 413 66 09 53
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