Hamburger gaben Feedback

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Anke Weber, steg Hamburg: „Ja, es staut sich, aber es spielen sich keine Dramen ab.“

Umbau Billstedter Hauptstraße: Zwischenbilanz eher positiv

Hamburg. Am vergangenen Mittwoch zogen die am Umbau der Billstedter Hauptstraße beteiligten Personen ein Zwischenfazit. Um die Barrierewirkung der vierspurigen Hauptverkehrsstraße zu verringern, wurde sie zurückgebaut. „Vor 40 Jahren haben die Planer darauf geachtet, dass die Verkehre getrennt waren“, sagte Moderator Michael Mathe zu Beginn der Veranstaltung. Dieser Trend ist veraltet. Seit vier Monaten existieren nur noch zwei Fahrspuren. Darauf verläuft ein Radweg, eine Querungshilfe nahe der alten Fußgängerbrücke wurde gebaut. Diese Umbaumaßnahmen waren ein mutiger und in dieser Form seltener Eingriff in den Straßenverkehr. Er sollte die Billstedter Hauptstraße barrierefreier machen.

60 Besucher kamen

Was der Umbau städtebaulich tatsächlich bewirkt hat, ermittelten die Stadtentwickler mittels Verkehrszählung und einer betont „nicht-repräsentativen“ Online-Befragung. Der Themenabend sollte nun Anwohner und Planer erneut an einen Tisch bringen. Etwa 60 Besucher strömten in den Saal der Kreuzkirche. Vertreter aus der Politik und Wirtschaft und zahlreiche Anwohner bildeten ein neugieriges Publikum. Spannung lag in der Luft. Kein Wunder, geht es doch um Entscheidungen, die die Lebensqualität der Anlieger in der mittel und langfristigen Zukunft direkt beeinflussen.
Amtsleiter Michael Mathe forderte im Vorfeld eine kontroverse, aber sachliche Diskussionsrunde. „Ich war von dem Abend positiv überrascht. Wir haben ein klares Feedback bekommen. Aus städtebaulicher Sicht bleibt es spannend. Die Atmosphäre beim Themenabend war aus meiner Sicht gut. Das Ergebnis war: Ja, es staut sich, aber es spielen sich keine Dramen ab“, so Anke Weber von der Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft.

Wildes Parken und Anlieferverkehr

Als Fazit stellten die Stadtplaner fest, dass die Pilotphase eine Dauerlösung sein kann- trotz der Stausituation zu Spitzenzeiten. „Diese hatten wir auch zu Zeiten der vierspurigen Verkehrsführung“, so Mathe. Das wilde Parken auf dem Seitenstreifen, dem eigentlichen Fahrradweg, soll außerdem strenger unterbunden werden. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Situation des Anlieferverkehrs. Diese soll zukünftig klar verbessert werden. „Wir haben den Händlern angeboten, die Anlieferung über die Möllner Landstraße abzuwickeln, das wurde bisher noch nicht angenommen. Sicherlich ist das eine Frage der Kosten.“
Von Seiten der Stadtplaner sind verschiedene zusätzliche Maßnahmen geplant, um Billstedt ein Stück besser zu machen. Eine Aufwertung des Straßenraums steht im Vordergrund. „Konkret ist geplant, dass wir entlang der Billstedter Hauptstraße Fahrradbügel und Bänke aufstellen, Baumpflanzungen an geeigneter Stelle durchführen, den vorhandenen Radweg einheitlich auf die Straße verlegen und die Oberflächengestaltung der Nebenflächen angehen“, verriet Markus Weiler vom Fachamt Management des öffentlichen Raumes. Allerdings sei das „alles eine Frage des Geldes.“ In einem nächsten Schritt wird bei der Stadt für die entsprechenden Finanzmittel geworben.
Die anwesenden Anwohner gaben dem Themenabend einen lokalen Anstrich. Ihre Meinungen und Erfahrungen waren wichtig. Auch hier der Tenor: Parkende Autos auf dem Radweg und Lieferfahrzeuge sind eine große Gefährdung für die Fahrradfahrer. Einige Anlieger beschwerten sich außerdem darüber, dass sie „nur schwer aus ihren Einfahrten kämen.“ Grund dafür sei unter anderem auch die angespannte Parkplatzsituation. „Die Billstedter Hauptstraße ist für uns ein Schwerpunkt bei der Überwachung des ruhenden Verkehrs. Aber: Wir haben nicht die personellen Ressourcen, um sicherzustellen, dass wir jederzeit und zu jeder Minute Maßnahmen gegen Falschparker treffen können. Eine lückenlose Überwachung ist hier leider mit einem vertretbaren Aufwand nicht möglich“, erklärte Rainer Lübbert vom zuständigen Polizeirevier 42. „Obwohl wir abschleppen und verwarnen, stellen sich beispielsweise immer wieder neue Autos auf den Radweg. Es stellt sich einfach kein Erziehungseffekt ein, weil der Parkdruck sehr hoch ist. Es sind zudem immer wieder neue Autofahrer, die in der zweiten Reihe parken und die Radfahrer in den Straßenverkehr zwingen“, so Lübbert weiter.
Kerstin Gören, von der SPD-Bezirksfraktion Mitte sagte abschließend: „Ich fand diese Veranstaltung sehr schön. Sie hat vor allem gezeigt, dass wir nicht vor der Frage stehen, ob wir das Ganze jetzt zurückbauen und wieder einen Schritt zurück machen, sondern dass wir unseren mutigen und fortschrittlichen Versuch weiterführen. Wir müssen ihn optimieren. Das ist ganz klar. Die wichtigsten Punkte sind genannt. Der Anlieferverkehr und auch die Gestaltung der Straße spielen hier eine große Rolle. Auch der Hinweis auf die Optimierung der Straßenbeleuchtung ist sehr wichtig. Man muss jetzt schauen, wie man das verwirklichen kann und zu welcher Zeit. Insgesamt ist es gut, dass das Projekt hier weiter so offen begleitet wird.“ (ms)
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