Hamburger Schrebergärten liegen im Trend

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Familienglück im Grünen: Die vierköpfige Familie Lenzen hat Spaß in ihrem neuen Domizil Foto: ks

Immer mehr junge Familien suchen in der Hansestadt ihr „grünes Paradies“

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg-Farmsen
Aufgeregt läuft die kleine Frieda (5) ihren Eltern entgegen, „guckt mal, was ich entdeckt habe!“, ruft sie schon von weitem. Dann zeigt das Mädchen stolz seinen Schatz, den es in eine Schachtel gelegt hat, zusammen mit einem Grasbüschel – es ist eine Eidechse. Im Bilderbuch hatte Frieda mal so ein Reptil gesehen, aber noch nie in der Natur. Diese kleine Geschichte spielt im Kleingartenverein 159 am Horner Weg in Horn – einem von 311 Schreber-Vereinen in Hamburg. Parzelle 66, gut 450 Qudratmeter groß: Das ist seit kurzem das „grüne Reich“ von Gerd Lenzen (36), seiner Frau Verena (37) und der „Abenteuer-Garten“ für Frieda. Ihr Schwesterchen Hanne (1) ist noch zu klein, um das Grundstück zu erkunden. Gerd und Verena Lenzen liegen im Trend: Immer mehr Jüngere zieht es in Zeiten von veganer Ernährung und Bio-Anbau wieder in die Kleingärten. „Unsere Freunde sahen das anfangs skeptisch“, sagt Gerd Lenzen, Vertriebs-Mitarbeiter im Lebensmittel-Großhandel. „Warum wollt‘ ihr euch denn einen Garten ans Bein binden, der macht doch nur Arbeit“, war einer ihrer Vorbehalte. Verena Lenzen: „Doch für uns war klar, wir machen das, schon der Kinder wegen!“ Die jungen Eltern wohnen rund 600 Meter Luftlinie von ihrem „Sommerparadies“ entfernt im 2. Stock eines Mehrfamilienhauses. „Wir haben zwar einen Balkon, aber da können wir weder Erbsen ziehen, noch Kartoffeln pflanzen oder Himbeeren ernten“, sagt Verena Lenzen und lacht. „Und eine Schaukel gibt’s da auch nicht“, fügt Frieda hinzu. Sechs Monate standen die Lenzens auf der Warteliste des Kleingarten-Vereins, dann rückten sie auf Platz 1 und pachteten die Parzelle für 300 Euro im Jahr. „Knapp 1.000 Euro haben wir am Anfang investiert“, erklärt das Schreber-Paar, „für die Laube, für Garten-Geräte und einige Möbelstücke.“Rund 33.500 Schrebergärten mit einer Fläche von 1.400 Hektar bedecken das Hamburger Stadtgebiet. Das entspricht einer Fläche des neunfachen der Außenalster. Frischluft-Oasen zwischen Möhren und Tomaten, Kirschbäumen und Ziersträuchern für insgesamt 43.000 Mitglieder in den Vereinen. Auch Sebastian Riep (29) und Jana Busse (27) sind seit einigen Wochen stolze „Besitzer“ eines 360 Quadratmeter großen Schrebergartens am Ebeersweg in Farmsen, seit März standen sie dort auf der Warteliste. „Unsere Eltern hatten große Grundstücke, das war Teil unserer Kindheit“, sagt Fußbodenleger Riep. „Wir kennen das ,Landleben‘ also, darum die Entscheidung für den Kleingarten und die Möglichkeit, auch zwischendurch‚ mal kurz aus der Etagen-Wohnung rauszukommen!“ Für die knapp zehn Jahre alte Laube plus Zubehör hat das junge Paar nach einer Wertermittlung durch den Verein 6.700 Euro bezahlt, die jährlichen Kosten für Pacht, Versicherung, Strom, Wasser und Mitgliedsbeitrag liegen bei 500 bis 600 Euro. Jana Riep: „Dafür haben wir unsere ,Scholle‘ vor der Haustür, und die eine oder andere Tomate werden wird in diesem Jahr sicher auch noch ernten ...“
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