Hamburger Tageseltern lernen Gebärdensprache

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Gebährdenführerin: Laura Valyte führt mit Witz und Humor durch dieAusstellung Foto: fbt

Hände werden zum Kommunikationsmittel. Zahlen bei den betreuten Kindern gestiegen

Von Frank Berno Timm
Hamburg
Am vergangenen Wochenende trafen sich Hamburger Tagesmütter und -väter zu einer besonderen Tagung in der Speicherstadt. Sie probierten aus, wie es ist, nicht zu hören und nicht zu sehen. Laura Valyte kann nicht hören. Nicht einmal ihre eigene Stimme. Wer sie das erste Mal sieht, wartet darauf, dass sie anfängt, zu sprechen. Aber sie animiert die Hamburger Tagesmütter und Tagesväter nur mit ihren Händen und wechselnden Gesichtsausdrücken dazu, ihr zu folgen. Mit einer Gruppe geht sie durch die Ausstellung „Dialog im Stillen“: Die Besucher lernen in einer halben Stunde, wie sehr man sich mit Händen und dem Gesicht unterhalten kann. Dass Laura Valyte taub ist, wissen sie noch nicht. Hände sind, das lernen die Besucher schnell, ein geniales Kommunikationsmittel. Sie gehen von Raum zu Raum: Schattenspiele treten hinzu. In der Galerie der Gesichter gruppieren sich die Besucher im Kreis, jeder kann durch einen Rahmen in die Mitte sehen. Dann projiziert Valyte Gesichter in die Mitte: Den grimmigen früheren Bayerntorwart Oliver Kahn auf dem Spielfeld, die erotische Marilyn Monroe, Komiker Heinz Erhardt. Das rauschende Meer, eklige Würmer kommen dazu, schließlich eine festliche Geburtstagstorte. Dann die Frage, wie eine Flasche, ein Herz, ein Korken dargestellt werden kann – Gebärdenabbildungen werden mit Fotos kombiniert.

Kita-Zahlen steigen


Janka Thies ist mit gehörlosen Eltern aufgewachsen, dolmetscht in einer abschließenden Gesprächsrunde in Gebärdensprache. Laura Valyte erklärt, viele schauen beim Sprechen dorthin, woher die Stimme kommt. In Deutschland können 80.000 Menschen überhaupt nicht hören, 1,4 Millionen haben eine Gehörschädigung. Senatorin Melanie Leonhard würdigt den großen Andrang bei der Weiterbildung der Tageseltern „bis hin zur sozialpädagogischen Assistentin“. Die Zahlen bei den betreuten Kindern stiegen: sieben Prozent mehr seien es dieses Jahr, „darüber freuen wir uns“. Die Runde ist groß, an die 60 Menschen sitzen im Plenum. „Qualität vor Ort“ hat eingeladen, die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung steckt hinter der Veranstaltung. In den Räumen von „Dialog im Dunkeln“ und „Dialog im Stillen“ geht es um Inklusion, um ein Verständnis davon, dass es normal sei, verschieden zu sein, wie eins der Referate überschrieben ist. Fest steht: Allein schon die Führung von Laura Valyte hat gezeigt, wie wichtig es ist, sich darauf einzulassen.

Weitere Infos: Dialog im Dunkeln
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