Hamburger Verein hilft trauernde Kindern

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Das Hamburger Zentrum für Kinder und Jugendliche in Trauer hilft Kindern, die einen nahen Angehörigen verloren haben Symbolfoto: thinkstock
 
Vorstandsmitglieder Jan Wagner (v.l.), Barbara Heling und Richarda Klaver-Wilrodt sowie die Trauerbegleiterinnen Inga Unkrig und Christina Richter mit dem Vorstandsvorsitzenden Wilfried Fuchs sowie Trauerbegleiterin Maria Traut Foto: Nils von Blanc
Hamburg: Sophienallee 24 |

Zentrum für Kinder und Jugendliche in Eimsbüttel begleitet durch die schwere Zeit

Von Christa Möller
Hamburg
„Für unsere Kinder ist Weihnachten ein bedrückendes, Angst machendes, gefürchtetes Datum“, sagt Barbara Heling vom Hamburger Zentrum für Kinder und Jugendliche in Trauer. Während überall fröhlich gefeiert wird, leiden die trauernden Kinder am ersten Weihnachtsfest ohne Vater oder Mutter besonders. „Dann fällt die Lücke einfach noch viel mehr auf.“ Wenn ein naher Angehöriger stirbt, ist das furchtbar. Psychologin Margit Bassler merkte bei ihrer Arbeit für den Verein Verwaiste Eltern, dass Kinder immer im Hintergrund stehen, weil im Trauerfall viel zu regeln ist.

Wenig Trauerhilfe für Kinder

Jeder trauert anders und für viele ist der Besuch einer Trauergruppe eine große Hilfe. Für den Nachwuchs gab es jedoch bis vor sieben Jahren abgesehen von kirchlichen Angeboten für Hinterbliebene keine entsprechende Unterstützung in Hamburg. Deshalb gründete Margit Bassler 2009 mit einer Gruppe weiterer engagierter Hamburger das „Hamburger Zentrum für Kinder und Jugendliche in Trauer“. Inzwischen hat der Verein 49 Mitglieder und hilft Kindern nicht nur in Hamburg, sondern auch in angrenzenden Orten in Schleswig-Holstein, wo es die nächste Gruppe in Kiel gibt. Die Räumlichkeiten in der Sophienallee 24 in Eimsbüttel umfassen neben zwei Gruppenräumen auch einen Warteraum für Eltern.

„Es ist nie nur traurig…“


„In der Trauergruppe ist es nie nur traurig, manchmal nachdenklich, aber es wird auch gegackert, gelacht und getobt“, erklärt die 2. Vorsitzende Barbara Heling, die wie ihre vier Vorstandskollegen rein ehrenamtlich aktiv ist. Mit dem Eintritt ins Rentenalter wollte sie etwas fürs Gemeinwohl tun. „Unsere Kinder sind für eine bestimmte Zeit in einer ganz schwierigen Situation. Haben sie niemanden, der ihnen hilft, kann es langfristig zu Erkrankungen kommen, psychisch, somatisch oder beides“, weiß Barbara Heling. Die Kinder, die die Trauergruppen aufsuchen, sind zutiefst mental erschüttert, aber nicht krank. „Dann wäre die Krankenkasse zuständig.“ So trägt der Verein die Kosten, an denen sich die Eltern allerdings nicht in vollem Umfang beteiligen müssen. „Am Geld wird es nicht scheitern“, erläutert sie. Ziel ist es, allen die Teilnahme zu ermöglichen.

Ausgebildete Begleiter

Ein Trauerfall ist schwer zu verarbeiten, deshalb arbeitet der Verein auch mit dem Kriseninterventionsteam zusammen. Sechs ausgebildete Trauerbegleiterinnen sind als Honorarkräfte für den Verein jeweils zu zweit pro Gruppe für sechs bis acht Kinder im Einsatz. Der Kontakt entsteht direkt durch die Eltern, aber auch über Kindergärten oder Schulen. Wichtig für die Kinder und Jugendlichen ist die Erfahrung: Anderen geht es genauso. Knapp 300 telefonische (Erst-)Beratungen hat der Verein in diesem Jahr verzeichnet. 63 Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 18 Jahren werden derzeit in einer der neun Gruppen betreut. Im ganzen Jahr waren es 90, die in altersgerechten Gruppen alle zwei Wochen Hilfe finden. „Niemand wird gezwungen zu reden“, betont Barbara Heling. Etwa zwölf bis 18 Monate lang besuchen sie das Zentrum. Zusätzlich gibt es ein Angebot für junge Erwachsene bis Mitte 20. Insgesamt wurden 2016 rund 100 junge Menschen
betreut.

Hohe Zufriedenheit

Jährlich im Mai befragt der Verein seine Klienten nach ihrer Zufriedenheit. Und die ist hoch: „Die schlechteste Note gab es bei der Frage: Wie gefällt dir die Anzahl der Gruppentreffen? Und das war eine 1,4“, freut sich Barbara Heling über den Erfolg der Arbeit. Die sei für alle Beteiligten übrigens nicht traurig, sondern unglaublich schön.

Weitere Infos und Kontakt: Hamburger Zentrum für Kinder und Jugendliche in Trauer, Telefon 040/ 22 94 44 80, Sophienallee 24, E-Mail: b.heling@kinder-in-trauer.org
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