„Hamburgs buntestes Atelier“

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Hans-H. Matthies (M.), hier mit zwei Künstlern, gründete vor 20 Jahren das Atelier Lichtzeichen Foto: bb

Inklusion durch Kunst im „atelier lichtzeichen“

Von Britta Burmeister
Alsterdorf. Dörthe Siemssen sitzt an einer Staffelei und blickt über ihre Arbeit. Mit plötzlicher Entschlossenheit taucht sie ihren Pinsel in tannengrüne Farbe und führt ihn sicher über die Leinwand.

Es ist Freitagmittag, durch hohe Sprossenfenster flutet die Sommersonne den Raum und von unten dringt das leise Gemurmel vom Alsterdorfer Markt nach oben. Eine Uhr an der Wand zeigt fünf vor Zwölf. Darunter hängt ein Schild mit der Aufschrift: „Es ist schon wieder soweit!“ Dorthe Siemssen ist Künstlerin im „atelier lichtzeichen“ und sie arbeitet an einer Weihnachtskarte.
Auch ihre Kollegen sind konzen-
triert bei der Arbeit. Christine Vieth multipliziert die Energie der Farben und lässt sie auf ihrer Leinwand tanzen. Dirk Meyer arbeitet mit ruhiger Hand und detailverliebt an einem Hafenpanorama und ein Kollege lässt seiner Kreativität an einer eigenständigen Klimt-Interpretation freien Lauf. 18 Künstlerinnen und Künstler mit psychischen Erkrankungen, körperlichen und/oder geistigen Behinderungen haben im atelier lichtzeichen einen geschützten Arbeitsplatz gefunden. In Einzel- und Gemeinschaftsarbeiten entstehen ausdrucksstarke Gemälde, die auf Ausstellungen, Messen und auch direkt im Atelier zum Verkauf angeboten werden.

In seiner Art einzigartig

„Wir sind das bunteste Atelier der Stadt“, sagt Hans-H. Matthies. Das Lächeln in seinen Augen verrät leisen Stolz. 20 Jahre ist es her, dass er den Schritt wagte, im Rahmen der Tagesförderung eine Kunstwerkstatt zu gründen, in der Menschen mit Handicap unter Anleitung regelhaft einer künstlerischen Beschäftigung nachgehen konnten. Heute gehört das atelier lichtzeichen zur „alsterarbeit gGmbH“ im Verbund der Evangelischen Stiftung Alsterdorf und vereint Tagesförderplätze, Werkstattplätze und Rehabilitationsmaßnahmen unter einem Dach. In seiner Struktur ist es damit einzigartig.
„Bei uns wird Inklusion seit Jahren gelebt“ sagt Hans-H. Matthies. Im Alltag stehen nicht die Krankheitsgeschichten, sondern die gemeinsame Arbeit am Erfolg des Ateliers im Vordergrund. Gernot David gehört seit zehn Jahren zur Gruppe der Lichtzeichenkünstler. Nach einer psychischen Erkrankung hat er sein Studium aufgegeben und im Atelier und mit seiner Hilfe noch einmal von vorne angefangen. Inzwischen denkt er gelegentlich darüber nach, ob er noch etwas anderes könnte. Er malt nicht nur, sondern beteiligt sich engagiert an der Organisation von Ausstellungen und Messen.

Ausstellung beim „Uhlenfest“

Allein in diesem Jahr organisieren Hans-H. Matthies und sein Team 25 Ausstellungen und Messen im gesamten Bundesgebiet. Namhafte Firmen schmücken ihre Wände mit Werken, die im atelier lichtzeichen entstanden sind. Zu den Höhepunkten der zweiten Jahreshälfte gehört eine Ausstellung auf der Cap San Diego. Fotograf Frank P. Wartenberg hat zu diesem Anlass eine Auswahl seiner Fotoarbeiten gespendet, die – auf Leinwand gezogen – von den Künstlern aus Alsterdorf kreativ verfremdet werden.
Am 17. und 18. August stellen die Künstler des atelier Lichtzeichen auf dem „Uhlenfest“ in Uhlenhorst ihre Werke aus.
Das atelier lichtzeichen ist montags bis freitags von 9-15 Uhr geöffnet. Informationen unter Tel. 50773789 oder im Internet unter www.atelier-lichtzeichen.de
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