Hamburgs Jugendliche auf Jobsuche

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An der Stadtteilschule Öjendorf gibt es Berufsfindung als Unterrichtsfach. Kein Schüler bleibt hier ohne Perspektiven Foto: Grell
 
Stefanos hat zusammen mit dem Gewerbelehrer Burkhard Dammeier eine gute Bewerbung geschrieben Foto: Grell
Hamburg: Öjendorfer Höhe 12 |

Mit einer guten Bewerbung zur Ausbildung. Stadtteilschule Öjendorf hat die Berufsfindung als Unterrichtsfach aufgenommen

Von Karen Grell
Billstedt
Das aktuelle Schuljahr geht bereits in die zweite Runde, die Zeugnisse sind ausgegeben und die Jugendlichen, die im Sommer die Schule verlassen und eine Ausbildung beginnen wollen, müssen sich ab sofort bewerben. Da ist es gar nicht so einfach den passenden Beruf zu finden. „Die meisten orientieren sich an den Berufen, die sie täglich sehen“, erklärt Ignaz Spies, Lehrer für Berufskoordination an der Stadtteilschule Öjendorf. Deshalb sind bei den Mädels auch Berufe im Einzelhandel, zum Beispiel bei den bekannten Drogerie-Märkten beliebt, während sich die Jungen im Bereich Multimedia umsehen. Das Handwerk, in dem es viele attraktive Berufe und jede Menge freie Stellen gibt, werde von den Jugendlichen leider immer weniger beachtet.

Hilfe der Eltern fehlt


„Was beim Bewerbungsverfahren fehlt, ist immer wieder die Mitarbeit der Eltern“, bedauert Spies, der versucht, jeden Jugendlichen in eine Ausbildung zu bringen. Aktuell hat er 25 Schüler in seiner eigenen Klasse und kann nur auf eine Mutter als Unterstützerin zählen. Spies wünscht sich deshalb mehr Motivation bei den Familien, die auch die Schüler positiv beeinflussen würden. Bei den Elternabenden sind Dolmetscher vor Ort, es gibt sogar eine Kinderbetreuung für Eltern, die ihre kleineren Kinder nicht allein zuhause lassen können. „Besonders wichtig ist für die Berufsfindung eine gute und aussagekräftige Bewerbung, die sich von den Standartbewerbungen ein wenig abheben sollte, um Beachtung zu finden“, so Spies. „Ich habe bei meinen Stärken deshalb gleich eine kleine Geschichte als Beispiel mit eingebaut“, erzählt Gloria (16), die gern im Krankenhaus tätig werden würde. Spethin (15) weiß, warum die Handwerksberufe nicht mehr so angenommen werden: „Wer Maler, Tischler oder Maurer ist, hat keine so guten Aufstiegschancen“, vermutet der Stadtteilschüler, der auch davor warnt, zu viele persönliche Informationen auf den öffentlichen Internetseiten zu posten.

Vorsicht in sozialen Netzwerken


Ignaz Spies weiß, dass Firmen sich auch bei Facebook und anderen Plattformen einen ersten Eindruck von den Bewerbern verschaffen, noch bevor sie eine Einladung aussprechen. „Wer dann ein Bild von sich zeigt mit zwei Bierflaschen am Strand, hat weniger Chancen“, scherzt Ignaz Spies, der einen sehr guten Draht zu den Jugendlichen hat. Um die Schüler an der Stadtteilschule Öjendorf optimal auf den Beruf und die Ausbildung vorzubereiten, gibt es zwei Berufspraktika und eine Begleitung durch Lehrer von der Gewerbeschule, die zur persönlichen Beratung regelmäßig an die Schule kommen. Heike Mohnert und Burkhard Dammeier helfen in Einzelgesprächen bei den passenden Worten für eine gute Bewerbung und motivieren, wenn mal eine Absage den Traum zerstört hat.

Neu orientieren


Heike Mohnert bedauert sehr, dass die Schüler so wenig über das Handwerk wissen, denn genau da gäbe es viele freie Ausbildungsplätze. In der Beratung sucht sie deshalb zusammen mit den Schülern auch nach Berufen, die bisher nicht auf der Prioritätenliste standen. Stefanos (16) hat sich dadurch neu orientiert und möchte jetzt ins Hotelfach gehen. Viele der Mädchen könnten sich in der Altenpflege einen Job vorstellen und auch die Ausbildung zur Bürokauffrau ist beliebt, wenn es um den richtigen Job geht. „Wer am Ende nicht weiß, was er machen soll, der fängt manches Mal auch noch an zu lernen und entscheidet sich für die Oberstufe“, so Spies. Mit Lehrer Ignaz Spies, der immer wieder, auch bei Niederlagen, hoch motiviert in den Unterricht kommt, bleibt jedenfalls so leicht kein Jugendlicher ohne Perspektiven.
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