Hamburgs längste Straße beginnt in Horn

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Mitglieder der Geschichtswerkstatt: (v.li.) Rita Scheuermann, Daniela Franke, Friedrich Pagels, Edgar Nehrkorn, Thomas Stoye, Claus-Dieter Otto, Kai-Uwe Wahl

Erstes Buch der Geschichtswerkstatt Horn erklärt die 111 Straßennamen des Stadtteils

Hamburg. Schon im ersten Jahr nach ihrer Gründung 1996 veröffentlichte die Geschichtswerkstatt Horn eine kleine Broschüre, in der schlagwortartig die Horner Straßennamen erklärt wurden. Nachdem die dritte Auflage wieder vergriffen war, reifte bei den Hobbyhistorikern der Gedanke, die Bedeutung der mittlerweile 111 Horner Straßennamen ausführlich als Buch aufzulegen. Ziel war es, jeder Straße, die nach einer Persönlichkeit benannt wurde, auch „ein Gesicht“ zu geben. Diese Aufgabe entpuppte sich als echte Herausforderung, denn nicht zu allen Personen fand sich ein Bild im Staatsarchiv oder im Internet. Bis hin zu privaten Quellen recherchierte der Autor Gerd von Borstel und konnte tatsächlich bis auf Hermann Grüning zu jeder Straße mindestens ein Portrait auftreiben. Grüning war Buchhändler, lebte wohl sehr zurückgezogen. Sein Vermögen spendete er für die erste öffentliche Bücherhalle in Eilbek, von der sich ein Bild in den Archiven fand. So blieb auch diese Straße nicht unbebildert. Selbst bei Flurbezeichnungen wie „Horner Mühlenberg“ oder „Pagenfelder Straße“ fanden sich passende Illustrationen, so dass im Buch auf 92 Seiten fast 130 Abbildungen kommen.
Viele der 111 Straßennamen in Horn erklären sich von allein: „Bei den Tennisplätzen“ oder „Rennbahnstraße“ bedürfen wohl kaum einer Deutung. Wer aber war „von Elm“ oder „Daniel Bartels“, nach welchem „Sebastian“ wurde die Gasse benannt? Das Buch der Geschichtswerkstatt Horn gibt nun darüber Auskunft.
Während früher nur die Hauptstraßen einen „richtigen“ Namen trugen (z.B. „Horner Landstraße“ oder „Weg oben in Hamm“), hatten vielfach Feld-, Wald- und Wiesenwege einfach Nummern der zugehörigen Flurstücke oder wurden im Volksmund nach ihrem Richtungsverlauf benannt (Weg nach Wandsbek). Am 16.Juni 1929 erfolgte dann eine Umstellung dieser Wegnummern in Namen. Wie auch anderenorts lassen sich Horns Straßennamen in Kategorien einteilen, die im Vorwort beschrieben werden. Im Anhang ist jede Straße der jeweiligen Gruppe zugeordnet und so erfährt der Leser, dass elf berühmte Horner und auch drei Hamburger Bürgermeister mit einer Straße oder Weg geehrt wurden. In einer kleinen Statistik stellt man erstaunt fest, dass die kürzeste Straße in Horn nur 43 Meter misst, dafür aber Hamburgs längste Straße hier im Stadtteil ihren Anfang nimmt - die Bergedorfer Straße mit 12,8 Kilometern. Ferner liest man auf Seite 19, dass eine Straße keine Hausnummern und eine Straße keinen (!) Namen hat. Ein eigener Abschnitt widmet sich den Straßen, die in den 1930er Jahren geplant und teilweise auch angelegt wurden, dann aber durch geänderte Bebauungspläne in der Nachkriegszeit wieder verschwanden. Auch die Umbenennung von Straßen im „Dritten Reich“ ist dokumentiert. Abgerundet werden die Biografien der Namensgeber am Schluss noch mit zwei besonderen historischen Karten aus dem Archiv der Geschichtswerkstatt. Sie zeigen, wie Horn hätte aussehen können, wären die Straßenplanungen von 1867 und 1909 umgesetzt worden.

Nachschlagewerk

Das erste Buch der Geschichtswerkstatt ist ein gelungenes Nachschlagewerk zur Horner Geschichte und zur Bedeutung der Männer und Frauen in der Arbeiterbewegung, denen viele Straßen rund um die Washingtonallee gewidmet sind. Das Buch ist für 15 Euro erhältlich bei der Wichern-Buchhandlung, Horner Landstraße 203 und im U-Store im EKZ Horner Rennbahn. www.geschichtswerkstatt-horn.de (wb)
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