„Hamm‘ wir alles erlebt“

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Sie „ham“ viel erlebt in Hamm, die Senioren-Autoren: Kurt Blaschke, Annemargret Zimmermann, Rudolf Meye r, Ingrid Schuster und Christel Karbjinski (von links)Foto: Jenssen

Ein besonderes Buch über den Stadtteil. Präsentation am 18. August

Von Martin Jenssen
Hamm. Sie haben viel gemeinsam, die neuen Schriftsteller aus Hamm. Sie sind alle über 80 Jahre alt. Insgesamt haben sie bisher 611 Jahre gelebt. Die meisten Jahre davon haben sie in Hamm verbracht. Und die Geschichten über dieses Leben in Hamm „ham“ sie jetzt gemeinsam aufgeschrieben.
„Hamm‘ wir alles erlebt“, so der Titel des Buches der sieben Autoren. In einer Zeit, in der der Stadtteil wieder von jungen Leuten entdeckt wird, Hamm in neuem Leben erblüht, möchten die Senioren aus dem Stadtteil, dass die Erinnerungen an das alte Hamm erhalten bleiben.
Aufgezeichnet wurden die Geschichten von der Biografiegruppe der Initiative „Hamm wir alles“ – Beatrix Holtmann, Christel Ludewig, Claudia Nüssen und Hildegard Thevs.

Persönliche Annäherung

Über ihr Anliegen schreiben die Biografinnen in dem Vorwort des Buches: „Mit der Veröffentlichung dieser Lebenserinnerungen möchten wir dazu anregen, dass alte und junge Menschen in unserem Stadtteil sich auf eine ganz persönliche Weise den gewachsenen Strukturen in Hamm annähern können. Wir möchten damit zu einem Austausch einladen und zur Kommunikation anstiften.“
Eine großartige Nebengeschichte dieses Buches:
Rudolf Meyer berichtet in seiner Biografie über zwei jüdische Kinder, mit denen er und sein Bruder als Kinder in Hamm gespielt hatten. Er schreibt: „Wir waren mit einem jüdischen Geschwisterpaar, Kurt und Edith Goldschmidt befreundet. Eines Tages erhielten meine Eltern einen Brief von der NSDAP Bezirk Hohenfelde. Es sei bekannt geworden, dass die Kinder Rudolf und Paul Meyer Kontakt zu jüdischen Kindern hätten. Würde dieser nicht eingestellt, würden entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Unsere Eltern reagierten sehr ängstlich und verboten uns den weiteren Kontakt. Wir hingegen waren sehr erfinderisch. Wir planten Fahrradtouren und verabredeten uns an einem Treffpunkt außerhalb. Kurt und Edith fuhren zunächst los, wir folgten eine halbe Stunde später. Durch unseren Umzug in den Rübenkamp verloren wir den Kontakt zu der Familie.“

Kontakt nach New York

Hildegard Thevs, die auch
als Biografin für das Projekt „Stolpersteine“ arbeitet, gelang es, einen Kontakt zu Kurt Goldschmidt herzustellen, der noch in New York lebt. An seinen Vater erinnert ein Gedenkstein in der Marienthaler Straße. Der deutschen Mutter war es gelungen, ihre Kinder vor den Nazis zu retten.
Das Buch „Hamm‘ wir alles erlebt“ wird am Sonntag, 18. August, offiziell der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Die Autoren und Lektoren stehen von 15 bis 18 Uhr im Gemeindehaus der Dreifaltigkeitskirche, Horner Weg 17, zu Gesprächen bereit. Das Buch kostet 10 Euro. Es ist ab 19. August in der Buchhandlung „Seitenweise“ erhältlich.
Aus ihrem
Leben berichten:
Peter Beckmann (Jahrgang 1933). Er verdiente seine Geld viele Jahre als Bäcker und Konditor in der Caspar-Voght-Straße. Als Kind erlebte er die Schrecken des Zweiten Weltkriegs in Hamm. Später war er ein engagierter Sportler.

Kurt Blaschke (Jahrgang 1925). Er war 39 Jahre Chef einer Bauschlosserei und führte das Unternehmen mit Herzblut. Er meint: „Man kann als Chef nicht den dicken Wilhelm markieren, das kann man sich nicht erlauben.“

Christel Karbjinski (Jahrgang 1926). Unter dem Motto „Sich hängen lassen war nie mein Ding“ schreibt sie über ihre Flucht aus Ostpreußen. Als Buchhalterin fand sie in Hamm ihre zweite Heimat.

Rudolf Meyer (Jahrgang 1922) erinnert sich an seine Kindheit, in der er viel Zeit im Hammer Park verbrachte. Im Winter gab es dort eine Eisbahn. Die Kinder liefen dort Schlittschuh zu Walzermusik.
Ingrid Schuster (Jahrgang 1927) in Danzig geboren,
entkam mit viel Glück dem
Untergang der „Gustloff“. Über Neuruppin und Offenbach flüchtete sie nach Hamburg. Sie schreibt: „Ich wollte so gern nach Hamburg, ich dachte nämlich, es läge an der Ostsee, das hatte mir eine Schulkameradin erzählt,
die die Alster für die Ostsee gehalten hatte!“

Elisabeth Wichers (Jahrgang 1921). Sie war 22 Jahre alt, als der Feuersturm über Hamm hinwegfegte. Sie blieb dem Stadtteil ihr Leben lang treu. Die frühere Leiterin mehrerer Kindertagesstätten verstarb, kurz nachdem ihr Leben für das Buch aufgezeichnet worden war.

Annemargret Zimmermann (Jahrgang 1926) hielt ihrem Freund und späterem Ehemann die Treue, obwohl er viele Jahre Krieg und später in russischer Gefangenschaft verbrachte. Zusammen verbrachten sie danach rund 50 gemeinsame Jahre in Hamm.
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