Hoffentlich fährt Töpper

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Björn Töpper ist Triebfahrzeugführer auf der Linie S1 und für seine Ansagen beliebt Fotos: mdt

Fahrgäste der Linie S1 kennen und lieben ihren Zugführer aus Barmbek

Von Marco Dittmer

Hamburg Wer morgens gut gelaunt im Büro ankommen möchte, sollte mal S-Bahn fahren – genauer gesagt S1. Denn auf der Flughafenlinie steigt die Wahrscheinlichkeit, ein Fahrgast von Björn Töpper zu werden. Der Barmbeker ist wohl Hamburgs freundlichster S-Bahnzugführer zwischen Poppenbüttel und Blankenese. Fahrgäste bedanken sich schonmal über soziale Netzwerke für die Fahrt und Töppers spezielle Durchsagen.

„Björn ist einfach eine freundliche Persönlichkeit.“
Ralf Boeckmann


„Ein herzliches Moin von vorne!“ Schlechte Laune hat in den Zügen, die Björn Töpper steuert, nur wenig Platz und Standardansagen, wenn der Verkehr auf Hamburgs Schienen wieder mal stockt, sind dem gebürtigen Dithmarscher ebenfalls fremd. Der 39-Jährige kann von seinem Fahrersitz zwar keine Signalstörung beheben und auch das Stellwerk wird nicht schneller repariert, nur weil Björn Töpper im Zug ist. Dafür sind Töppers Fahrgäste immer top informiert und wissen bei Durchsagen wie „Ich versuche bei der aktuellen Verspätung noch ein paar Minuten für sie rauszuholen“, dass ihr S-Bahnfahrer da vorne alles für sie gibt. Damit punktet der Triebfahrzeugführer, wie S-Bahnführer offiziell bezeichnet werden, bei seinen Fahrgästen. Viele bedanken sich über Twitter oder auf Facebook für die Fahrt.
Spätestens dann hört auch Ralf Boeckmann, Teamleiter und Töppers Vorgesetzter, was sein Fahrer wieder gemacht hat. „Björn ist einfach eine freundliche Persönlichkeit. Es ist schön, wenn unsere Fahrer mit den Fahrgästen kommunizieren“, so der 48-Jährige. Damit ist Björn Töpper aber noch eine Ausnahme im Hamburger Nahverkehr. Viele Zugführer speisen Fahrgäste mit knappen Durchsagen ab. Töpper weiß dagegen, dass bei einer Verspätung für die wartenden Gäste jede Sekunde zählt und sie für jeden Satz aus dem Lautsprecher dankbar sind.
Die offene Art und der direkte Draht können aber auch zu etwas kniffligen Situationen führen: Einmal vergaß Töpper, einen Kollegen abzulösen und musste notgedrungen seinem eigenen Zug mit einer folgenden S-Bahn hinterherfahren. Der Kollege wartete dann am nächsten Bahnhof auf ihn. Ehrensache, dass Töpper den wartenden Fahrgäste keine „Störung im Betriebsablauf“ auftischte, sondern geradeaus den Grund der Verspätung zugab. Später zeigten viele Aussteigende ihr Verständnis mit einem Lächeln oder einem Daumen hoch.

Quereinsteiger bei der S-Bahn

Björn Töpper stieg bei der Bahn erst mit 29 Jahren ein. Nach einer Laufbahn als Zeitsoldat bei der Bundeswehr hat er etwas neues gesucht. Als die Deutsche Bahn damals nach Zugführern suchte, ergriff er die Chance und landete nach der dreijährigen Ausbildung in Frankfurt am Main in einer Hamburger S-Bahn. „Zum Glück! Ich gehöre einfach in den Norden“, sagt Töpper, und in einem ICE kann der Lokführer ja auch nicht mit seinen Fahrgästen sprechen.
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