Hohe Belastung macht Anglern das Leben schwer

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Angler Sven Mertschat (54) hat am Wochenende nach eigenen Angaben einen fünf Kilo schweren Karpfen aus dem Wasser geholt. Im Sommer kommt er häufiger hierher – der Angler bestätigt, dass sich die Wasserqualität verschlechtert hat Foto: fbt
 
Dieses Monstrum liegt seit Tagen am Wegesrand Foto: fbt
Hamburg: Steinfurths Diek |

Glinder Au: Steinfurths Diek in beklagenswertem Zustand

Von Frank Berno Timm
Billstedt
Steinfurths Diek, ein Rückhaltebecken in der Glinder Au, befindet sich in beklagenswertem Zustand. Anglerfreunde, die das Gewässer vom Bezirk Mitte gepachtet haben, schlugen jetzt bei einer Begehung mit Thaddäus Zoltkowski (SPD, Mitglied der Bezirksversammlung Mitte) Alarm. Statt Erholung macht sich Betroffenheit und Verärgerung breit. Thaddäus Zoltkowski (SPD), Chef der Anglerfreunde von 1963, Bernd Mombrei, Jan-Henrik Gronau, Naturschutz- und Umweltbeauftragter des Vereins und eine ganze Gruppe weiterer Anglerfachleute machten sich in der vorigen Woche auf den Weg rund um die Steinfurths Diek. Das Gewässer ist ein aufgestautes Regenrückhaltebecken unterhalb von Mümmelmannsberg und vom Bezirk Mitte an die Angler verpachtet worden – die 70 Vereinsmitglieder zahlen laut Mombrei zusammen 600 Euro Pacht an den Bezirk.

Sauerstoffgehalt gegen Null


Schon gleich zum Auftakt macht Mombrei klar, worum es geht: Bei einer „Beprobung“ im Oktober 2016 habe sich herausgestellt, dass bei zwei Bakterien die Belastung des Wassers achtmal so hoch wie in einem Badgewässer liege. Faulschlamm habe sich angesammelt, der Sauerstoffgehalt gehe gegen Null. Die hier lebenden Vögel werden immer wieder gefüttert und vermehren sich entsprechend. Die Fäkalien der Vögel sorgen für eine Verschlammung des Gewässers. Zweites Problem ist Müll: Mombrei berichtet, normalerweise müsste sein Verein einmal jährlich aufräumen, jetzt sei es fünf- bis sechsmal im Jahr notwendig. Die Gruppe findet unterwegs verdreckte Müllbeutel, einen versenkten Einkaufswagen und ein untergegangenes Kettcar – beim Füttern sollen hier schon ganze Brote ins Wasser geflogen sein. Der aktuelle Müll stamme von einer einzigen Woche, betont Mombrei. Und die Fische? „Die Fangmengen gehen rapide zurück“, sagt der Angelfachmann, auf Fischbesatz verzichte sein Verein, weil sich die Tiere ohnehin nicht mehr vermehrten. „Hier ist alles schon drin gewesen“, sagen die Angler über den Müll, die Abfallkörbe am Rand würden schlicht nicht genutzt. Die Menge an Wasservögeln sei „absolut unnötig“, die Wassertiefe sei von ursprünglich zwei Metern auf 80 Zentimeter gesunken, die Fließgeschwindigkeit ebenfalls zurückgegangen, weil die Zuflüsse teilweise blockiert seien.

Fische haben Parasiten


Informationsschilder, dass man nicht füttern dürfe, hielten 48 Stunden. Eine Modellbootanlage wurde aufgegeben, weil sich die kleinen Schiffe im Untergrund verfingen. Schon jetzt sind die Fische laut Mombrei mit einem Parasiten, der so genannten Schwarzfleckenkrankheit, befallen. Es ist „allerhöchste Eisenbahn, dass etwas passiert“. Der Pachtvertrag mit dem Bezirk werde hinfällig, wenn die Fische tot im Gewässer schwimmen, sagt Mombrei. Jan-Henrik Gronau kümmert sich 200 Tage im Jahr um das Gewässer, der Zustand habe sich in den letzten „zwei, drei Jahren rapide verschlechtert“. Thaddäus Zoltkowski ist genauso schockiert wie die Angler und sichert zu, er werde das Thema in den Regionalausschuss Billstedt bringen.

Reinigungsaktion geplant


Sorina Weiland vom Bezirksamt Mitte bestätigt die Problematik, sie sei mit der Behörde für Umwelt und Energie (BUE) diskutiert worden. Auch aus Sicht des Bezirksamts könnte die hohe Population Wasservögel mit entsprechenden Fäkalien Ursache sein. „Hier ist eine Aufklärung der Bevölkerung erforderlich, das Füttern von Wasservögeln zu unterlassen“. BUE-Sprecher Jan Dube ergänzt, der „Bedarf für die Entschlickung“ sei angemeldet. Thaddäus Zoltkowski kündigt für den 24. März im Rahmen der Aktion „Hamburg macht Sauber“ eine Reinigungsaktion an der Steinfurther Diek an.
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