Horn ist nicht verlor‘n...

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Astrid Popal, Verkäuferin in der „Schatzkiste“, wünscht sich: Klön-Café und Feinkost Foto: Jenssen

Politiker reagieren auf Bericht über Verödung. Ladenbesitzer hoffen

Von Martin Jenssen
Horn/Hamm. Die Anwohner an der Horner Landstraße haben Angst vor einer weiteren Verödung ihres Geschäftsviertels. Viele Läden stehen leer, unter anderem die ehemaligen Räume der Hamburger Sparkasse an der Ecke Bauerberg. In die leerstehenden Horner Geschäfte sind Sportbars, Spielsalons oder Damen aus dem Rotlichtgewerbe eingezogen (wir berichteten). Abends zeigen sich Dealer auf der Straße.
Geschlossen hat auch das Dart-Lokal an der Horner Landstraße, bislang einer der ganz wenigen Treffpunkte für junge Leute. Dafür soll dort eine Shisha-Lounge, also ein Ort zum Wasserpfeifen-Rauchen, einziehen. „Das bringt uns nicht weiter“, sagt Peter Lindelo, der seit mehr als 30 Jahren einen Getränkeshop in Horn betreibt. Dennoch ist es ihm lieber, in den Geschäften an der Horner Landstraße tut sich überhaupt etwas. „Am empfindlichsten treffen uns Geschäfte, die ganz leer stehen“, sagt er. „Besonders getroffen hat uns die Schließung des Schlecker-Ladens und der Auszug der Hamburger Sparkasse.“
In die ehemaligen Schlecker-Räume ist die „Schatzkiste“ gezogen, eine Firma für Haushaltsauflösungen. Im Laden findet man alles, was man für den Haushalt braucht, Möbel, Lampen, Geschirr, Bilder, Kugelfische und ausgestopfte Eichhörnchen. „Hätte er gewusst, dass die Geschäftsstraße immer mehr verödet, hätte sich mein Chef wahrscheinlich eine andere Lage gesucht“, sagt Verkäuferin Astrid Popal. Letztens kamen gerade mal 17 Kunden an einem Tag, drei davon kauften etwas.
Nach dem ersten Artikel im WochenBlatt über die „Verödung der Horner Landstraße“ reagierte der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Hansjörg Schmidt sofort. Er lädt Geschäftsleute und Bürger aus dem Stadtviertel zu einem Infoabend ein. Er möchte sich vor Ort darüber informieren, wie man die Situation verbessern kann. Schmidt: „An wen die Hausbesitzer ihre Läden vermieten, da kann sich die Politik nicht einmischen. Dennoch könnte ich mir vorstellen, Gespräch mit den Vermietern zu führen. Die Politik bemüht sich, den Stadtteil nicht veröden zu lassen. Das sieht man am Blohms Park, der sehr schön neu gestaltet wurde.“

Grüne appelliert an Stadt

Michael Osterburg, Fraktionschef der Grünen im Bezirk Mitte: „Das Problem der Verödung der Ladenzeilen in den Stadtteilen, die nicht in zentralen Gebieten liegen, brennt uns unter den Nägeln. Man sollte versuchen, durch eine Verbesserung der Fußgänger- und Fahrradwege mehr Vertraulichkeit zu schaffen. Wir würden in Horn gern einen ‚Runden Tisch‘ einrichten. Dort sollten sich Ladenbesitzer, Vertreter des Bezirks und Politiker treffen, um zu beraten, wie die Geschäftsstraße zu beleben ist. Horn ist nicht weniger wichtig als St. Georg. In St. Georg hat das mit den ‚Runden Tisch‘ gut funktioniert.“
Kathrin Zühlsdorf, Sprecherin der CDU, erklärt: „Das gleiche Phänomen haben wird auch am Horner Weg. Dort mussten viele Geschäfte schließen, weil die Mieten stark angestiegen sind. Zum Bedauern vieler Anwohner haben dort auch der Edeka-Laden und die Eisdiele aufgeben müssen. Ich sehe eine Verantwortung der Vermieter, aber auch des Bezirks. Das Fachamt für Wirtschaftsförderung sollte sich nicht nur um die Geschäftsmetropolen sondern auch um die kleinen Ladenzeilen kümmern.“
Ideen für eine Belebung des Horner Geschäftsviertels gibt es viele. „Ich hätte gerne wieder einen Feinkostladen im Viertel und ein nettes Café, in dem man sich austauschen kann“, sagt etwa Verkäuferin Popal. Geschäftsmann Lindelo hält es für wichtig, einen Treffpunkt für junge Leute zu schaffen, an dem auch Jobs angeboten werden. In der Ladenzeile wünscht er sich eine Metzgerei und ein Fischgeschäft. „Das wäre vor allem gut für die älteren Menschen, die hier wohnen.“

Informationsabend des SPD-Abgeordneten Hansjörg Schmidt, Gaststätte Limnos, Horner Landstraße 146, Mittwoch,
4. September, 19 Uhr
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1 Kommentar
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dieter Hesimann aus Hamm | 10.09.2013 | 10:54  
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