Horner Geschichte im TimeTunnel

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Hintere Reihe, v. li.: Yvo-Bernhard Tynkowski, Sozialarbeiter Matthias Koberg und Pascal Transchel. vorn, v.li.: Janina Transchel, Celina Transchel, Jessica Transchel und Matea PerkusicFotos: Christa Möller
 
Der Eingang präsentiert sich jetzt farbenfroh

Projekt von Hamburgs einzigem Jugendparlament. Mitglieder engagieren sich für ihren Stadtteil

Von Christa Möller
Horn. Im Untergrund, da tut sich was: Über vierzig Jahre lang fristete der Fußgängertunnel unter der Rennbahnstraße in Horn ein ruhiges Dasein. Jetzt wurde das 1967 errichtete Bauwerk zwischen Gojenboom und Einkaufszentrum Horner Rennbahn ordentlich aufgerüscht. Von den Jupas. Kennen Sie nicht? Das muss sich ändern. Dieser Begriff ist die Abkürzung für „Jugendparlamentarier“. So was gibt’s nicht noch einmal – jedenfalls nicht in Hamburg. Und sogar ganz deutschlandweit nicht in dieser Form. Denn das Horner Jugendparlament darf selbst bestimmen, was es mit seinen Finanzen macht. Immerhin stolze 12.600 Euro können die Mitglieder jährlich ausgeben.
Schon seit 1997 besteht das Jugendparlament, derzeit gehören ihm 15 junge Leute zwischen 14 und 27 Jahren an. Ihr Vorsitzender ist Pascal Transchel, der gleich seine jüngeren Schwestern Jessica, 17, und Janina, 14, zur Mitarbeit motiviert hat. Inzwischen schnuppert sogar die jüngste Transchel-Schwester Celina gelegentlich schon mal mit rein, obwohl sie mit ihren zwölf Jahren noch zu jung ist – eigentlich. „Ich finde die Idee toll, die Wände anzumalen“, sagt sie. Sich für andere einsetzen, das ist für Yvo-Bernhard Tynkowski, 25, selbstverständlich. „Auch meine Eltern waren ehrenamtlich tätig. Das, was ich zuhause erhalten habe, möchte ich weitergeben“, begründet der Student seinen Einsatz. Und die 16-jährige Matea Perkusic erläutert: „Ich möchte in meinem Stadtteil etwas verändern. Wenn ich mich selbst beteiligen kann, ist das ideal.“
Unterstützung bekommen die Jugendlichen von Mitarbeitern der Jugendeinrichtungen wie Matthias Koberg. Der Sozialpädagoge arbeitet bei der Kirchengemeinde und ist im Beirat des Jugendparlaments, das heißt, er hat keine Stimme, sondern lediglich beratende Funktion. „Das Geld, das dem Jugendparlament zur Verfügung steht, wird seriös verwaltet“, weiß er. Darüber müssen die Jugendlichen Rechenschaft ablegen, es habe aber noch nie eine Beanstandung gegeben. Unter anderem wurde mit den Mitteln vor einigen Jahren eine Inline-Skatebahn errichtet.
In diesem Jahr haben die Jugendlichen ihr Geld besonders fantasievoll angelegt: Es schmückt jetzt sozusagen die Wände des Tunnels, der kaum noch wiederzuerkennen ist. Immer wieder bleiben Passanten stehen und bestaunen die farbigen Kunstwerke an den Wänden, die auf Initiative der jungen Leute entstanden sind. Ausgewählt wurden die Motive in Zusammenarbeit mit der Horner Geschichtswerkstatt. Sie zeigen die Geschichte des Stadtteiles, mit der sich die Jugendlichen derzeit verstärkt beschäftigen, beginnend mit dem Horner Urkundenbrief von 1305 auf der Seite des Einkaufszentrums bis zum Jubiläum „Viva Horn“ 2006 auf der Gojenboomseite.

Horner Geschichte auf 550 Quadratmetern

Der so genannte TimeTunnel ist bislang das größte Projekt des Jugendparlaments, insgesamt sind Kosten von 23.500 Euro entstanden. Die Stadt hat zusätzlich für den Grünschnitt seitlich an den offenen Tunnelbereichen gesorgt und die Grundierung der Wände finanziert. Christian Delles, bekannt als „Beat Boy Delles“, und sein fünfköpfiges Team haben vier Wochen lang die geschichtsträchtigen Bilder auf die insgesamt 550 Quadratmeter großen Flächen gesprayt. „Wir haben ungefähr eintausend Sprühdosen benötigt“, sagt der Streetart-Künstler, der 60 bis 70 verschiedene Farbtöne verwendete, um „aus dem tristen Horner Tunnel eine fröhliche Farbwelt mit Sinn und Verstand“ zu machen. Alle Motive wurden einmal vorgezogen, ganz nach dem Exposé, das der Vorsitzende der Geschichtswerkstatt, Gerd von Borstel, anhand von Motiven der 700-Jahr-Chronik dafür entwickelt hat.
Die Jupas waren in ständigem Kontakt mit dem Künstler und kümmerten sich im Vorwege auch um Bürokratisches. „Niemand fühlte sich verantwortlich für die alten Plakatwände. Schließlich hat das Bezirksamt Mitte die Entfernung veranlasst“, erklärt Pascal Transchel, der sich schon mit dem nächsten Projekt, der „Horner Tafelrunde“, beschäftigt.

Tafelrunde und Patenschaften

In Kooperation mit der Geschichtswerkstatt hat das Jugendparlament für den historischen Rundgang etwa 30 Info-Tafeln ausgesucht, 13 davon finanziert es auch. Der Tunnel, er liegt fast im geografischen Zentrum von Horn, soll in den Rundgang integriert werden. Ein ständiges Thema ist außerdem der Müll rund um den Tunnel: „Die Stadt wünscht sich Patenschaften, dass sich das Jugendparlament verantwortlich fühlt oder Geld gibt für verschiedene Aktionen“, sagt Matthias Koberg. Anregungen gibt es reichlich. Was den Tunnel anbelangt, der übrigens Teil des europäischen Fernwanderweges von Genua bis zum Nordkap ist, könnte die Beleuchtung noch etwas heller sein.
Die Jupas organisieren außerdem Fußballturniere, Ausflüge sowie Wochenendseminare zur Projektplanung, aber auch Freizeiten mit Jugendlichen aus dem Stadtteil, die vom Jugendparlament finanziert werden und Seminare zur politischen Bildung in Schulklassen. Einmal monatlich treffen sich die jungen Parlamentarier zur Sitzung. Weitere Interessierte dürfen gern dazukommen.
Nähere Infos zum Jugendparlament beim Vorsitzenden Pascal Transchel,
Tel.: 52 80 67 56
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