Horner Riedsiedlung im Wandel der Zeit

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Große Rasenflächen prägten das Bild der Siedlung Foto: Archiv Geschichtswerkstatt
 
Die Häuser der Siedlung wurden bis an den Fußweg gebaut Foto: von Borstel

Happy Farm“ als neues Heim für Familien. Teil 19 der Serie „Horn – damals und heute“

Von Gerd von Borstel/Petra und Yolanda Bautista
Horn
In der 19. Folge unserer Serie in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Horn vergleichen wir zwei Fotos aus den Jahren 1999 und 2016, die in der Straße Vierbergen aufgenommen wurden und die alte und neue Riedsiedlung zeigen. Die Siedlung entstand auf einem ca. 8 Hektar großen Areal, was durch die Straßen Vierbergen, Hermannstal, der Legienstraße und dem Helma-Steinbach-Weg begrenzt wurde. Es entstanden darauf sogenannte „Schlichtwohnungen“ von 1933 bis 1939 nach Plänen des Architekten Carl Winand. Die ersten 170 Wohnungen entstanden im Zuge eines Arbeitsbeschaffungsprogrammes auf Grundlage des „Gesetzes zur Errichtung von Not- und Behelfswohnungen“ in den Jahren 1933 und 1934 an der Legienstraße und am Hermannstal. Die Normvorgabe war eine Vier-Zimmer-Wohnung mit Nebenräumen, einer Wohnküche, Toilette und einem Kohlenkeller.

Für mittellose Familien

Die Vergabe der Wohnungen durch die Sozialbehörde sollte vorrangig an mittellose Familien mit mindestens drei minderjährigen Kindern erfolgen, die durch den Abriss des Gängeviertels obdachlos geworden waren. Der zweite Abschnitt wurde 1937 und 1938 als größere „Volkswohnungen“ für kinderreiche Familien entlang der Straße Vierbergen erstellt (Foto). Zur Riedsiedlung gehörten auch die im Kriegsjahr 1939 entstanden Häuser am Helma-Steinbach-Weg. Die Distanz zur restlichen Siedlung erklärt sich dadurch, dass die Fläche dazwischen bereits damals als Planungsfläche für die Hamburger Hochbahn freigehalten wurde. Durch die Anordnung der Häuserblocks der Siedlung (man konnte von fast jedem Punkt der Siedlung die ganzen Hauseingangstüren überblicken) eignete sie sich gut zum Überwachen von unliebsamen Sozialdemokraten und Kommunisten. So lebten hier ca. 70 Prozent Sozialdemokraten und ca. 30 Prozent Kommunisten mit ihren Familien. Zur besseren Kontrolle wurde ab 1939 in jedem zweiten Block ein SA-Mann als Blockwart einquartiert und die Siedlung mit einem Zaun eingefasst, so dass der Zugang nur über ein Tor möglich war. Allerdings hatte die Riedsiedlung nie den Status eines Lagers.

Wiederaufbau nach 1948

1948 wurde die teilweise zerstörte Siedlung wieder aufgebaut. Zuerst waren es nur zwei Laster, die den Schutt abfuhren. Dann kamen die Briten mit tatkräftiger Hilfe: Sie stellten 20 kleine Kipplaster und etliche Soldaten packten mit an. Nach Beendigung des Wiederaufbaus wurde ein Fest mit den Briten gefeiert. Weil die Bewohner ihre Grammophone ins Fenster stellten und auf der Straße tanzten, nannten die Briten die Riedsiedlung ,,Happy Farm" – ein Spitzname, der noch heute bei den Hornern geläufig ist. Ab 2000 wurde ein Großteil der 538 Wohnungen abgebrochen und durch attraktive Neubauten ersetzt. Nach langen Verhandlungen mit den Mietern konnten 81 Wohnungen am Hermannstal erhalten werden.

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