Im Labyrinth der Buchstaben

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Karin Moering liest aus ihrem Buch Foto: kg

Billstedterin schrieb über ihren Weg zum Lesen und Schreiben

Billstedt Karin Moering hat ihr erstes Buch geschrieben und darin die Geschichte eines Mädchens erzählt, das in den 1960er Jahren durch das Bildungssystem gefallen ist. Die Geschichte des Mädchens Kati ist gleichzeitig auch ihre eigene. In der DDR aufgewachsen, flüchtet Familie Moering 1961 nach Westdeutschland. Als schüchternes Kind wird sie schnell als lernbehindert eingestuft und auf eine Sonderschule abgeschoben. Karin Moering erinnert sich heute, wie sie dann zwar lesen und schreiben lernte, dennoch mit dem Umgang der Sprache nie richtig vertraut geworden ist. „Wir wurden verwahrt, aber nicht in unseren Stärken gefördert“, so die heute über 60-jährige Frau mit den lustigen grauen Locken. Mit ihrem Buch will sie Mut machen, möchte sie andere davon überzeugen, dass es sich immer lohnt, sich auf den Weg zu machen und die eigene Situation zu verändern. Eine Ausbildung hat Karin nach der Sonderschule zunächst nicht gemacht und musste somit als Hilfsarbeiterin in Fabriken tätig werden. „Das Schlimmste war dann aber eigentlich immer, den funktionalen
Analphabetismus zu verstecken“, erinnert Karin Moering. Die Familie verschwieg gegenüber anderen die Situation der Tochter und auch darunter litt die kleine Karin damals. „Wenn ich nach meiner Schulkarriere gefragt wurde, sagte ich einfach, ich wäre auf dem Dorf zur Schule gegangen“. Mit 45 Jahren schafft Karin Moering dann den Neustart, weil sie immer gewusst habe, was in ihr stecke. Zuerst macht sie den Hauptschulabschluss nach und studiert danach an einer freien Schule Kunsttherapie. „Wenn man erst einmal den Mut gefasst hat, dann kann man alles schaffen“. Mit ihrem Werk „Im Labyrinth der Buchstaben“ geht es um Legasthenie, um die Angst zu versagen und die Angst dabei entdeckt zu werden. Karin Moering wirkt heute stark und zerbrechlich zugleich. Ihre Geschichte kann sie nicht rückgängig machen, doch mit dem ersten Buch, das die Lektorin erst beim zweiten Anlauf nahm, weil immer noch ein paar Rechtschreibfehler drin waren, hat sie den Durchbruch in einen neuen Lebensabschnitt geschafft. Heute wissen ihre Geschwister und ihre Freunde und natürlich auch ihre eigenen Kinder von ihrer Vergangenheit und das Allerwichtigste für Karin Moering: „Alle sind wahnsinnig stolz auf mich“. Eine bewegende Geschichte, die zeigt, wie aus der Kraft zu Veränderungen, eine ganz neue Lebensgeschichte entstehen kann. Wer Karin Moering hören möchte, kann zu ihrer Lesung in der Bücherhalle nach Billstedt kommen. (kg)

„Im Labyrinth der Buchstaben. Ein Leben mit Legasthenie“. Lesung am Donnerstag, 25. Februar, 9.30 - 11 Uhr, Bücherhalle Billstedt, Möllner Landstraße 31, Eintritt kostenlos
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