Imam statt Pastor

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Die Kapernaumkirche in Horn ist in ihrer Architektur einzigartig und steht auf der Liste zu schützender Denkmäler der Stadt Hamburg, Glockenturm und Gebetsraum sind bereits denkmalgeschützt. Sie wurde 1961 von Otto Kindt († 12. Juli 2006) entworfen. Fast zehn Jahren ist sie entwidmet und leerstehend. Foto: Röhe

Muslime wollen ehemalige Kirche zur Moschee machen

Von Matthias Röhe
Horn. Schmuddeliges Erscheinungsbild, Dreck von mehreren Obdachlosen, ein insgesamt verwildertes Gelände. Das Schicksal der Kapernaumkirche in der Sievekingsallee beschäftigt Anwohner und Behörden schon seit mehr als zehn Jahren. Nun kommt Fahrtwind auf: denn aus dem leerstehenden Kirchengebäude soll eine Moschee werden. Für mehr als eine Million Euro soll es vom neuen Eigentümer, dem Islamisches Zentrum Al-Nour e.V. umgebaut werden. „Anwohner brauchen keine Sorge zu haben: der Muezzin wird nicht vom Minarett rufen“, sagt Daniel Abdin, Vorsitzender des Al-Nour-Vereins und ergänzt: „Wir wollen auch das Gebäude von außen nicht verändern, schließlich steht es zum größten Teil unter Denkmalschutz. Nur das Kreuz auf dem 44 Meter hohen Glockenturm werden wir abmontieren.“ Das Gebäude soll auch künftig für jedermann geöffnet bleiben. Etwa 250 bis 300 Gläubige könnten nach dem Umbau nach Horn kommen. Für Abdin ist der Kauf des Gotteshauses ein Glücksgriff, denn bisher müssen die etwa 600 Gläubigen seiner Gemeinde in einer Tiefgarage in St. Georg beten. „Wir wollen aus diesem Garagen-Zustand raus und freuen uns, dass etwa die Hälfte in Horn zum regelmäßigen Beten unterkommen kann“, sagt Daniel Abdin. Der 49-Jährige sucht noch weitere Gebäude, die sich als Moschee eignen. Bei aller Freude, dass die Kirche bald wieder genutzt wird, gibt es auch kritische Stimmen.
Der Kirchenamtspräsident der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Hans Ulrich Anke, äußert sich zu den Plänen: „eine Kirche ist der Ort, an dem das Evangelium von Jesus Christus gepredigt und gelebt wird. Das kann man nicht einfach abschalten und den Raum fürs Predigen anderer Gottesbilder zur Verfügung stellen.“

Genug Parkplätze?

Auch Anwohner in der Sievekingsallee sehen Probleme: „Wo sollen die Gläubigen denn alle parken? Hier ist der Parkraum schon jetzt knapp.“
Am 3. Oktober sollen erstmalig bis zu 300 Gläubige in der ehemaligen
Kapernaumkirche beten können. Das ist nicht nur der Tag der Deutschen Einheit, sondern auch der „Tag der offenen Moschee“.
Daniel Abdin hebt hervor: „Nicht nur am Tag der Moschee, sondern jederzeit steht unsere Moschee auch allen Christen und Juden als Pilgerort
offen.“ (mr)
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