In Hamburg leben Senioren und Geflüchtete zusammen

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Edith Weiland freut sich helfen zu können. Die Senioren im Haus seien selber auf Unterstützung anderer angewiesen und können sich in die Situation der Flüchtlinge hineinversetzen Foto: Grell

In der Wohnanlage „Haus Billetal“ in Mümmelmannsberg ziehen schutzbedürftige Flüchtlinge ein. Hausbewohner wollen helfen

Von Karen Grell
Mümmelmannsberg
In der Seniorenwohnanlage in der Oskar-Schlemmer-Straße 25 werden in den vierten Stock Flüchtlinge einziehen, die besonderen Schutz brauchen. Dabei handelt es sich um frisch operierte, geschwächte oder behinderte Menschen, die nicht fit genug sind, um in einem der großen Erstaufnahmelager zurechtzukommen und dort auch nicht ausreichend versorgt werden könnten. „Ich freue mich, dass wir Menschen in Not helfen können“, meint Edith Weiland (82), die im Haus wohnt und in vielen Gesprächen mit anderen Bewohnern anfängliche Ängste abbauen konnte. „Manche fürchten sich vor dem Unbekannten, dem Neuen“, meint Edeltraut Prack (72), „sie hatten Angst davor, dass der Fahrstuhl zu überfüllt sein könne oder das anwesende Personal nicht mehr ausreicht.“ Bei 156 Plätzen im Heim und aktuell nur 115 Bewohnern ist das kein Thema, „denn die Flüchtlinge werden komplett parallel zu unserem Betrieb von zusätzlichen Pflegekräften betreut. Die meisten können ihre Etage aufgrund ihrer körperlichen Verfassung kaum verlassen“, kommentiert Dr. Lars Wohlfahrt, der Geschäftsführer der Einrichtung. Schon in der kommenden Woche, Anfang Oktober, sollen die ersten Flüchtlinge im Haus einziehen. „Viele der Senioren erinnern sich auch selber an ihre Kindheit in der Nachkriegszeit, in der es schwierig war und in der sie für jede Hilfe dankbar waren“, meint Edeltraut Prack. Der Unterschied sei in dem heutigen Fall die Sprachbarriere, aber auch das wolle man in Mümmelmannsberg in den Griff bekommen. „Man kann freundlich sein und einander respektieren“, so die Idee der Rentnerin. Wenn man vor Krieg und Gewalt flüchtet, auf dem Weg erkrankt und ins Krankenhaus muss und „dann auch noch böse Blicke entgegen nehmen muss, ist das doch grausam“, so Prack. „Zu gemeinsamen Aktionen zwischen Bewohnern und Neuankommenden wird es in dem Haus der Awo wohl gar nicht kommen“, vermutet Lars Wohlfahrt. Die Menschen seien von ihren Leiden zu geschwächt. Auch die Mahlzeiten werden sie deshalb im vierten Obergeschoss einnehmen. Bis zu 70 Menschen können in 35 Zwei-Bett-Zimmern aufgenommen werden und „die Planung liegt bei zunächst zwei Jahren“, so formulierte es der Fachamtsleiter Michael Mathe in der Sitzung des Stadtplanungsausschusses. Christiane Kuhrt vom Zentralen Koordinierungsstab Flüchtlinge des Senats (ZKF) bestätigt, dass weiterhin dringend Plätze für Menschen, die besonders schutzbedürftig sind, gebraucht werden. Die Gefahr, sich gerade frisch operiert an Keimen aus dem Umfeld anzustecken, sei einfach extrem groß. Lars Wohlfahrt wird ab Oktober einen Wachdienst rund um die Uhr vor seinem Haus haben. „Das ist eine Vorschrift, die für alle Einrichtungen gilt“. Edeltraut Prack und Edith Weiland stellen sich die neue Situation die nun auf das Haus zukommt gar nicht so schwer vor: „Schon mit einem kleinen Lächeln, kann jeder von uns ein wenig helfen“.
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