In Hamburg verankert

Anzeige
Hausbootbesitzer Daniel Wickersheim
 
Feinschliff: Am Hausboot von Daniel Wickersheim werden derzeit die letzten Arbeiten erledigt Fotos: Stammer

Neues Hausboot in Hammerbrook. Was Wohnen auf dem Wasser erschwert

Von Silvia Stammer
Hamburg. Ein Umzug verändert die Lebensumgebung manchmal drastisch. Selten ist jedoch die Umstellung so groß wie bei Architekt Daniel Wickersheim (41): Von einer Wohnung im trubeligen Altona zieht er in den nächsten Wochen auf sein neues Hausboot am Hammerbrooker Mittelkanal.
113 Quadratmeter, die Wände teils rund geformt, der Boden nur wenige Zentimeter über dem dunkel schimmernden Wasser: So wird sein Traumschiff, an dem er seit 2009 auch in Eigenleistung arbeitete, endlich Wirklichkeit. Nordkai-Ufer 1 heißt die neue Adresse.

Derzeit 80 Hausboote

Wickersheim ist einer der Pioniere auf dem Wasser in Hamburg. Aktuell gibt es geschätzt 80 Hausboote in Hamburg, weiß Wolfgang Vocilka, Hausbootkoordinator im Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung. An 36 weiteren wird derzeit gearbeitet und geplant. Könnten das nicht mehr sein in einer Stadt, die so nah am Wasser gebaut hat? Bezirksamtsleiter Andy Grote aus Mitte bedauert: „Leider läuft es mit den Hausbooten zäher als man sich das in einer Stadt wie Hamburg wünschen würde.“

„Leider läuft es mit den Hausbooten zäher als man sich das in einer Stadt wie Hamburg wünschen würde.“ Bezirksamtsleiter Andy Grote

Es sind viele Hürden zu nehmen, bevor ein Hausboot verankert werden kann. Das größte Problem ist derzeit die Finanzierungsfrage. Viele Banken zögern, Geld für eine Immobilie zu geben, die eine Mobilie ist: Wasser hat zwar manchmal Balken, aber kein echtes Grundstück, das als Sicherheit gelten kann. Experte Vocilka: „Meines Erachtens müssten Banken entsprechende Kreditprodukte für Hausboote entwickeln.“ Auch die Erschließungskosten für Strom und (Ab)wasser müssen berücksichtigt werden. So wurde beispielsweise von einem geplanten Liegeplatz im Bereich Osterbrookstraße in Hamm-Süd Abstand genommen, weil die Arbeiten zu aufwändig gewesen wären.

Beschränkte Flächen

Außerdem ist die Zahl der Plätze für Hausboote beschränkt. Fachmann Vocilka erklärt: „Große Wasserflächen, die man der Verwaltungshoheit des Bezirksamts zuordnet, unterliegen tatsächlich der Verwaltungshoheit der Hamburg Port Authority, HPA.“ Und: „Das Wohnen ist auf Liegern im Hafengebiet, in Industrie- und in Gewerbegebieten sowie an Kleingartengebieten unzulässig. Das reduziert für uns deutlich feststellbar die Bereitschaft für Investitionen, da die meisten Hausboote zum Wohnen bestimmt sind.“
Vocilkas Rat ist inzwischen bundesweit bei Interessenten fürs Wasserwohnen gefragt. Erst kürzlich bekam er Besuch aus Bremen und Gelsenkirchen.
Eine weitere Einschränkung: ein Hausboot ist kein Schnäppchen. „Inklusive Erschließung kommt man kaum unter 400.000 Euro“, sagt Hausboot-Bauer Wickersheim. Dabei hat der Architekt auch früher Zimmerer gelernt, konnte also bei Planung und Durchführung selbst Hand anlegen. Er hatte sich bereits 2006 um einen Liegeplatz in Eilbek beworben. Damals waren zehn Plätze im Rahmen eines Pilotprojekts des Senats ausgelobt worden. Wickersheim landete mit seinem Entwurf auf Platz 13 von insgesamt 81 Bewerbern – und verfehlte damit knapp die Umsetzungsmöglichkeit. Doch nun hat es am Mittelkanal geklappt.
Wer ausprobieren möchte, wie es sich auf dem Wasser lebt: Der Hammerbrooker Hausbootsbesitzer vermietet demnächst tage- und wochenweise ein Zimmer. Infos unter hausboot-schwan.com. Weitere Details zu Liegeplätzen und aktuellen Projekten: hamburg.de/mitte/wasserleben
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige