Ist „Elisa“ schlecht gebaut?

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Bewohner und Anwohner des historischen Gebäude-Ensembles „Elisa“ machen sich für den Erhalt stark Foto: Röhe

Bewohner kämpfen weiter / VHW wartet auf Gutachten

Von Matthias Röhe
Hamm. Die Vereinigte Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft (VHW) hatte im März den Abriss des Häuserensembles am Elisabethgehölz verkündet (wir berichteten). Hauptsächlich führte die VHW als Gründe für den Abriss statische Probleme an. Der verwendete Mörtel der Gruppe 1 mache eine Sanierung unmöglich. „Heike Sudmann und Tim Golke aus der Linken Bürgerschaftsfraktion stellten kürzlich eine Kleine Anfrage an den Senat. In der Antwort hieß es, dass der verwendete Mörtel grundsätzlich nicht als problematisch anzusehen ist“, verkündet Michael Brackhahn von der Initiative „Rettet Elisa“ auf einer Info-Veranstaltung im Stadtteilarchiv Hamm. Kalkmörtel sei sogar bis 1970 bei vielen Bauten in Hamburg verwendet worden.
Bisher habe es keinerlei Probleme mit Altbauten gegeben, die von diesem Kalkmörtel zusammengehalten werden, hieß es weiter in der Senatsantwort. „Vor allem aber hat der Senat mitgeteilt, dass in Hamburg nicht ein einziges Gebäude wegen der ehemals verwendeten Mörtelgruppe 1 abgerissen wurde. Die VHW allerdings gibt den Mörtel als Grund für einen Abriss an“, führt Brackhahn weiter aus.
Aus der Antwort der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt auf eine weitere Kleine Anfrage (von der Grünen-Fraktion) geht darüber hinaus hervor, dass Kalkmörtel nicht den aktuellen Regelungen des Brandschutzes entspräche.

„Keine zehn Pferde bringen mich hier raus,
ich liebe meine Wohnung“,
Petra Lühr
Nur bei Veränderungen des Grundrisses würden betreffende Gebäude aus dem Bestandsschutz fallen und müssten an die heutigen Brandschutzregelungen angepasst werden. „Eine allgemeine Einsturzgefahr ist daraus nicht abzuleiten“, heißt es in der Antwort weiter. Unterdessen hat der lange und kalte Winter nicht nur die Gemäuer des Backsteingebäudes in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch die soziale Erosion der Mieter befördert.
Die Initiative, die seit fast 19 Monaten um den Erhalt der Backsteinbauten kämpft, zweifelt an der Begründung der VHW für den Abriss – zumal das Gutachten, auf das die VHW Bezug nimmt, bislang nicht in schriftlicher Form vorliegt. Zudem erzeuge die Wohnungsbaugenossenschaft das Bild, dass die Bewohner die im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Wohnanlage mit ihren eigenen Händen wiederaufgebaut hätten – ohne professionelle Kenntnisse von Wiederaufbau.
Bewohner wie die 73-jährige Petra Lühr bleiben trotzdem dabei: „Auch wenn die Bagger unten stehen, ziehe ich nicht aus. Die können meinetwegen verrosten.“ Sie wohnt seit zehn Jahren “Am Elisabethgehölz” in einer 64 Quadratmeter großen Wohnung im ersten Stock. „Keine zehn Pferde bringen mich hier raus, ich liebe meine Wohnung.“ 52 Mieter sagen derzeit: „Wir bleiben“!
Marco Hahn, Vorstand der VHW ,teilt mit: „Wir werden im Moment keine Stellung zu Anfragen beziehen, sondern uns sobald die Stellungnahme des Prüfstatikers vorliegt, abschließend zu unserer Entscheidung äußern.“ Das Tauziehen geht weiter.
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