Jenfelder Bach wird verlegt

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Ron Pikula (li.) und Gerrit Bischoff präsentieren den Plan für die neue Anlage Foto: ms
 
61 Hektar umfasst das Einzugsgebiet des Regenwassers rund um den Schiffbeker Weg Foto: Sichting

1,4 Millionen Euro für neue Regenwasserfilteranlage in der Manshardtstraße

Von Mathias Sichting
Billstedt
28.000 Fahrzeuge passieren täglich den Schiffbeker Weg. Reifen- und Bremsabrieb, Motorenöl, Bremsmittel und Scheibenwischwasser: die Autos hinterlassen verschiedenste Materialien auf der viel befahrenen Straße.
Regenschauer spülen diese in die Kanalisation. Damit die hoch belastete Mischung in Zukunft nicht mehr in die Gewässer gelangt, werden sogenannte Regenwasserbehandlungsanlagen gebaut. Diese filtern das Regenwasser mit einem Wirkungsgrad von bis zu 95 Prozent und leiten es erst dann wieder mit verminderter Geschwindigkeit in die Natur. In der Manshardtstraße soll ab Oktober 2015 so eine Anlage entstehen. Kosten: 1,4 Millionen Euro. Die vorhandenen Bäume auf dem 3.600 Quadratmeter großen Gelände werden gerodet. Ersatzpflanzungen auf 4.500 Quadratmetern sind geplant. Derzeit laufen ein wasserrechtliches Genehmigungsverfahren und Ausschreibungen. Für den Bau der Anlage muss der Jenfelder Bach nach Osten an die Grundstücksgrenze zum Friedhof verlegt werden. Auf etwa 250 Metern wird aus dem derzeit kanalisierten Bach ein renaturierter Bachlauf mit neuer Bepflanzung. „Im Frühjahr 2016 werden die Tiefbauarbeiten zur Gewässerverlegung und Herstellung des Beckens beginnen“, so Ron Pikula von Hamburg Wasser.
Die geplante Filteranlage bedient ein 61 Hektar großes Einzugsgebiet rund um den Schiffbeker Weg und die Manshardtstraße. Derzeit fließt das Regenwasser ungereinigt und bei starken Regenmengen in einem großen Schwall durch ein Siel in den Jenfelder Bach.

Nicht jede Fläche ist geeignet


Muscheln, Schnecken und andere Lebewesen haben kaum eine Chance dort heimisch zu werden. Insgesamt zehn solcher Anlagen sollen in Hamburg laut Abwasserbeseitigungsplan gebaut werden. Der Regenwasserfilter am Jenfelder Bach in Billstedt wird der zweite bisher realisierte dieser Bauart sein. Generell ist es innerstädtisch schwierig solche Anlagen umzusetzen. Nördlich am Fuchsbergredder ist eine Fläche aufgrund der Artenschutzverordnung nicht realisierbar. Dort gibt es eine geschützte Fledermausart, die nicht gestört werden darf.
Zur Funktion der Anlage: Eine spezielle Sandmischung und Schilfbewuchs filtern das verunreinigte Regenwasser beim Durchsickern. Nach 30 Jahren muss das Filtermaterial ausgetauscht und auf einer Deponie entsorgt werden. „Durchläuft das verdreckte Wasser den Sand, werden die verunreinigten Feinpartikel festgehalten und gesammelt. Man muss sich das so vorstellen: Regenwasser versickert ja auch an anderer Stelle und wird nach einer viel größeren Strecke durch den Erdboden zu gefiltertem Grundwasser.
„Das können wir dank der Spezialmischung, dem Retentionsfilter, in einem sehr kurzen Bereich, etwa einem halbem Meter Filtersand, erreichen“, erklärt Gerrit Bischoff vom Regenwassermanagement bei Hamburg Wasser. Außerdem bremst die Filteranlage die Fließgeschwindigkeit und führt das Regenwasser langsam in den Jenfelder Bach ab. Nach der Fertigstellung wird ein Becken mit einer leichten Böschung und Schilfbewuchs zu sehen sein.

Unterirdische Pumpen


„Sichtbar ist final als Bauwerk der Notüberlauf mit Dammbalken, ein Auslass und eine Treppe mit Zulauf. Ansonsten werden die Anwohner nur die grüne Schilffläche sehen. Selbst die Pumpen sind unterirdisch verbaut“, weiß Bischoff. Die Grundstücke der Anwohner werden nicht angefasst, Grundwasserschwankungen sind ausgeschlossen. „Wir haben uns bei der Planung auf das Grundstück, das der Stadt gehört, beschränkt und die Katastergrenzen beachtet. Grundwasserstandsänderungen kann es nicht geben, da der Bach für einen konstanten Wasserstand in der Umgebung sorgt. Auch zu eventuellen Geruchsbelästigungen wird es nicht kommen. Das Wasser braucht nur wenige Tage, um die Anlage zu durchlaufen. Außerdem ist das ja kein Abwasser“, versichert Bischoff. Nach einer Anwuchsphase von einem dreiviertel Jahr kann man den Retentionsbodenfilter in Betrieb nehmen. Beim derzeit geplanten Fertigstellungstermin der Anlage Mitte 2016 würde der Filter spätestens Mitte 2017 in Betrieb sein.

Info-Veranstaltung


Der Regionalausschuss hat beschlossen, dass eine öffentliche Informationsveranstaltung zur Baumaßnahme noch vor den Sommerferien (Beginn 16. Juli) stattfindet. Diese ist für die Kalenderwoche 24/25 geplant und wird im Café Hornung stattfinden. Es werden laut Hamburg Wasser rechtzeitig Hinweisschilder auf die Veranstaltung in der näheren Umgebung der geplanten Behandlungsanlage aufgestellt.
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