Jetzt helfen Nachbarn

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Birgit und Ralf Morgenthal haben schon einiges an Spenden zusammenbekommen für ihren Benefiz-Flohmarkt zugunsten der Brandopfer im Scheteligsweg. Jetzt hofft das Ehepaar auf viele Flohmarktbesucher am 21. Juli an der Martinskirche. Foto: Gemeinholzer
 
Von links: Kim Steffen, Ingeborg Kahrs-Becker, Birgit Morgenthal und Ruben Simmank hoffen auf viele Besucher beim Benefiz-Flohmarkt für die Opfer des Hausbrandes im Scheteligsweg. Foto: Gemeinholzer

Benefiz-Flohmarkt soll Not nach Wohnungsbrand lindern

Von Anne Gemeinholzer
Horn. Ein piepender Rauchmelder und die Feuerwehr in der Nachbarschaft: Beides versetzt die Brandopfer aus dem Scheteligsweg heute in Panik. Sogleich ist wieder die beklemmende Erinnerung da an die schlimme Brandnacht am Pfingstmontag, als das Dachgeschoss des vierstöckigen Hauses lichterloh brannte. Die Folgen sind heute noch gravierend. Zwei Familien verloren fast ihre gesamte Habe – und sie hatten keine Versicherung, die den Schaden ersetzt. Um die beiden schwer betroffenen Familien zu unterstützen, veranstalten Nachbarn am Sonnabend, 21. Juli, von 14 bis 18 Uhr einen Benefiz-Flohmarkt auf dem Gelände der Martinskirche.
„Das kann einen nicht kalt lassen, da muss man einfach helfen“, erklärt Initiatorin Birgit Morgenthal, die selbst im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses wohnt. Die 45-Jährige bat Verwandte, Freunde und Arbeitskollegen um Artikel zum Verkaufen, ihr Mann stellte Kisten voller Bücher und andere Dinge zur Verfügung, die er ohnehin zum nächsten Flohmarkt bringen wollte.
„Erst hatten wir überlegt, jetzt jedes Jahr ein Straßenfest zu machen, weil wir da heil raus gekommen sind“, erzählt Ralf Morgenthal (45). Während Torsten Viefhaus (35) einen Großteil seiner Wohnungseinrichtung verlor, fielen die Möbel von Ingeborg Kahrs-Becker (51), die auf einem der Dachböden lagerten, vollständig dem Feuer und Löschwasser zum Opfer. „Ich habe alles verloren, und jetzt ist keiner zuständig für mich“, sagt die 51-Jährige verzweifelt. Sie war erst kurz vor dem Unglück nach Hamburg gezogen und suchte noch eine Wohnung. Jetzt hat sie zum Glück eine in der Nähe gefunden; Torsten Viefhaus kam vorübergehend bei seiner Freundin unter.
Dass es nicht noch schlimmer kam in der Brandnacht, ist Kim Steffen (21) und Ruben Simmank (26) zu verdanken. „Wir saßen zu dem Zeitpunkt auf dem Balkon und haben den Rauch gesehen. Wir sind sofort rüber gerannt und haben alle wach geklingelt“, berichtet die junge Frau, die mit ihrem Freund eine Straßenecke weiter wohnt.
„Wenn die beiden nicht gewesen wären, hätte es Tote geben können“, sagt Birgit Morgenthal. Gemeinsam mit den beiden Rettern gestalteten sie und ihr Mann Plakate und Handzettel, um für den Benefiz-Flohmarkt zu werben. „Schön ist der Zusammenhalt, den wir hier haben“, findet Birgit Morgenthal. Früher habe man sich im Haus nur vom Sehen gekannt. „Wenn wir uns jetzt treffen, tauschen wir uns aus, wie es bei jedem weitergeht.“
An der Nachbarschaftshilfe beteiligt ist auch Pastorin Susanne Juhl von der Martinskirche. „Wir hatten sie angesprochen, ob die Kirchengemeinde uns den Parkplatz zur Verfügung stellt, und Frau Juhl hat uns gleich toll unterstützt. Darüber bin ich sehr froh“, sagt Birgit Morgenthal.
Die Gemeinde stellt nicht nur das Gelände für den Flohmarkt bereit, sondern öffnet bei schlechtem Wetter auch das Gemeindehaus für eine ebenfalls geplante Kaffeetafel. „Die Pastorin hat sogar schon eine Kollekte über 170 Euro für die Opfer zur Verfügung gestellt“, berichtet die Nachbarin. Auch eine Spende über 300 Euro ging nach der Abkündigung im Gottesdienst im Pastorat ein.
„So können wir schon mit 500 Euro starten. Ich hoffe natürlich, dass außer den Flohmarktverkäufen auch viele Geldspenden zusammenkommen“, sagt Birgit Morgenthal. Denn sie möchte, dass ihre Nachbarn sich bald wieder so einrichten können, wie es ihnen gefällt.
Im Vordergrund steht für die engagierte Frau aber vor allem eines: „Die beiden sollen das Gefühl haben, dass sie nicht allein sind und dass sie uns nicht egal sind.“ (ag)

Wer beim Flohmarkt mitmachen möchte oder Flohmarktartikel oder gebrauchte Möbel für die Opfer spenden will, kann sich an Pastorin Susanne Juhl wenden (Tel.: 040/41189516).
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