Kaiser spendete für goldenen Boden

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Eines der beliebtesten Postkartenmotive von Horn ist das Haus Tanne auf em Gelände des Rauhen Hauses bis heute, Es wurde noch von Johann Hinrich Wichern eingeweiht Foto: Stadtteilarchiv
 
Eines der beliebtesten Postkartenmotive von Horn ist das Haus Tanne auf em Gelände des Rauhen Hauses bis heute, Es wurde noch von Johann Hinrich Wichern eingeweiht Foto: Stadtteilarchiv
Hamburg: Beim Rauhen Hause 21 |

Geschichtswerkstatt Horn erzählt die wechselvolle Geschichte des Rauhen Hauses. Teil 27 der Serie „Horn – damals und heute“

Gerd von Borstel, Gerd Rasquin
Horn
In der 27. Folge unserer Serie in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Horn begeben wir uns noch einmal auf das Gelände des Rauhen Hauses. Das Stadtteilarchiv verfügt über eine große Sammlung an historischen Postkarten von dieser Einrichtung, die seit der Gründung am 12. September 1833 hervorragend dokumentiert ist. Der damals 25-jährige Theologe Johann Hinrich Wichern konnte führende Hamburger Politiker und Kaufleute davon überzeugen, dass es für verwahrloste und verwaiste Kinder aus den Elendsvierteln nur eine Hoffnung gab: Ein „Rettungsdorf“ vor den Toren der Stadt. Das heutige Motiv stammt aus einer Serie von „10 farbigen Ansichten“, die der Hammer Kunstmaler A. Lahmer in den 1930er Jahren für die Agentur des Rauhen Hauses zeichnete. Es zeigt von links nach rechts das Haus „Goldener Boden“, den Betsaal und das Haus Tanne. Letzteres wurde am 29. Oktober 1835 – dem Hochzeitstag von Johann Hinrich Wichern – eingeweiht. Damals nannte man es noch das „Mutterhaus“.

Opfer der Bombenangriffe


Am 24. März 1936 wurde das Fachwerkhaus durch einen Brand stark beschädigt, konnte aber nach den Originalplänen mit leichten Veränderungen wieder aufgebaut werden. Es hat den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet überstanden und ist somit der letzte Zeuge aus der Gründerzeit. In der Bildmitte sieht man den Betsaal mit Glockenturm, der am 7. Oktober 1839 neben dem Mutterhaus eingeweiht wurde und in dem kurze Zeit später der Adventskranz seine Geburtsstunde erlebte! Der Betsaal wurde Opfer der Bombenangriffe von 1943; auf eine neue Kirche verzichtete man beim Wiederaufbau.

Teich bildet geruhsamen Mittelpunkt

Am linken Rand ist der östliche Teil vom „Goldenen Boden“ zu sehen. Das Haus wurde 1883 als Ersatz für ein 1836 errichtetes Gebäude eröffnet. Kaiser Wilhelm I. gab 3000 Mark als Startkapital. In dem großen Backsteinbau waren Meisterwohnungen und die Lehrlingsabteilung für zwölf Lehrburschen untergebracht. Hier gab es eine Tischlerei, Schlosserei, Schuhmacherei und Schneiderei. Die Tischlerei arbeitete für viele Kirchengemeinden und schuf beispielsweise für die Martinskirche den Altar und das Taufbecken. Der Hausname basiert auf dem alten Spruch „Handwerk hat goldenen Boden“.Ab Oktober 1938 wurde es auch als Altenheim genutzt. Ende Juli 1943 zerstörten jedoch Bomben das Gebäude weitgehend und erst 1951 konnte es als Alten- und Pflegeheim komplett neu errichtet werden. Heute heißt es „Haus Weinberg“. Der Teich im Vordergrund ist schon auf einer Karte von 1752 eingezeichnet und bildet auch noch heute einen geruhsamen Mittelpunkt auf dem Gelände des Rauhen Hauses.

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