Kapitän für die Tafel

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Jens Wrage ist neuer Vorstand der Hamburger Tafel e.V. Foto: Dittmer

Jens Wrage war Wunschkandidat von Gründerin „Ami“ Dose

Von Marco Dittmer
Hamburg
Schiffe haben es ihm angetan. Als Chef der Alstertouristik und der Hamburger Hadag-Fähren waren sie im Zentrum seines Berufslebens. Doch im Ruhestand ist es seine Sache nicht, sich einfach treiben zu lassen. Wrage legte mit dem eigenen Motorschiff der „MS Matian“ prompt wieder ab. Mit der Tour über Europas Wasserstraßen bis nach Südfrankreich erfüllte er sich seinen größten Traum. Zurück im Heimathafen sitzt der 70-Jährige seit Mai wieder am Steuer, dieses Mal bei der Hamburger Tafel, einer der größten, bekannteste und wichtigsten Hilfsorganisationen der Stadt.
Die zehn Meter lange „MS Matian“ hat er schon vor Jahren verkauft, nachdem ihn seine Frau Regina quasi wieder an Land nach Geesthacht gezogen hatte. „Sie fühlt sich auf dem Wasser einfach nicht wohl“, sagt Wrage. Als Annemarie „Ami“ Dose ihn dann vor ein paar Monaten bat, den Posten des Vorstandsvorsitzenden zu übernehmen, hatte seine Frau wieder tiefe Sorgenfalten auf der Stirn. Ami Dose war bekannt dafür, pausenlos zu arbeiten. Oft war die Gründerin der Hamburger Tafel sieben Tage in der Woche für Bedürftige unterwegs. Das hatte nichts mit Ruhestand zu tun. Jens Wrage einigte sich schließlich mit Frau und Vorstand auf zwei Tage. Seine Aufgabe bei der Tafel: Sponsoren werben und pflegen. Sein Tagesgeschäft: Empfänge, Fototermine und Scheckübergaben.
Als ehemaliger Kapitän der „MS Matian“ weiß Wrage aber auch, wie wichtig es ist, seine Mannschaft zu kennen. Von der ist er bei der Tafel immer wieder beeindruckt. „Hier arbeiten rund 100 ehrenamtliche Mitarbeiter zusammen. Die Moral des Teams ist trotz der harten Arbeit sehr hoch“, sagt Wrage. Die Ehrenamtler sammeln jeden Morgen von mehr als 100 Spendern Lebensmittel und Haushaltswaren ein und bringen sie in das große Lager an der Bramfelder Straße in Barmbek. So kommen pro Woche rund 30 Tonnen zusammen. Nachmittags werden die zehn modernen Sprinter der Tafel erneut beladen und die Waren an die rund 80 Ausgabestellen ausgeliefert. „Das Prinzip unserer Hilfe ist genauso einfach wie effizient. Wir sammeln Waren von denen, die sie über haben, und verteilen sie dort, wo sie dringend gebraucht werden.“ Engpässe kommen trotzdem immer wieder vor. „Die Supermarktketten kalkulieren immer genauer. Da ist gut, da weniger weggeschmissen wird, es bleibt aber auch weniger für uns übrig.“
Ami Dose und Jens Wrage verbindet eine jahrelange Freundschaft. Sie war Taufpatin für einen seiner Alsterdampfer. Er unterstützte die Tafel mit kostenlosen U-Bahn-Fahrscheinen als er noch bei der Hadag war, einem Tochterunternehmen der Hochbahn. Auch heute noch schaut die 87-Jährige an der Bramfelder Straße vorbei und nach dem Rechten. Trotz der neuen Aufgaben bei der Tafel möchte Jens Wrage nun vor allem mehr Zeit mit seinen Kindern und Enkeln in Geesthacht verbringen. Sein Ziel: „gesund altern“. Ehefrau Regina ist dieses Mal mit an Bord.

Die Hamburger Tafel unterstützen: www.hamburger-tafel.de oder unter 040-443646
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