Keine Rückkehr in Bunkerwohnungen

Anzeige
Das Gebiet um den Bunker ist eingezäunt. Die Lüftungsschächte wurden abgedichtet Foto: Grell
 
Spontan brachten Enrico Stevic und Danny (11) Windeln vorbei. Andreas Holznagel (links) hatte die Hilfsaktion initiiert Foto: Grell

Nach Brand gehen Aufräumarbeiten weiter. Kritik an Behörden

Rothenburgsort Bereits zwei Wochen sind seit dem Brand eines Bunkers in Rothenburgsort an der Marckmannstraße vergangen. Bis heute konnten die Mieter nicht in ihre Wohnungen zurück. Schadstoffmessungen haben ergeben, dass die Belastungen im Wohnraum immer noch zu hoch sind. Am Freitag der vergangenen Woche begannen Experten damit, die Lüftungsöffnungen am Bunker zu verschließen, um beim Belüften der Wohnungen und Treppenhäuser immer wieder neu eindringenden Geruch und eventuell noch ausströmende Schadstoffe zu vermeiden.
„Die weitere gute Nachricht“, so Clemens Thoma von der Immobilienfirma Frank-Gruppe, „die Treppenhäuser können bereits gereinigt und die zerstörten Wohnungstüren und Fenster zunächst provisorisch repariert werden. “
Es scheint somit für die knapp 400 von dem Unglück betroffen Menschen, endlich aufwärts zu gehen. Vor allem durch die private Initiative von Institutionen und Anwohnern aus dem Viertel wurden alle Evakuierten spontan mit dem Notwendigsten versorgt. Von der Stadt sind viele der Betroffenen allerdings bitter enttäuscht.
„Zunächst wurde uns ganz pauschal gesagt, dafür sei ausschließlich der Vermieter zuständig, an den man sich wenden solle“, sagt Andreas Holznagel von der Organisation Rothenburgsort sozial stark. Der Lehrer, der seit über zehn Jahren selber im Viertel wohnt, zögerte nicht lang und bat die SPD-Abgeordnete Carola Veit im Quartier um Hilfe. In ihrem Büro organisierte er eine spontane Nachbarschaftshilfe. „Das Bezirksamt hat zunächst nichts weiter unternommen, als die Wohnungsschlüssel der Evakuierten einzusammeln und zu quittieren“, ärgerte sich Holznagel über die erste sichtbare Aktion.
Institutionen wie ‚Rothenburgsort – sozial stark‘ und ‚Hamburgs Wilder Osten‘, die im Stadtteil aktiv sind, wandten sich daraufhin mit einem eiligen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz und Bezirksamtsleiter Andy Grote, in dem sie um bessere und wirkungsvollere Hilfe für die Betroffenen baten.
Am vierten Tag sei dann ein erneutes Zeichen der Stadt gekommen, mit dem Angebot, Ersatzpersonalausweise auszustellen. Laut Norman Cordes, dem Sprecher des Bezirksamtes sei sogar der Katastrophenschutz gleich nach dem Unglück vor Ort gewesen. Den befragten Vermietern war das nicht aufgefallen und nur wenig Hilfe erkennbar gewesen. Bezirksamtsleiters Andy Grote, der sich zurzeit im Urlaub befindet, hätte laut Cordes, auch einen Vertreter geschickt, der sich persönlich ein Bild der Lage vor Ort gemacht haben soll. „Wer ohne Papiere, ohne Telefon und ohne Internet auf der Straße steht, der sieht zuerst die Hilfe, die direkt an ihn herangetragen wird“, kommentiert Mario, der sich nicht einmal eine Zahnbürste kaufen konnte, weil er weder sein Portemonnaie noch irgendwelche Dokumente aus der Wohnung mitnehmen konnte. Inzwischen gab es bereits verschiedene Termine des betreuenden Immobilienunternehmens, bei denen Anwohner für ein paar Minuten in ihre Wohnungen konnten, um persönliche Unterlagen herauszuholen. Die Mitarbeiter der Frank-Gruppe, die seit des Unglücks stets direkt vor Ort erreichbar waren, haben sich spontan auf die Bedürfnisse der Mieter eingestellt und jetzt auf Anfrage auch Essensgutscheine ausgegeben. Wie es in Rothenburgsort weitergeht werden die Messungen dieser Woche ergeben. Die Mieter hoffen auf jeden Fall, das nächste Wochenende schon wieder in ihren Wohnungen zu verbringen. (kg)

Weitere Infos für die Mieter unter 697111108 oder auf der Internetseite der FrankGruppe, Im Holiday Inn ist ein Büro geöffnet worden, in dem zwischen 10 und 18 Uhr Fragen beantwortet werden und zusätzlich zur Stadtteilhilfe Wasser, Kekse und Hygieneartikel verteilt werden. Weitere Infos auch unter Rothenburgort-News auf facebook
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige