Kinderarmut in Hamburg bekämpfen

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Zur Eröffnung der Arche gab es ein Kinderfest – da durfte Zuckerwatte nicht fehlen Foto: wb
 
Annalisa Hesse, Matthias Melcher und Tatjana Peter (v. l.) arbeiten für die Billstedter Arche Foto: wb
Hamburg: Landjägerstieg 30 |

Arche in Billstedt offiziell eröffnet – Betrieb bis ins nächste Jahr gesichert

Von Frank Berno Timm
Billstedt
Mit Musik, viel offiziellen Worten und einem Kinderfest wurde in der vergangenen Woche die Billstedter Arche eröffnet. In Räumen der früheren Grundschule Oststeinbeker Weg wollen drei Mitarbeiter für Kinder da sein – ganz egal, welchen Glauben sie haben. Auch die Arbeit in den Schulen hat begonnen. Die Arche – der Name ist der Geschichte aus dem Alten Testament der Bibel von Noah, der mit einer Arche der Sintflut entkam, entlehnt. Hier wird sie Kindern des Viertels die Möglichkeit geben, etwas zu essen, bei den Hausaufgaben Hilfe zu bekommen und Ansprechpartner über ihre Familie hinaus zu finden. Zum Auftaktfestakt sind gut 100 Leute gekommen – Unterstützer, Offizielle, Freunde des Vereins, der seit Jahren schon in Jenfeld aktiv ist, füllen die Reihen der ehemaligen Aula der Grundschule Oststeinbeker Weg.

Jede Initiative ist wichtig

Moderator Wolfgang Büscher entlockt einigen Gästen wichtige Sätze: „Wir können jede Initiative gebrauchen“, sagt Dirk Bange von der Sozialbehörde und überbringt Grüße von seiner Chefin Melanie Leonhard (SPD). Markus Schreiber (SPD), Vorvorgänger des jetzigen Bezirksamtsleiters, ist stolz, dass sechs Jahre nach einem ersten Gespräch die Arche Billstedt tatsächlich zustande kommt. Vorurteile, die Arche wolle nur missionieren, würden sich abschleifen, „uns liegt die Bekämpfung von Kinderarmut am Herzen“. Arche-Regionalleiter Tobias Lucht berichtet, die Arche sei parallel von der Kirche ohne Turm und der Grundschule An der Glinder Au angesprochen worden. Pastorin Elisabeth Denkers von der Kirche ohne Turm, der die Räume nun gehören, sagt, es sei „unser Verständnis von Gemeinde, dass wir alle Nöte wahrnehmen“.

Rapper bei Fest dabei

Mit der eigenen Kinder- und Jugendarbeit sei man aber an Grenzen gestoßen, deswegen sei die Arche ein „willkommener Gesprächspartner“. Tobias Lucht und Arche-Gründer Ben Siggelkow würdigen die Hilfe des Arche-Freundeskreises, Uli Hauser vom „Stern“ meint, die Arche sei neben der Elbphilharmonie das andere Leuchtturmprojekt in Hamburg. Zu den Musikern der Eröffnungsfeier gehört, neben Akvile Kalinaite mit ihren Jugendlichen aus Jenfeld, auch Matthias Melcher, einer der drei pädagogischen Mitarbeiter der Billstedter Arche. Er ist ein Rapper: „Es ist wichtig, dass Du etwas aus Deinem Leben machst“, heißt es in seinem Song, der mit verschiedenen Kategorien wie Gleichheit, Ungleichheit Nation spielt.

Arche lebt von Spenden

Arche-Gründer Bernd Siggelkow schätzt, dass für die jetzt 22 Archezentren, die es insgesamt mit Billstedt gibt, jährlich 10 Mio. Euro Spenden notwendig sind. Es sei traurig, dass es die Archen geben müsse, eigentlich sei es notwendig, Kinder wie Könige zu behandeln, wie es in Finnland üblich sei. „Kinder sind nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart“, sagt Siggelkow, eigentlich wolle er Archen schließen, weil sie nicht mehr notwendig sind. Tobias Lucht sagt, für die Billstedter Arche seien jährlich 280.000 Euro notwendig. Immerhin: Das nächste Jahr, sagt Lucht, sei „zu 80 Prozent finanziert“. Geld vom Staat gibt es nicht und, so ist zu hören, ist auch nicht gewollt. Wichtig sei nicht die kurzfristige, sondern eine nachhaltige Hilfe.

Arche Billstedt, Landjägerstieg 30, 22117 Hamburg, Mo-Di: 13:00-18:00 Uhr, Do: 13:00-18:00 Uhr, Spendenkonto: IBAN: DE94 1002 0500 0003 0301 03, BIC: BFSWDE33BER, Bank für Sozialwirtschaft
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