Kino am Bauerberg

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1958: Der Spielfilm „Tabarin“ lief vom 8. bis 11. August 1958 Foto: Geschichtswerkstatt Horn
 
2016: Statt „Tabarin“ werden heute Mandarinen im Supermarkt angeboten Foto: Gerd von Borstel

Zeitreise zum DELI-Kino in Horn. Teil 12 der Serie

Gerd von Borstel und Gerd Rasqin
Horn
In der heutigen zwölften Folge dieser Serie in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Horn machen wir unseren Zeitsprung am Bauerberg. Eigentlich könnten hier sogar drei Fotos miteinander verglichen werden, wir beschränken uns aber auf die Nachkriegszeit. Am 28. Juli 1943 vernichteten Bomben den „Großen Pachthof“ – einen alten Bauernhof – bis auf die Grundmauern. In derselben Nacht wird auch das erste Kino in Horn, die Derby-Lichtspiele, hinter der Häuserfront am Bauerberg Nr. 2, 4 und 6 getroffen und der Saal des Kinobetreibers Fritz Rose mit 420 Sitzplätzen total zerstört. Bis 1949 flimmert kein Film mehr in Horn; erst dann eröffnet Rose das Kino wieder provisorisch in der Aula der Pachthof-Schule. Natürlich konnte das kein Dauerzustand werden – ein neues Kino musste her! So entstand unter Leitung des Architekten Richard Fromm auf den Grundmauern des im Krieg zerstörten Hauptgebäudes des historischen Großen Pachthofs ein Gebäude, das dem ehemaligen stilistisch ähneln sollte. Am 7. Dezember 1951 wurde mit dem Spielfilm „Mutter sein dagegen sehr“ Horns neue „Derby-Lichtspiele“ feierlich eröffnet.
Rechts neben dem Kinoeingang gab es sogar noch Platz für ein kleines Lebensmittelgeschäft. In ihrem neuen „DELI“ – wie die Horner das Kino liebevoll nannten – haben die Menschen der Nachkriegszeit geweint und gelacht. 50 Pfennige kostete der Eintritt, manchmal stand auch „Ausverkauft“ an den beiden Eingangstüren. Nach dem Kino ging es schnell noch ein paar Meter Richtung Horner Landstraße, wo links das Eis-Café „Onkel Otto“ lag. Mit Verbreitung des Fernsehens begann Ende der 1950er Jahre das „Kinosterben“. Als 1963 mit dem ZDF noch ein weiteres TV-Programm hinzukam, wurde es für die Kinos in Wohngebieten immer bedrohlicher, denn diese sogenannten Nachspieltheater konnten Filme erst dann leihen, wenn sie für die Premierentheater in der City unrentabel geworden waren. Anfang der 1960er Jahre begann auch die Zeit der Supermarkt- und Warenhausketten. Da diese kapitalstarken Firmen ähnliche Ansprüche an die Architektur stellten wie Lichtspielhäuser, überboten sie einfach die Pachtpreise der Kinobetreiber. So liefen am 30. April 1964 im „Deli“ die letzten Filme: Später ließ die Supermarktkette „Safeway“ das Kino zu einer Filiale umbauen, die anfangs noch unter dem Namen „Big Bär“ lief. Es folgten die Lebensmittelketten „BOLLE“ und seit 1999 „Penny-Markt“.

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