Kirche in Horn wird zur Moschee

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Aus der ehemaligen Kapernaumkirche wird eine Moschee Foto: Timm

Christen und Muslime arbeiten auch bei Flüchtlingsbetreuung Hand in Hand

Von Frank Berno Timm
Horn
Die Arbeiten, mit denen die frühere Kapernaumkirche in Horn zur Moschee umgestaltet wird, gehen weiter. Daniel Abdin, Vorsitzender der Al-Nour-Moschee, betont, die Umwandlung einer Kirche müsse die Ausnahme bleiben. Ab April wird Daniel Abdin mit seinen Gläubigen wieder Flüchtlingen, die ein Nachtquartier brauchen, Unterschlupf geben. In der früheren Kapernaumkirche ist noch „sehr viel Arbeit“ zu erledigen. Am früheren Kirchenschiff ist viel passiert, der Anbau ist fast fertig. Nur noch der Turm muss saniert werden. Daniel Abdin, der auch Vorsitzender der Hamburger Schura, also des Rats der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg ist, setzt auf den Dialog. Christen seien die Freunde der Muslime, betont er und fügt hinzu, es müsse die Ausnahme bleiben, dass eine frühere Kirche zur Moschee werde. Muslime brauchten „transparente Moscheen“, sagt er, das wirke gegen Islamophobie, weil so Ängste abgebaut würden.

Hilfe für Flüchtlinge


Schon im Sommer und Herbst hatten die Muslime gemeinsam mit den beiden großen Kirchen Flüchtlinge untergebracht, diese Arbeit wird jetzt fortgesetzt. Im vorigen Jahr, erinnert sich Abdin, beherbergten sie zeitweise 400 bis 600 Menschen pro Nacht. „Religiosität reduziert sich nicht auf Theologie“, sagt er. Auch jetzt kümmern sich Abdin und seine Leute um Flüchtlinge, zwischen 40 und 70 sind es am Tag. Ende März werden die Unterbringungen des Evangelischen Kirchenkreises in der „Burg“ (dem früheren Allianz-Hochhaus) und der Caritas in der Danziger Straße geschlossen, dann erwartet die Al-Nour-Moschee einen gesteigerten Hilfsbedarf. Abdin betont, dass es eine enge Zusammenarbeit mit den Kirchen gibt und man sich dabei abstimmt.

Menschen warten auf Papiere


Im Sommer und Herbst wurde die Arbeit in der Moschee, zu der Seelsorge, Verpflegung und Unterbringung der Flüchtlinge gehörten, mit einer Gruppe von 15 Helfern gestemmt. Vor allem kamen Transitflüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Eritrea. Wenige, erzählt Abdin, seien in Hamburg geblieben. „Dazwischen gibt es auch Menschen, die auf irgendwelche Papiere warten“, also sich schon auf eine Weise in ihren Verfahren mit den Behörden befinden. Die Arbeit sei „schön und gleichzeitig traurig“ gewesen. Nun sind ab 1. April die Türen wieder offen „für alle, die Obdach brauchen“. Und Abdin ist froh, dass im Bieber-Haus eine Etage bis August als Anlaufstelle für Flüchtlinge zur Verfügung stehen wird – von dort werden die Gäste in die Moschee begleitet und hier betreut. Sie befindet sich derzeit noch in einer ehemaligen Tiefgarage in St. Georg.
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