Kirche trifft Moschee: Gemeinsam für Toleranz

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Religion ist ein spannendes Thema: Auch wenn sich Christiane Beetz und Fatih Sahin (re. u.) nicht in allen Glaubensfragen einig sind, sie begegnen sich mit Toleranz und Akzeptanz Fotos: Mona Kampe
 
Muslime und Christen haben nichts gemeinsam? Das Buch „Kirche trifft aVorurteilen auf und versucht, Hemmschwellen zwischen den Religionen abzubauen

Das WochenBlatt befragte die Christin Christiane Beetz und den Moslem Fatih Sahin zu ihrem Buch

Von Mona Kampe
Billstedt/Mümmelmannsberg. In ihrem gemeinsamen Buch „Kirche trifft Moschee“ setzen sich Christiane Beetz, Prädikantin des Evangelisch-lutherischen Gemeindezentrums Mümmelmannsberg, und Fatih Sahin, Vorstand der Sultan Ahmed Moschee in Billstedt, mit den Parallelen zwischen Christentum und Islam auseinander. Das Gemeinschaftsprojekt behandelt jedoch auch konfliktbesetzte Themen wie etwa die Kopftuchfrage oder den Heiligen Krieg. Das Buch will die Annährung beider Glaubensrichtungen in einem offenen, respektvollen Dialog fördern. Das WochenBlatt fragte nach.
WochenBlatt: Wie haben Sie zu Ihrem gemeinsamen Projekt gefunden?
Christiane Beetz: Nach den beiden Gemeindefesten 2010 (je eins in der Kirche und in der Moschee) war es uns wichtig, unsere Erfahrungen weiterzugeben. Ich hatte bereits zwei Bücher veröffentlicht, daher die Idee, diese Erfahrungen zu veröffentlichen und damit anderen Gemeinden Mut zu machen, sich ebenfalls auf einen Dialog einzulassen.
Fatih Sahin: Die Idee zu dem Buch ist durch unsere erfolgreiche Arbeit in unseren Gemeinden entstanden, die wir in Form eines Buches öffentlich für alle muslimischen und christlichen Gemeinden zugänglich machen wollten. Unser Ziel ist es, dass viele interreligiöse Dialoge zwischen Moscheen und Kirchen entstehen und die Gemeinden ihrer Rolle als Multiplikatoren in ihren Quartieren nachkommen.
WB: Welche größte Schwierigkeit galt es dabei zu überwinden?
Beetz: Termine zu finden! Religiös gab es keine Schwierigkeiten, die entstandenen Diskussionen über Inhalte waren im Gegenteil sehr spannend und hilfreich, um sein Gegenüber besser zu verstehen. Auch oder gerade wenn wir nicht einer Meinung waren.
Sahin: Sich im Buch auf die wesentlichen Inhalte zu konzentrieren. Wenn man über ein solch komplexes Thema etwas veröffentlichen möchte, fallen einem unendlich viele Details ein. Ich denke aber, dass uns das gut gelungen ist.
WB: In welcher religiösen Frage gab oder gibt es die stärksten Differenzen?
Beetz: Wer ist Jesus – Gottes Sohn oder „nur“ ein Prophet? Und wie gehe ich mit der jeweiligen Heiligen Schrift um – darf ich die Bibel, den Koran auch kritisch hinterfragen? Da haben wir Christen sicherlich ein anderes Verständnis, für uns ist der biblische Text nicht wörtlich von Gott (über den Engel Gabriel) diktiert, sondern ein von Gott inspirierter, aber von Menschen geschriebener Text.
Sahin: Neben den vielen Gemeinsamkeiten gibt es auch Unterschiede, wie z.B. die Trinität, die der Islam nicht kennt, das Kopftuch, etc. Bei diesen Themen haben wir unterschiedliche Auffassungen, die wir versuchen, in unserem Buch zu erläutern. Denn – davon sind wir beide überzeugt – wichtigster Bestandteil des Dialogs ist die Tolerierung und die Akzeptanz der anderen Meinung. Dafür muss man die Meinung und die Glaubensmotive kennen. Dieser Aufgabe haben wir uns gestellt.
WB: Gibt es bei Ihnen einen Lebensbereich, in dem Religion keine oder eine untergeordnete Rolle spielt?
Beetz: Eigentlich nicht. Selbst wenn ich mich „weltlichen“ Dingen widme, wenn ich etwa musiziere, auch bei der Arbeit, habe ich ja immer im Hintergrund mein christlich geprägtes Weltbild mit seinen Werten und Vorstellungen. Und danach entscheide und handle ich.
Sahin: Nein, in jedem Lebensbereich spielt die Religion eine übergeordnete Rolle. Angefangen von den täglich fünfmal zu verrichtenden Gebeten, dem friedlichen Umgang mit meinen Mitmenschen, bis hin zu meinem Einkaufsverhalten, ist der Islam allgegenwärtig, was ich persönlich sehr an meiner Religion schätze. Er zeigt mir den Weg und propagiert das friedliche Miteinander.

Kirche trifft Moschee, Auf dem Weg zu Gott - Allah yolunda, Verlag: Books on Demand, 152 Seiten, 12,50 Euro
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