Kleingärten werden als Schleichwege missbraucht

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Der Blick aus der Beifahrerperspektive zeigt: Autos können sich hier schlicht nicht begegnen Foto: fbt
 
Pfosten gesetzt: Anwohner Karl-Heinz Seelbach Foto: fbt
Hamburg: Billufer |

Durchfahrt durch Billufer und Schurzallee ist gefährlich für Fußgänger – Fahrradstraße eine Lösung?

Von Frank Berno Timm
Billbrook/Hamm
Bei Autofahrern ist sie wohl beliebt: Wer die B5 nicht mehr benutzen kann, weicht durch die Süderstraße, Schurzallee-Mitte und das Billufer quer durch die Kleingärten aus (das Wochenblatt berichtete). Ein erster Versuch der Politik hier etwas zu ändern, scheiterte: Nun soll es eine Fahrradstraße richten. Karl-Heinz Seelbach ist stocksauer. Seit den 80iger Jahren wohnt er in der Gartensiedlung am Billufer. Noch immer nutzen Autofahrer die Route als Schleichweg.

Navi-Alternative: Schurzallee und Billufer

Das geht so, seitdem die Strecke auf Navigationsgeräten als Umleitung für die verstopfte B5 angezeigt wird. Sprecher Christian Hiess vom ADAC Hansa sagt dem Hamburger Wochenblatt, das Angebot der Ersatzstrecken auf dem Navigationssystem werde über einen Algorithmus gesteuert. Hamburg verfüge über rund 450 Kilometer Hauptstraße bei einem Gesamtnetz von 4.500 Kilometern. Wenn sich morgens ein Rückstau auf der B5 bildet, wird diese Ausweichmöglichkeit über Schurzallee und Billufer angezeigt. Leider sei sie sogar mit 50 km/h Höchstgeschwindigkeit hinterlegt – so etwas ändern zu lassen, dauere.

Eine Handbreit Abstand

Seelbach sagt, er sei hier fünf Mal angefahren worden. Er werde von den Autofahrern angehupt und bepöbelt, mit eindeutigen Gesten bedacht. Es komme sogar vor, dass ihm Gewalt angedroht werde. Die Straße ist so schmal, dass Autofahrer bei Gegenverkehr auf den unbefestigten Randstreifen ausweichen und „nur eine Handbreit“ Abstand zu Fußgängern bleibt, die hier unterwegs sind. Der unbefestigte Randstreifen ist vielfach ausgewaschen, es gebe Unebenheiten und immer wieder Pfützen. Auf der Billbrooker Seite ist immerhin Tempo 30 vorgeschrieben. In der Höhe des Tierheims sind laut Seelbach die Tempo-30-Schilder abmontiert worden. Nun fürchtet der Anwohner, dass auf dem Weg noch schneller gefahren wird. Sorina Weiland vom Bezirksamt Mitte dazu: fehlende Schilder würden ersetzt.

Polizei stimmt Anwohnerkritik zu

Matthias Tresp, der für die beiden Polizeireviere in Hamm und Billstedt verantwortlich ist, stimmt Seelbachs Kritik zu. Veränderungen an der Verkehrsführung muss die Bezirksversammlung entscheiden. Aber Tresp hat die Wegewarte über den Zustand der Randstreifen informiert und noch während der Recherchen des Wochenblatts rückten Bauarbeiter an, um die Randstreifen auszubessern. Auf dem Gelände seines Gartenvereins hat Seelbach einen Pfosten an der Straße installiert, damit Autofahrer nicht mehr von der schmalen Straße herunterfahren können. Bei schlechtem Wetter fuhren sie durch die Pfützen, die sich gebildet hatten. Unterwegs mit ihm im Auto auf dem Straßenzug Billufer – Schurzallee Mitte wird überdeutlich, dass der schmale Weg nicht für Durchgangsverkehr geeignet ist, schon gar nicht in zwei Richtungen. Ebenso offensichtlich ist, dass es für Fußgänger lebensgefährlich sein kann: Bürgersteige fehlen nämlich ebenfalls.

Neuer Vorschlag

Die Idee, den Straßenzug auf 20 Kilometer pro Stunde zu begrenzen und so genannte „Nasen“ einzubauen, ging in den letzten Monaten gleich durch mehrere Gremien der Bezirksversammlung. Verwirklicht ist davon bislang nichts. Seelbach schlägt nun vor, den Straßenzug zur Fahrradstraße zu machen: Dann hätten Radler Vorrang. Fraktionschef Michael Osterburg (Grüne) signalisiert Zustimmung. Ein entsprechender Antrag werde vorbereitet. Yannick Regh (SPD) stimmt ebenfalls zu, ergänzt aber: „Wir müssen vor allem bei dem Antrag berücksichtigen, dass sich was an dem zu geringen Platz sowie den rücksichtslosen Autofahrern ändert.“ Bei einer Fahrradstraße würden nur die 30er Schilder durch die der Fahrradstraße ausgetauscht, „jedoch bleibt baulich grundsätzlich alles beim Alten“. Inwiefern dann die Anzahl der Durchfahrten abnehme, bliebe dabei abzuwarten. „Wir prüfen, ob auch andere Maßnahmen die Verkehrssicherheit erhöhen können, damit wir effektiv gegen das Problem vorgehen können.“

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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 03.09.2017 | 06:32  
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