Kleingartenverein Billerhuder Insel ist das Paradies in der Stadt

Anzeige
Geli zieht in ihrem kleinen Gewächshaus Gurken und Tomaten. Sie ist mit ihrem Mann an jedem Wochenende hier Foto: Grell
 
Die Billerhuder Insel ist eine Mischung aus zugelassenen Gartenlauben und alten Steinhäusern aus der Nachkriegszeit Foto: Grell

Schrebergärten: Mitten im Industriegebiet ein kleines Idyll genießen

Von Karen Grell
Billbrook/Rothenburgsort
Leise plätschern die Wellen an den Steg, an dem ein kleines Ruderboot sanft aug den Wellen schaukelt, Eichhörnchen flitzen auf der Suche nach ein paar Nüssen über den saftigen Rasen, im Baum ruft ein Specht auf Futtersuche durch die hohen Linden. Ein Idyll, das schöner nicht sein könnte. Dass dieses Paradies für Kleingärtner mitten im Industriegebiet an der Bille liegt, darauf würde niemand kommen, der sich nicht über die riesigen Zubringerstraßen aus Billstedt und Hamm hier her verirrt hat. „Ich wohne direkt um die Ecke“, sagt „Insel-Geli“, die seit Jahren ihre Parzelle bewirtschaftet. Als Zustellerin bei der Post ist sie hier bekannt wie keine andere. Sie hat seit 13 Jahren ihre Parzelle im Kleingartenverein Billerhuder Insel und damit einen der begehrten Gärten, die über das Internet hamburgweit gesucht werden. „Wenn ich bei mir zuhause in der Küche sitze, dann kann ich kaum das Fenster öffnen, weil der Straßenverkehr hier in der Gegend so laut ist“, bedauert Geli, die absolut glücklich ist, dieses Stück Land auf der Billerhuder Insel bewirtschaften zu dürfen. Früher, erklärt die Postbotin und Schreberin, wurden die Häuser über Generationen weitervererbt, heute ist das anders. Nach dem Krieg wurden die Parzellen oft als Behelfsheime genutzt und die Häuser dementsprechend groß kreiert. Steinbauten mit teilweise bis zu hundert Quadratmetern sind laut Kleingartenverordnung allerdings verboten und auch das dauerhafte Bewohnen ist hier lange nicht mehr gestattet. Den gigantischen Konstruktionen, von denen einzelne Villen in Miniaturformat gleichen, geht es somit an den Kragen, sobald sie abgewohnt sind. „Wenn die Bewohner wegziehen oder versterben, dann wird das Haus abgerissen und eine Gartenlaube aus Holz in erlaubter Größe zugelassen“, weiß Geli, die mit ihrem Mann in jeder freien Minute zum Garten kommt. Bei über 500 Parzellen wird sich die Anzahl der Häuser durch den Abriss der alten Steinkolosse und der Anpassung der Grundstücke an die üblichen Maße in Kleingartenvereinen in Zukunft eher noch vergrößern. Da nach dem Krieg kaum Wohnraum zu finden war, nutzten viele Hamburger die Gärten, um dort notdürftig Unterkünfte zu bauen und Gemüse, Kartoffeln und Früchte anzubauen. „Nach dem Krieg ging es um´s reine Überleben“, wissen die Pächter, die schon in dritter Generation hier unterkommen. Gebaut wurde damals aus Schutt und wichtig war nur, ein Dach über dem Kopf und ein wenig Nahrung auf dem Teller zu haben. Aus zunächst kleinen Hütten wurden dann mit den Jahren durch diverse Anbauten kleine Einzelhäuser, die mit einem privaten Steg direkt an der Bille und riesigen Grundstücken von vielen beneidet werden. Die heute erlaubte Grundfläche von 24 Quadratmeter übersteigen die alten Häuser um ein Vielfaches. Geli und ihr Mann haben 65 Quadratmeter, ein Gewächshaus, in dem sie Gurken und Tomaten ziehen und einen kleinen Teich, in dem eine Wasserschildkröte lebt und an dem man auf einem Liegestuhl in der Sonne liegen kann. „Wir möchten hier niemals weg“, da sind sich die beiden absolut sicher.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige