Klinik vor dem Aus?

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Die Praxisklinik Mümmelmannsberg befindet sich an der Oskar-Schlemmer-StraßeFoto: güb

Ärzte aus Mümmelmannsberg fordern Erhalt der Bettenstation

Von Günther Brockmann
Hamburg. Die Bettenstation der Praxisklinik Mümmelmannsberg soll im September 2014 geschlossen werden. Allen Ärzten wurden vom Klinikbetreiber, der Klinikgruppe Dr. Guth, in der vergangenen Woche die Verträge für die Nutzung der Bettenstation mit Wirkung zum 30. September 2014 gekündigt. Aus der Sicht der Ärzte, die ständig die 30 Betten der Bettenstation nutzen, stellt diese Maßnahme eine drastische Verschlechterung der medizinischen Versorgung des Stadtteils Mümmelmannsberg dar.

Medizinische Versorgung gefährdet

Die Praxisklinik ist seit mehr als 30 Jahren für die medizinische Versorgung der rund 70.000 Menschen der Stadtteile Bill–stedt und Mümmelmannsberg von Bedeutung. Fast alle ärztlichen Fachrichtungen sind vor Ort vertreten. Die Behandlung der Patienten kann direkt in Mümmelmannberg erfolgen, dazu gehört bisher auch der stationäre Aufenthalt in der Bettenstation nach der Operation durch einen der dort ansässigen Ärzte. Sollte diese Station geschlossen werden, müssten die Patienten direkt nach der Operation in Krankenhäuser anderer Stadtteile verlegt werden.
Etliche Ärzte in Mümmelmannsberg wollen die Schließung der Bettenstation nicht akzeptieren. Sie haben Widerstand abgekündigt. Dr. Petra Strobel (Innere Medizin/Diabetologie) hat sich mit einem Schreiben an den Senat der Hansestadt gewandt. „Heute möchten wir uns in eigener Sache und im Namen der Bürger des Stadtteils Mümmelmannsberg an Sie wenden. In diesem Stadtteil leben über
25.000 Menschen, die in den Praxen unter einem Dach der Praxisklinik Mümmelmannsberg seit 30 Jahren versorgt werden. Nun sehen wir diese Einrichtung massiv gefährdet. Die Klinikgruppe Dr. Guth will die somatische Abteilung im Haus schließen. Da das operative Leistungsspektrum etlicher Praxen auch einen Großteil des Praxiseinkommens darstellt, werden diese Praxen sich nach neuen Standorten umsehen müssen“, schreibt die Ärztin in ihrem Brief. „Damit wären fünf Praxen aus Mümmelmannsberg weg und es würde zu einer massiven Unterversorgung in Mümmelmannsberg in den Bereichen Orthopädie, Chirurgie HNO und Gynäkologie kommen“, fügt sie hinzu.

Entscheidungsprozess noch nicht abgeschlossen

Auch Dr. Gerd Fass, der als Unfallchirurg jährlich etwa 500 Operationen als zuständiger Arzt für die Unfallversorgung durchführt, ist gegen die Schließung. „Diese Entscheidung bedroht die medizinische Versorgung des Stadtteils massiv. Ohne den OP-Bereich würden von uns Patienten im Stich gelassen. Auch rund 30 Mitarbeiter wären insgesamt von der Schließung betroffen“, argumentiert Dr. Fass.
Einen Teilerfolg hat der Widerstand schon erreicht. Die Klinikgruppe Dr. Guth prüft derzeit, ob der Operations-Bereich auch nach der Schließung der Bettenstation erhalten werden kann. Der Klinikbetreiber sucht einen externen Investor, der den OP-Bereich für die Ärzte bereit hält und diese gegen eine Gebühr für ambulante Operationen zur Verfügung stellt. Die Gesundheitsbehörde sieht die grundlegende Versorgung durch die Pläne des Klinikbetreibers nicht gefährdet. „Wir sind über die Pläne informiert. Die Entscheidung über die Schließung obliegt jedoch allein dem Klinikbetreiber“, so die Mitteilung der Behörde.

Politik ist gefordert

„Wir kämpfen weiter und sind uns alle einig darin, dass die Praxisklinik in der jetzigen Form erhalten werden muss. Wir sind erstaunt, dass wir Ärzte uns alle so einig in dieser Frage sind. Das stärkt unseren Widerstand. Wir brauchen jetzt Unterstützung von der Politik und vom Hamburger Staat, damit unsere Forderungen Bestand haben“, so Dr. Petra Strobel und Dr. Gerd Fass.
Eine Reaktion aus der Politik liegt schon vor.
„Die FDP-Bezirksfraktion wird alle Bemühungen unterstützen, im Bezirk, auf Landesebene, in der Bürgerschaft und bei den Behörden sowie bei der Klinikgruppe selbst, die gesundheitliche Versorgung für diesen wichtigen Stadtteil Mümmelmannsberg weiterhin auf dem bisherigen Stand zu sichern“, erklärt Bernd Ohde, Vorsitzender der FDP-Fraktion in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte.
Am 21. Oktober sind weitere Gespräche zwischen Klinikgruppe, Ärzten und der Gesundheitsbehörde geplant.
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1 Kommentar
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Claudia Naujoks aus Mümmelmannsberg | 30.01.2014 | 19:28  
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