Krieg in Syrien: Internationale Hilfe vor Ort

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Viele Kinder und Jugendliche sind von dem Kriegsgeschehen traumatisiert Foto: privat
 
Mathias Krüger ist Pastor der Kreuzkirche Henstedt-Ulzburg. Flüchtlinge finden in der Gemeinde Zuflucht Foto: privat

Die Organisation „Syriac Cross“ versorgt Menschen in Not unabhängig von ihrer Religion

Von Thomas Oldach
Hamburg
Syriens Präsident Baschar al-Assad hat es mit russischer Unterstützung geschafft, die letzte Hochburg der gegen ihn koalierenden Kräfte einzunehmen: Die Region und die Stadt Aleppo, einst mit 2,5 Millionen Einwohnern nach der Hauptstadt Damaskus die zweitgrößte Stadt Syriens, liegt auch nach den Evakuierungen nahezu aller Menschen in Schutt und Asche. Die Altstadt von Aleppo war 1986 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden. Im Zuge des Bürgerkrieges mit mehr als 100.000 Opfern in Syrien war Aleppo seit Sommer 2012 bis Dezember 2016 umkämpft. Seit dem 22. Dezember 2016 wird die Stadt von Truppen der syrischen Regierung kontrolliert.

Syriac Cross hilft vor Ort


Ob wir es in den kommenden Monaten noch erleben werden, dass Ruhe und so etwas wie Alltag in Syrien einkehren wird, steht jedoch weiter in Frage. Die Diplomatie kommt nicht wirklich voran. Wer konnte, ist geflohen. Doch auch wenn viele Waffen jetzt schweigen – die Menschen brauchen Hilfe vor Ort. Etwa durch das Syriac Cross. Die nach den Statuten des Internationalen Roten Kreuz arbeitende Organisation – gegründet 2011 – hat ihren deutschen Hauptsitz in Hamburg und im Umfeld der Hansestadt auch ihre wichtigsten Unterstützer. Da sind zum einen der Messwandler- und Stromschienenhersteller Ritz in Wandsbek sowie der Rotary Club Ahrensburg-Schloss. Zusammen trugen sie dieses Jahr gut 30.000 Euro an Spenden zusammen.

Verfolgte Christen


Zum anderen ist da auch Mathias Krüger, Pastor der Kreuzkirche Henstedt-Ulzburg. Seit mehreren Jahren engagiert sich die Gemeinde schon für verfolgte Christen, nun finden dort Flüchtlinge eine seelische wie religiöse Zuflucht. Dabei bedeutet der Aufenthalt in Deutschland nicht automatisch, dass jeder Flüchtling den Schutz findet, den er braucht. „Denn unter den rund 400 Flüchtlingen, die in unserem Ort angekommen sind, gab und gibt es auch einige, die wegen ihres Übertrittes zum christlichen Glauben angefeindet wurden und noch werden“, sagt Krüger: „Dies gilt sowohl für Menschen, die aus Syrien, aber auch aus dem Irak, Iran und Afghanistan geflohen sind.“ Hier soll niemand missioniert, sondern nur eine helfende Hand gereicht werden.

Humanitäre Hilfe im Fokus


Krüger weiß, wovon er spricht – ist er doch auch Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), die außer der politischen Arbeit auch die humanitäre Hilfe in den Fokus stellt. Zudem ist Krüger, der in Hamburg und Basel Theologie studiert hat und seit 2001 Pastor in der rund 7000 Mitglieder zählenden Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Henstedt-Ulzburg ist, auch Vorsitzender des Martin-Luther-Bundes in Hamburg, für den er nach dem Studium ein Jahr lang in Ungarn aktiv war. Gerade ist der 54-Jährige im Auftrag des Martin-Luther-Bundes in Kasachstan unterwegs gewesen, um in der Hauptstadt Astana (ehemals Zelinograd zu Sowjet-Zeiten) eine lutherische Gemeinde zu besuchen.
Kein Wunder, dass Krüger 2017 zum 500. Jahrestag der Luther-Thesen noch viel im Einsatz sein wird. „Das Wichtigste, was Martin Luther uns gebracht hat, ist meiner Ansicht nach der direkte Zugang zum Wort Gottes, der Bibel, durch seine Bibelübersetzung ins Deutsche. Zudem das feste Vertrauen auf die Gnade Gottes, durch die der Sünder gerettet wird, ohne eigene Werke.“ Zu den regelmäßigen Besuchern der Gottesdienste gehören auch einige gemischt-konfessionellen Ehepaare, die die Kreuzkirche als einen Ort schätzten, an dem sie gemeinsam Gottesdienst feiern können, da die hier übliche lutherische Messe viele Ähnlichkeiten mit der katholischen Messe hat. „Luther wollte schließlich auch keine Neugründung, sondern eine Reform“, sagt Krüger. Auch christliche Flüchtlinge trifft man jeden Sonntag in der Kirche.

Völkermord in Syrien


Zurück zu Syrien: Krüger vergleicht die Anstrengung in Syrien zu helfen mit dem Kampf Davids gegen Goliath: „Der IS begeht in seinem Herrschaftsbereich einen Völkermord an Christen und Jesiden. Christen werden vom IS als Menschen zweiter Klasse angesehen, denen Unterwerfungsverträge aufgezwungen werden, wenn sie nicht getötet werden wollen oder flüchten können, Jesiden haben noch weniger Rechte. Zudem hat der IS auch die Sklaverei für Andersgläubige wiedereingeführt. Die Flüchtlinge in Syrien und im Irak benötigen daher dringend internationale Unterstützung vor Ort. Bis dato hat die IGFM 17 Hilfstransporte für Behinderte, Kriegsopfer, Kranke, Frauen und Kinder in Krisengebieten durchführen und zahlreiche Hilfsgüter verteilen können.“

Hilfe unabhängig von Religion


Welchen Schwierigkeiten man in der Praxis begegnet, um vor Ort Hilfe leisten zu können, verdeutlicht Rima Tüzün, Öffentlichkeitsbeauftragte des Syriac Cross Europa: „Hilfsgüter dürfen nur in kontrollierten Zonen verteilt werden. Spendengeld und Güter müssen auf Umwegen ins Land gebracht werden. Dringend benötigte Waren wie Babymilch und Hygieneartikel können in Syrien nur zu sehr hohen Preisen erworben werden.“ Das hält die Mitarbeiter des Syriac Cross aber nicht davon ab, Hilfsbedürftige unabhängig von ihrer Religion zu versorgen.
Im vergangenen Winter wurden Muslime, Jesiden und Christen mit Decken, warmer Kleidung und Heizöl versorgt. In diesem Winter soll dies Projekt der Organisation wiederholt werden. Außer dieser humanitären Unterstützung wird traumatisierten Kindern eine Maltherapie angeboten, in der sie Kriegstraumata verarbeiten können. Weiterhin werden Kindergärten eröffnet und Schulpakete verteilt, um die Kinder mit nötigen Utensilien auszustatten. Die Pressesprecherin betont: „Wir hoffen, dass sich unser Netzwerk erweitert und wir viele neue Unterstützer finden. Die Firma Ritz und der Rotary Club Ahrensburg Schloss haben einen großen Beitrag dazu geleistet.“

Spenden erwünscht


Behiye-Linda Kilic, Vorsitzende des Syriac Cross e.V., weist auf die von Trauma gezeichneten Gesichter schon der Kinder und Jugendlichen hin. Die syrisch-orthodoxe Christin ist ehrenamtlich in der Kirchengemeinde aktiv, hauptberuflich Ärztin im Krankenhaus Groß-Sand in Wilhelmsburg. Dort sieht sie jeden Tag vom Kriegsgeschehen traumatisierte Kinder und Jugendliche: „15-Jährige leiden unter Schmerzen, die rein psychisch bedingt sind; andere erbrechen sich.“ das einzig tröstliche: Immerhin sind sie der Misere in ihrem Heimatland entronnen. Syriac Cross hat seit 2013 den deutschen Ableger Syriac Cross e.V.


Auf der Homepage www.syriaccross.de können sich Interessierte über aktuelle Hilfsprojekte informieren. Dort wurde ein Spendenportal errichtet und es finden sich Ansprechpartner für die Kontaktaufnahme.
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