Krisengipfel nach Galoppderby

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Helfer bei dem Versuch, die reiterlosen Pferde einzufangen Foto: Stammer

Unfalldrama überschattet Rennwoche. Werden Besitzer toter Pferde klagen?

Von Hans-Eckart Jaeger
Horn. Der Vorstand des Hamburger Renn-Clubs (HRC) trifft sich diese Woche auf der Rennbahn in Horn zum Krisengipfel. Weit oben auf der Tagesordnung steht die Frage: Sollen wir Rennen über Hürden künftig aus dem Programm nehmen?
Gesprächsstoff Nummer eins beim Derbymeeting war auch am Tag danach nicht der sechste Derbysieg des 39-jährigen Championjockeys Andrasch Starke auf dem dreijährigen Vollbluthengst Lucky Speed, sondern der fürchterliche Unfall tags zuvor in einem Rennen über bewegliche Reisighürden. Die Pferde Cool Kid und Glad Royal starben, als sie, nach einem ersten Abwurf reiterlos, mit dem übrigen Feld zusammenprallten. Helfer hatten zuvor erfolglos versucht, die beiden sowie ein drittes Pferd einzufangen. Die Pferde waren daraufhin dem Feld entgegengaloppiert. Bei dem Zusammenprall erlitt der Jockey Bohumil Nedorostek einen komplizierten Armbruch. Die Frage der empörten Zuschauer – sie empfingen sowohl den Sieger des Unglücksrennens als auch später die Rennleitung mit Buhrufen – lautete: Warum brach die Rennleitung das Rennen nicht rechtzeitig ab, als die Pferde zu „Geisterfahrern“ wurden?
HRC-Präsident Eugen-Andreas Wahler (64) war früher Hindernisjockey, er hat in seiner Karriere mehr als 100 Rennen über Hürden bestritten: „Ich bin oft gestürzt, habe ich mir viermal das Schlüsselbein gebrochen“, erinnert er sich. „Solche Zwischenfälle gibt es leider immer wieder. Aber was hier passierte, hat es noch nie gegeben.“ Die bereits an der ersten Hürde reiterlos gewordenen Pferde liefen zunächst im Feld mit, dann drehten sie plötzlich um und rasten der Konkurrenz entgegen. „Kein Jockey kann dann noch reagieren, auch die Rennleitung nicht“, versichert Wahler. „Es gibt keine Verbindung zwischen Richterturm und dem Feld, die Reiter würden auch Rufe des Bahnsprechers nicht hören. Wäre man auf eine solche Situation vorbereitet, könnten vielleicht Warnleuchten an jedem Hindernis oder alle hundert Meter ein Posten mit einem Handy oder Jockeys mit Kopfhörern helfen. Doch, wie gesagt, eine solche Situation hat es in Hamburg noch nie gegeben.“ Bei den Trabern wird jedes Rennen sofort abgeläutet, wenn es zu Unfällen kommt. Wahler erklärt den Unterschied: „Auf der Trabrennbahn in Bahrenfeld fährt das Rennleitungsauto wenige Meter neben den Gespannen auf der Innenbahn her, die Mitfahrer können sofort reagieren.“
Werden Rennen über Hindernisse nun abgeschafft? „Persönlich bin ich dafür“, sagt der HRC-Präsident, „doch es bedarf grundsätzlicher Überlegungen, und dafür haben ja wir Zeit.“ Jagdrennen mit festen Hindernissen und das berühmte Seejagdrennen werden sicherlich nicht abgeschafft, aber ein Deutsches Hürdenderby in Hamburg, wie es sich HRC-Vizepräsident Albert Darboven seit vielen Jahren wünscht, wird es in Hamburg nicht geben. Die Besitzer der beiden toten Pferde beraten derzeit nach Angaben von Trainer Stefan Wegner (Glad Royal) über eine Schadensersatzklage gegen den Renn-Club.

Der Derby-Sieger

Am Sonntag gewann Andrasch Starke (39) aus Stade dann vor 23. 000 Zuschauern auf dem dreijährigen Vollbluthengst Lucky Speed das Sparda 144. Deutsche Galoppderby und siegte damit zum sechten Mal. Lucky Speed kommt aus dem Stall des Kölner Trainers Peter Schiergen. Der Hengst, als zweiter Favorit im 19-köpfigen Feld am Start, der dem Unternehmer Arend Oetker gehört, setzte sich mit einer Dreiviertel-Länge Vorsprung auf den aus Frankreich angereisten Tres Blue (Fabrice Veron) und den krassen Außenseiter Nordvulkan (Jozef Bojko) durch. Der Favorit Ivanhowe kam mit dem trockenen Boden nicht zurecht und wurde nur Achter.
Für Trainer Peter Schiergen, 48, war es der vierte Erfolg im wichtigsten Galopprennen des Jahres. „Das ganze Jahr arbeitet man auf ein solches Rennen hin, dann muss aber auch alles stimmen und das war heute der Fall.“ Besitzer Arend Oetker, 74, der seine Pferde unter dem Namen Stall Hornoldendorf, einem Gut in der Nähe der westfälischen Stadt Detmold benannt hat, war nicht vor Ort: Der Unternehmer aus Berlin war in Sardinien, er fieberte am Telefon mit. Lucky Speed hatte er vor zwei Jahren bei einer Auktion für 46.000 Euro erworben. Als Preisgeld kassierte er diesmal 390.000 Euro. Die Derbywoche schloss diesmal wirtschaftlich positiv ab – nach dem Unfall ist die Bilanz jedoch getrübt.
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