„Kunst gibt Lebensfreude“

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Engagiert, lebendig und neugierig: Schauspielerin, Regisseurin und Theaterleiterin Astrid Eggers Foto: Kirsten Heer
 
Feuer und Flamme für die Bühnenarbeit und ihre Schützlinge: Theaterleiterin Astrid Eggers mit den Klabautern Foto: Cordula Kropke

Theaterleiterin verabschiedet sich von den Klabautern. Weiter im Förderverein

Von Mona Kampe
Borgfelde
Engagiert. Lebendig. Neugierig. Drei Worte, die die Künstlerin Astrid Eggers und ihr Leben zeichnen. 17 Jahre lang leitete die Regisseurin das Theater Klabauter und lehrte Menschen mit Behinderung das professionelle Schauspielern. Eine vielseitige, spannende Aufgabe.
Frühere Erfahrungen haben sie jedoch mehr als gut für diesen Job gewappnet. Bereits in Kindertagen verkleidete sie mit Leidenschaft und Spaß am Spiel ihre Geschwister und schrieb eigene Stücke, die sie mit ihnen inszenierte. Die am Thalia Theater bekannt gewordene Schauspielerin hatte alsbald genug von Scheinwerferlicht der Bühne und widmete sich in den 1980er bis 1990er Jahren dem freien Straßentheater. Sie brachte es wortwörtlich zu den Menschen in die Stadtteile - etwa im Kulturbauwagen Eimsbüttel – und begeisterte mit ihren Konzepten vor allem Jugendliche und Kinder. Zusammen mit ihnen entstanden viele Produktionen und Filme – theaterpädagogische Erfahrungen. „Es macht Spaß, Menschen zu treffen und mit ihnen gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen“, so Astrid Eggers über ihre künstlerische Motivation. Zudem organisierte sie zahlreiche Veranstaltungen – unter anderem das Kunstjahrmarktprojekt „Luna Luna“ von André Heller 1987.

Arbeit mit behinderten Menschen


1993 entwickelte sie mit dem Rauhen Haus eines der ersten deutschen theaterpädagogischen Konzepte, das die professionelle Schauspielausbildung als individuelle Arbeitsgestaltung für Menschen mit Behinderung vorsieht. Das Pionierprojekt fand finanzielle Unterstützung sowie Anklang in der Einrichtung und wird bis heute als künstlerische Alternative zur Arbeit in der Werkstatt oder Hauswirtschaft angeboten. In 17 Jahren bildete sie zwölf SchauspielerInnen aus und meisterte den Spagat zwischen Bühnenarbeit und Organisatorischem. Ein kleines Theater benötigt so einiges - von Proberäumen über Requisiten bis hin zu Werbung und Fördergeldern. Seit 2006 verfügt das Theater Klabauter neben weiteren Projekten des Rauhen Hauses über ein eigenes Zuhause in der Jungestraße 7a und fasst ein buntes, beeindruckendes Repertoire an Kinderstücken wie „Elbenstern“ und Produktionen für Erwachsene zu gesellschaftlichen und literarischen Themen, zum Beispiel „Crazy Sommernachtstraum“ und „Frankensteins Erbe“. Fast alle Stücke hat Astrid Eggers selbst geschrieben und gemeinsam mit den Klabautern inszeniert. Neben Sprachtraining lernen die Teilnehmer vor allem den Mut zu fassen, Grenzen zu überschreiten und in ganz neue, andere Rollen zu schlüpfen, die sie sonst nicht einnehmen würden – etwa einmal so richtig böse sein oder laut zu fluchen. „Es ist eine ganz eigene Theaterwelt, in der sie kreativ sein können, Geschichten erzählen, Gefühle von Stolz empfinden und Lebensfreude ausstrahlen – Kunst gibt Kraft“, berichtet die Leiterin. Die Proben geben ihrem Tagesablauf zudem eine feste Struktur.
Nicht immer begegnen Besucher den Klabautern ohne Vorurteile. Meist jedoch werden sie positiv überrascht. „Es ist schön, dass es diese Menschen gibt - sie treten einem mit so viel Offenheit, Herzenswärme und Engagement gegenüber. Leider herrschen vor allem in Hamburg noch große Berührungsängste. Wir möchten, dass die Zuschauer am Ende der Vorstellung sagen: ‚Das war schön. Das hat etwas mit mir gemacht.‘ Sie bewegen, sie unterhalten“, so die Motivation der Regisseurin. Vielleicht gelingt es so, nach und nach Hemmschwellen erfolgreich abzubauen.

Sie bleibt Vorsitzende des Fördervereins


2000 gründete Astrid Eggers einen Förderverein, um zusätzliche finanzielle Unterstützung für das Theaterprojekt zu sichern. Mit Spenden und Fördergeldern konnten so unter anderem die Beleuchtung und weitere Ausstattung des Bühnenraumes erworben werden.
Auf sie folgt Dorothee de Place als Theaterleitung, dem Förderverein bleibt sie als Vorsitzende jedoch treu. Die Schauspielerin hat bereits weitere Projekte am Start, unter anderem eine Rückkehr zum Thalia Treffpunkt und eventuell auf die Bühne des Thalia Theaters. Sie wird die Proben am Theater Klabauter noch bis Sommer begleiten und selbst in eine Gastrolle schlüpfen - vielleicht auch noch das ein oder andere Stück für sie texten. „Veränderungen und frischer Wind sind gut - doch die Bühne wird mich nicht los oder ich werde die Bühne nicht los. Kunst gibt Kraft und Lebensfreude.“

Theater Klabauter, Jungestraße 7a, 253 046 313, klabauter@rauheshaus.de, weitere Infos: www.theater-klabauter.de
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