Leben mit Schreibschwäche

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Die ersten Anzeichen treten meist in der Grundschule auf Symbolfoto: thinkstock

Legasthenie wird oft spät erkannt, kann aber behandelt werden. Hamburger Eltern sollten sich frühzeitig Hilfe holen

Marco Dittmer
Hamburg
Mit der Einschulung beginnt für viele Kinder ein neuer, meist aufregender Lebensabschnitt. In Hamburg gehen seit September mehr als 14.000 Erstklässler jeden Tag zur Schule. Für Kinder mit Legasthenie beginnt mit der Einschulung oft ein jahrelanger Leidensweg. Britta Schandau (Name von der Redaktion geändert) hatte schon früh so ein Bauchgefühl. Ihr Sohn Ole quälte sich oft ganze Nachmittage mit seinen Deutsch-Hausaufgaben. Das Vorlesen verweigerte er konsequent. Oles Lehrer beruhigten sie immer wieder mit Durchhalteparolen. „Das wird schon noch“, hörte sie bis zur dritten Klasse. Dann bekam sie Gewissheit: Ihr Sohn Ole litt an Legasthenie, einer Entwicklungsstörung bei der Betroffene an einer Lese-, einer Rechtschreibschwäche oder an einer Kombination aus beiden Störungen leiden.

Vier Prozent der Schüler betroffen

„Ole war vor der Schule so ein froher und glücklicher Junge. Es war schwer, ihn dann so traurig zu sehen“, sagt die Mutter von drei Kindern. Rund vier Prozent – rund ein Kind pro Klasse – leidet laut Studien an einer schwereren Lese-/Rechtschreib-schwäche. Die Diagnose ist oft schwer, da Betroffene Wege finden, Anzeichen zu kaschieren. So können sich viele Legastheniker Texte sehr schnell merken. Dann sprechen sie Gedichte nach dem zweiten Lesen schon aus dem Gedächtnis nach. Ein spezieller Test, der bei Kinder- und HNO-Ärzten, gemacht wird, gibt Aufschluss über den Grad der Störung.

Dank Therapie auf dem Gymnasium

„Eine Heilung oder Verbesserung der Störung ist grundsätzlich möglich“, sagt Christine Klüfers-Berger, vom Hamburger Landesverband für Legasthenie. „Je früher die Therapie beginnt, desto besser die Aussichten auf Erfolg“, sagt die Lerntherapeutin. Eltern können aber auch auf Alarmsignale achten. „Von Legasthenie Betroffene verwechseln oft das „b“ und „d“. Silben können nur schwer gelesen werden, so lesen viele ein „ma“ als „m“ und „a“. Manche schreiben Wörter oder ihre Namen auch spiegelverkehrt. Ole geht heute in die Oberstufe eines Hamburger Gymnasiums. Nach rund sieben Jahren Behandlung hat er mit viel Ehrgeiz seine Schwäche fast besiegt, und ist wieder der fröhliche Junge aus seiner Kindheit.

Info

Eltern, die glauben, dass ihr Kind an einer Lese-/Rechtschreibschwäche leiden, können sich beim Landesverband Legasthenie in Hamburg beraten lassen. In einer einstündigen Sitzung geben Experten eine erste Einschätzung und wertvolle Tipps und Adressen für weiterführende Untersuchungen. Mehr Infos auf www.lvl-hamburg.de
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