Legienbrücke in Billstedt: Neubau geht voran

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Legienbrücke: Ein Bagger gräbt sich in die Tiefe Foto: fbt
 
Frank Plate (l.) und Tom Kähler arbeiten auf der Brückenbaustelle Foto: fbt
Hamburg: legienbrücke |

Brückenbauer legen in Billstedt Fundamente für neue Querung über die Hochbahn

Von Frank Berno Timm
Billstedt/Horn
Die Arbeiten an der „Grundinstandsetzung“ der Legienbrücke gehen planmäßig vonstatten (das Wochenblatt berichtete). Die Bauleute könnten sogar bei tiefem Frost weiter arbeiten. Das Hamburger Wochenblatt hat sich auf der Baustelle umgesehen. Projektleiter Keyhn Rabiyan und seine Bauüberwacherin kennen kein Pardon: Ohne Schutzhelm darf die Baustelle zwischen den Gleisen des U-Bahnhofs Legienstraße nicht betreten werden. Schon auf der steilen Abfahrt auf das Baufeld geht es nicht ohne. Rabiyan holt eine schützende Kopfbedeckung, nun kann es losgehen.

Abriss und Neubau

Der Projektleiter vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) spricht von Grundinstandsetzung der Brücke, was bedeutet das? Abriss und Neubau, antwortet Rabiyan, es entstehe eine „zweifeldrige Verbundbrücke“. In der Mitte zwischen den Gleisen wird es einen Brückenpfeiler geben; dazu auf beiden Seiten Widerlager, auf denen die neue Brücke ruhen wird. Zwischen den Gleisen klafft ein großes Loch, mit Folie abgedeckter Beton, aus dem Stahl herausguckt, ruht. Kann man denn im Winter überhaupt betonieren? „Bei massiven Bauwerken fast immer“, antworten die Bauleute, trocknender Beton entwickele Wärme, er dürfe in drei Tagen nicht „durchfrieren“. Es ist eine kleine Wissenschaft, die aber feste Regeln hat: „Bei Minusgraden wird Beton angewärmt“, erläutert Rabiyan und seine Kollegin ergänzt: Unter drei Grad Celsius dürften Mauerarbeiten nicht ausgeführt werden, aber darum geht es hier ja nicht. Und noch eine Regel: Beton benötigt 56 Tage, bis er vollständig ausgehärtet sei, dies bedeute im Fall der Brücke, dass dann die volle Tragkraft bestehe. Die Bauleute messen, wie warm oder kalt das entstehende Bauwerk ist, nach ungefähr einer Woche, erläutern sie, könnte man „ausschalen“, also das Holz, in das der Beton gegossen wurde, für den nächsten Bauschritt verwenden.

Vorsicht geboten

Die nächste Tücke: Bauen bei laufendem Bahnbetrieb. Normalerweise müssten „Sipos“, also Sicherheitsposten, eingesetzt werden, die bei jedem kommenden Zug die Bauarbeiter warnen. Auch die Stromschiene der U-Bahn muss mit Vorsicht behandelt werden. Rabiyan erläutert, dass mit der Hochbahn ein exaktes Baufeld verabredet und deswegen keine Sipos notwendig seien – bis auf wenige Arbeiten, die etwa in der nächtlichen Betriebsruhe der U-Bahn stattfänden. Solange
kein Kran in der Nähe des Gleises arbeite, geht es ohne besonderen Schutz. Und wie viele Leute sind notwendig, um eine Brücke zu bauen? Rabiyan rechnet und kommt auf acht Mitarbeiter, hinzu kämen die Nachunternehmer. Wer sich mit Bauleuten unterhält, hört viel Fachchinesisch. Ein Beispiel: Der Mittelpfeiler der Brücke entsteht mit so genannter „Flachgründung“, also einem normalen Fundament. Um eine „Tiefgründung“ würde es sich handeln, wenn Bohrpfähle in den Boden gerammt würden, auf denen das Bauwerk entstehe. Noch ein Beispiel: Die Widerlager, also die Brückenpfeiler auf der Nord- und Südseite der Brücke, werden mit „Ankern“ gesichert.

Acht Meter abwärts

Das sind Stahltrossen, die in den Boden gebohrt, unter Spannung gesetzt und sorgfältig kontrolliert werden. Rabiyan erläutert, die mit einer blauen Kappe seien schon abgenommen, wo diese fehle, stehe die Prüfung noch aus. Inzwischen sind wir über das Baufeld gegangen und auf der Horner Seite eine enge Bautreppe hinaufgestiegen. Von oben kann man nun in eine tiefe Baugrube hineinsehen, die mit Holzbalken und den eben beschriebenen Ankern ausgekleidet ist. Auf der Sohle steht ein Bagger, der sich noch tiefer eingraben wird. Wie weit geht es abwärts? Ungefähr acht Meter, dann werde eine Kiesschicht aufgeschüttet, auf der der Brückenträger in die Höhe wächst. Nein, antworten die Experten auf entsprechende Fragen, ungewöhnliches gebe es nicht auf der Baustelle, auch die verpflichtende Kampfmittelsondierung zum Auftakt habe keine Ergebnisse gebracht.

Es geht voran

Auf der stadtauswärts führenden U-Bahn-Seite arbeiten Frank Plate und Tom Kähler, beide dick eingepackt, an der Absturzsicherung der Baugrube. Der Ton ist locker und direkt. Sie sichern die Grube, weil sie nicht mehr offen bleiben muss. So kann keiner hinunterfallen. Es geht voran.

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