Lokale Wirtschaft ist wichtig für die Integration

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An der Billstedter Hauptstraße pulsiert das Leben: Hier wird nicht nur gespeist und eingekauft, sondern auch der Austausch großgeschrieben Foto: Luckey
Hamburg: Billstedter Hauptstraße |

Studie untersucht die migrantischen Gewerbebetriebe in Billstedt

Anette Luckey
Billstedt
Helal-Döner rotiert im Alibaba-Grill, daneben serviert das Orkinus-Restaurant köstlichen Fisch. Wenige Meter weiter gibt’s anatolische Spezialitäten im Meram-Restaurant – an der Billstedter Hauptstraße pulsiert das Leben. Alles für den heimischen Kochgenuss (türkisch, afghanisch, persisch) bietet der Supermarkt Öncü feil.Orientalischer Goldschmuck im Kuyumcu Ekol, bunte Torten nach afghanischer Rezeptur, orientalische Braut- und Abendmode – an der Billstedter Hauptstraße und am Schiffbeker Weg haben sich in den vergangenen Jahren viele migrantische Gewerbetreibende niedergelassen. Sie versorgen nicht nur die Billstedter Bevölkerung, die inzwischen aus 136 Nationen kommt, sondern haben auch eine zentrale soziale Funktion. Zu diesem Ergebnis kommen Innenarchitektin Dorothea Wirwall und der Kulturwissenschaftler Marius Geisler, die für ihre Masterarbeit im Studiengang „Urban Design“ der HafenCity-Uni die lokale Wirtschaft im Zentrum Billstedts untersucht haben. Ihre wichtigsten Erkenntnisse stellten sie der Billstedter Interessengemeinschaft für Gewerbetreibende „bigg“ jetzt vor.

96 Betriebe im Fokus

96 Gewerbebetriebe haben sie kennengelernt und die Strukturen untersucht. Neben den deutschen sind türkische Betriebe die größte Gruppe, gefolgt von afghanischen, iranischen und südosteuropäischen Gewerbetreibenden. Sie bilden kleine „Zentren“. Die Angebote sind niedrigpreisig und die Flächen kleinteilig (unter 100 Quadratmeter), weil sie vorsichtig anfangen. Viele Betriebe sind aus ökonomischen Gründen hybrid und gut vernetzt – vereinen etwa Frisör und Shisha-Cafe unter einem Dach. Ein deutscher Graveur vermietet seine Parkplätze und kommt so über die Runden. Die migrantischen Betriebe haben nicht nur eine Versorgungs- sondern auch eine wichtige Integrationsfunktion: Von den insgesamt 450 Arbeitsplätzen im Untersuchungsgebiet im Umfeld des Einkaufszentrums bieten sie mit 280 Arbeitsplätzen den größten Anteil zum Abbau der Arbeitslosigkeit. Und da der Stadtteil vielfältig ist, stellen sie Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Nationen ein.

Gewerbetreibende müssen sich organisieren

Das Fazit der Masterstudierenden Wirwall und Geisler mit Blick auf die umfangreichen Planungen für das Billstedter Zentrum: „Die migrantischen Gewerbetreibenden sind Experten für den Stadtteil und müssen sich organisieren, um ihre Bedarfe in den Planungsprozess für das Sanierungsgebiet einbringen zu können“. In den kommenden Jahren soll Billstedt intensiv aufgewertet werden unter anderem über die Umgestaltung des Zentrums und der Billstedter Hauptstraße.
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