„Mahnender Finger nach Zerstörungen“

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Der Wasserturm in Rothenburgsort stammt aus den Anfangszeiten der öffentlichen Wasserversorgung in Hamburg Foto: Frank Berno Timm

Wasserturm soll als Symbol erhalten bleiben

Von Frank Berno Timm
Rothenburgsort
Hamburgische Geschichte findet sich in baulichen Zeugnissen nicht nur im Zentrum der Hansestadt, sondern auch an ihrem Rand: Die Ehemalige Stadtwasserkunst mit ihrem 65 Meter hohen Turm, die vom Architektur-Urvater Alexis de Chateauneuf stammt, beschäftigte jetzt sogar die Bezirksversammlung Hamburg Mitte. William Lindley ist für alle, die sich mit Hamburger Geschichte auskennen, ein berühmter Name. Die Hansestadt verdankt dem Briten viel – unter anderem die erste, öffentliche Wasserversorgung nach dem großen Stadtbrand von 1842. Auch Alexis de Chateauneuf ist für manchen kein unbeschriebenes Blatt: Der Architekt zählt zu den Urvätern Hansestädtischer Architektur (Hauptkirche St. Petri und andere, zu erfahren aus Ralf Langes Architekturführer Hamburg, Stuttgart 1995). Chateauneuf war auch der Architekt der ehemaligen Stadtwasserkunst in Rothenburgsort, Lindley zusammen mit einem Kollegen der zuständige Ingenieur. Die Bezirksversammlung Mitte ließ jetzt einen Antrag aus dem zuständigen Regionalausschuss passieren, der daran erinnert, dass der Turm „eine Landmarke, ein mahnender Finger nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges“ sei, zugleich aber auch ein Symbol für den „Wiederaufbau und den schwierigen Neuanfang der verbliebenen oder zurückgekehrten Bewohner“ im Stadtteil. Dies müsse für kommende Generationen erhalten bleiben. Da der Turm (Baujahr 1848) in die Jahre gekommen sei und der Zahn der Zeit nage, bestehe Handlungsbedarf. Das Gebäude sei in den letzten 50 Jahren nicht eingerüstet worden, es sei also „dringend Zeit für eine gründliche Revision und Sanierung der Substanz“. Nun soll das Bezirksamt Verbindung „mit den zuständigen Stellen“ aufnehmen, um den baulichen Zustand des Gebäudes zu überprüfen und möglicherweise eine Sanierung einzuleiten. Dem erwähnten Architekturführer ist übrigens zu entnehmen, dass der Turm einem doppelten Zweck diente: Nach der groben Reinigung wurde das der Elbe entnommene Wasser in 65 Meter Höhe gepumpt; die entstandene Wassersäule sorgte für den notwendigen Druck im Leitungsnetz. Gleichzeitig war der Turm Schornstein des Kesselhauses, was das Einfrieren der Leitungen verhindert habe.

Grünzug wieder herstellen


In der gleichen Sitzung bestätigte die Bezirksversammlung einen Beschluss aus dem Regionalausschuss, der dazu auffordert, wieder einen Grünen Korridor für Rothenburgsort zu schaffen. Dort wird daran erinnert, dass der ehemalige Sportplatz des TSV Lorbeer (im Traunspark) Ende der 70er Jahre aufgelöst und dem Wasser-Betriebsgelände für den Bau eines Reinwasserbehälters zugeschlagen wurde. Es habe ein Flurstück existiert, das parallel zum Vierländer Damm verlaufen sei und in Höhe Vierländer Damm 58 verlassen werden konnte. Die entsprechende Wegeverbindung sei ohne ersichtlichen Grund und Ausgleich dem Wasser-Betriebsgelände zugeschlagen worden. „Dieser schöne Wanderweg sollte reaktiviert werden und wieder zu einem Bestandteil von Rothenburgsort und begehbar für die Bewohnerinnen und Bewohner werden“, heißt es in dem Beschluss.
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