Makler umgehen „Bestellerprinzip“

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Mit Tricks umgehen einige Makler das „Bestellerprinzip“ Symbolfoto: thinkstock

Seit 1. Juni sollen Vermieter die Courtage zahlen. Erste Tricks bekannt

Hamburg Das Gesetz zur Neuregelung der Maklerprovision, wonach die Courtage von neuvermietetem Wohnraum nun vom Vermieter gezahlt werden muss, ist keinen Tag alt, da versuchen Hamburger Immobilienmakler die Regelung schon zu umgehen. In einem aktuellen Fall wurde einem Wohnungssuchenden von der Immobilienfirma „Immoconcepts Hamburg“ ein sogenannter Suchauftrag zugesandt, der vor Vermittlung unterschrieben werden muss (Dokument liegt der Redaktion vor). Demnach willigt der Bewerber ein, dem Immobilienunternehmen beim Abschluss eines Mietvertrages eine Provision von 2,38 Nettokaltmieten zu überweisen.
„Dieser Vertrag läuft der Neuregelung völlig entgegen und ist damit unwirksam“, sagt Rolf Bosse vom Mieterverein zu Hamburg. Laut der Gesetzesneuerung muss die Partei die Provision an den Wohnungsvermittler zahlen, die zuerst den Auftrag erteilt hat (Bestellerprinzip). Im Falle einer Wohnungsanzeige im Internet ist das laut Bosse der Vermieter.
Das Bestellerprinzip gilt auch für Wohnungsanzeigen, die vor dem 1. Juni veröffentlicht wurden. „Nach unserer Auffassung besteht der Anspruch auf eine Maklercourtage, wenn der Mietvertrag unterzeichnet wird“, sagt Bosse. Der Rechtsanwalt rät Betroffenen, den Vertrag trotzdem zu unterschreiben. „Sonst sortiert der Makler die Bewerber einfach aus und sucht sich einen, der aus Unwissenheit oder aus der Not heraus lieber zahlt“, sagt Bosse. Die Provision müsste der Mieter in dem Fall nicht zahlen, da der Vertrag von Anfang an unwirksam war. „Um das zu beweisen, sollte der Wohnungssuchende am besten ein Bild von der Wohnungsanzeige abspeichern“, rät Bosse.

Weitere Tricks


Laut Mieterverein könnten Makler auch versuchen, „zusätzliche Nebenkosten zu generieren, damit der Mieter die Provision zahlt.“ Das könnten überzogene Abstandzahlungen für Einrichtungsgegenstände sein. „Auch das ist in vielen Fällen nicht rechtmäßig“, sagt Bosse. Mit der Neuregelung tritt bundesweit auch die Mietpreisbremse in Kraft, nur in Hamburg nicht. Der Verband der Wohnungseigentümer droht mit der Kündigung des „Bündnis für Wohnen“. (mdt)
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