Mattkamp: Mehr Flüchtlinge

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Beate Boch ist die Leiterin des Pavillondorfes am MattkampFoto: güb
 
Auf dem Parkplatz vor der Einrichtung am Mattkamp sollen die Container aufgestellt werdenFoto:güb

Plätze werden von 360 auf 400 aufgestockt

Von Günther Brockmann
Billstedt. 47 Wohnungslose und 313 Flüchtlinge leben bereits am Mattkamp in Billstedt. Jetzt sollen auf dem Parkplatz vor den Pavillonhäusern Container für 40 weitere Zuwanderer aufgestellt werden, wie Beate Boch, die Leiterin des Pavillondorfs bestätigt.
Beschwerden von Billstedtern rund um das Pavillondorf höre man kaum, sagt sie: „Die Einrichtung am Mattkamp als Unterkunft in Billstedt wird seit Jahren angenommen und ist kein Störfaktor im Stadtteil.“ Nun bereitet sie sich auf neuen Zuzug vor, alle bisherigen Plätze seien vergeben.
Der Mattkamp zeigt exemplarisch, dass Hamburg derzeit besonders viele Flüchtlinge aufnehmen muss. Im Juli sind es laut Hamburger Innenbehörde 229, im August 271 und im September 285 Zuwanderer, die öffentlich untergebracht werden müssen. Insgesamt werden in 2013 nach Angaben der Innenbehörde in Hamburg 2324 Zuwanderer erwartet (2012: 2195). Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) teilt mit, dass für das Jahr 2013 in Deutschland rund 100.000 Erst-
antragsteller zu erwarten sind.Das Pavillondorf Mattkamp mit seinen 16 Häusern liegt in der Straße Mattkamp 10 am Rande von Billstedt. Ringsherum gibt es keine direkten Nachbarn. Leiterin Boch sieht darin eine Erklärung, warum es wenig Konflikte gibt: „Unsere Lage mitten im Grünen ist eine Ausnahme. Andere Einrichtungen für Zuwanderer oder Obdachlose im Hamburger Stadtgebiet liegen in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten oder direkt in einer Wohnsiedlung.“
FDP und Grüne kritisieren eine einseitig hohe Belastung Bill-
stedts durch Flüchtlinge.
Seit 1994 gibt es in Billstedt das Pavillondorf. Damals waren es Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion, die nach Billstedt kamen und in die Pavillonhäuser einzogen. Heute sind es insgesamt 360 Personen, darunter vor allem Familien aus Afghanistan oder Ghana, die am Mattkamp ihre vorübergehende Heimat gefunden haben.
Die Einrichtung ist voll belegt. Je zwei Personen sind in einem der 15 Quadratmeter großen Zimmer untergebracht. Familien mit mehreren Kindern teilen sich etliche Zimmer. Alle Bewohner eines Hauses nutzen die Gemeinschaftsküche sowie die Waschräume.
„Es bleibt natürlich nicht aus, dass Konflikte auftreten, wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen gemeinsam die Räumlichkeiten nutzen“, erklärt Beate Boch. „Da müssen wir häufig als Vermittler auftreten und mit den Menschen viel reden, damit Verständnis für die jeweilige Situation erreicht werden kann. Das gelingt uns aber in den meisten Fällen.“
„Dass Bewohner das Pavillondorf verlassen, um eine eigene Wohnung zu beziehen, wenn sie das Bleiberecht in Hamburg haben, ist immer noch eine Ausnahme“, berichtet Gabriela Kunz, Sozialarbeiterin im Pavillondorf Mattkamp. Sie sorgt auch dafür, dass die Menschen des Pavillondorfes Sprachkurse besuchen können.
Politiker aus dem Bezirk sehen die aktuelle Entwicklung kritisch. So sagt Bernd Ohde, Fraktionsvorsitzender der FDP in der Bezirksversammlung Mitte: „Ganz Hamburg ist bei der Flüchtlingsunterbringung gefragt. Sozial- und stadtteilverträgliche Lösungen wird es überall nur dann geben, wenn Bürger und Kommunalpolitik ernsthaft am Zustandekommen beteiligt sind. Billstedt und andere sozial benachteiligte Stadtteile müssen jedenfalls entlastet werden. Die notwendigen Anstrengungen im Interesse der Menschlichkeit gehören dezentral auf die gesamte Stadt verteilt.“
Michael Osterburg, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bezirksversammlung Mitte, sieht das Quartier über Gebühr beansprucht: „Wir brauchen dringend Flüchtlingsunterkünfte in ganz Hamburg, da die Zahlen dramatisch angestiegen sind und noch weiter steigen. Im Stadtteil Billstedt haben wir schon mehr Plätze bereit gestellt als zum Beispiel Eimsbüttel. Die Unterkunft am Oststeinbeker Weg halten wir für zu teuer und sie ist hochproblematisch, da die Sozialbehörde sich bis heute kaum an Zusagen über Ende und Belegungszahlen gehalten hat.“ Sein Vorwurf: „Die SPD hat die Billstedter regelrecht hinters Licht geführt, als sie behauptete, der Oststeinbeker Weg muss sein, aber Mattkamp wird nicht aufgestockt. Jetzt bekommen wir beides.“
Kerstin Gröhn, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bezirk, sagt dazu: „Ich kann verstehen, wenn sich die Menschen über den Zuwachs an Asylsuchenden in Billstedt Sorgen machen.“ (güb)
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