Mehr als nur aufgehübscht

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Die Bahnstation Rauhes Haus: Hier fahren die Linien U2 und U4 Foto: Timm
 
Dirk Kienscherf am neuen Fahrkartenautomat Foto: Timm

U-Bahnstation Rauhes Haus barrierefrei. Fahrstühle ohne Ticket nutzbar

Von Frank Berno Timm
Hamm
Ab Donnerstag, 10. Dezember ist die Station Rauhes Haus (U2, U4) barrierefrei zugänglich. Für knapp 20.000 Fahrgäste pro Tag geht es auf Wunsch per Aufzug in die Bahn. Wer sich den Weg nach Hamm aufwärts erleichtern will, darf die Anlage ebenfalls benutzen – sogar ganz ohne Fahrkarte. Gekostet hat der Umbau 1,9 Millionen Euro. „Der nächste Zug ist ein Kurzzug!“ Die Stimme von NDR-Moderatorin Anke Harnack schallt durch die Halle. Hier, in der Station „Rauhes Haus“, die ihren Namen dem von Johann Heinrich Wichern gegründeten Diakoniewerk in der Nähe verdankt, ist auch mittags immer Betrieb. Wer aus der Stadt kommt, kann durch den neuen Ausgang direkt ins Freie treten.
Die Rolltreppe an der Ostseite wird gerade erneuert, überall sind Bauleute damit beschäftigt, letzte Arbeiten auszuführen. Am stadteinwärts gelegenen Treppenbau strahlt ein Arbeiter Fliese für Fliese der Fassade mit seinem Hochdruckreiniger ab, Plastiksäcke sind mit zusammengekehrtem Laub gefüllt. Am Osteingang gibt es neue Fassadenelemente: Die Eingänge zu den Aufzügen, die für beide Bahnsteige eingebaut wurden, sind nach außen ganz aus Glas und nach innen mit Fenstern versehen – so werden dunkle Ecken, die für manche zum Fürchten sind, von Anfang an vermieden. Unter dem Dach hat ein Taubenpärchen, gänzlich unbeeindruckt vom Zugverkehr, Platz genommen, die im Abstand von wenigen Minuten haltenden Züge sind gut frequentiert.

Blindenleitsystem ist eingebaut


Hochbahn-Sprecherin Christina Becker hat Projektleiter Frank Scheffler und Dirk Kienscherf, den Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bürgerschaftsfraktion, mitgebracht. Scheffler berichtet, die Umbaumaßnahmen hätten knapp 1,9 Miillionen Euro gekostet; man sei knapp unter den Planungen geblieben. Dirk Kienscherf berichtet, sichtlich erfreut, dass es gelungen sei, mit der Hochbahn zu vereinbaren, die Fahrstühle von der Fahrkartenpflicht auszunehmen. „Da kommen noch zwei Schilder dran“, sagt er, auch die Fahrkartengrenze im U-Bahn-Eingang wird noch entsprechend angepasst.
Der Ausgang zur Hammer Landstraße sei etwas ganz besonderes im Hochbahn-Netz, betont Kienscherf. Und Frank Scheffler berichtet schmunzelnd, er habe selbst den Bauzaun entfernt, als die Arbeiten beendet waren. „Das wurde sofort angenommen“. Dass nur an der Ostseite zwei Aufzüge eingebaut wurden, hat einen einfachen Grund: die Kosten. „Die Haltestelle barrierefrei auszubauen bedeutet, dass jeder Bahnsteig nun mit je einem Aufzug erreichbar ist, dass die Bahnsteige für einen niveauausgleichenden Zugang teilerhöht wurden und ein Blindenleitsystem eingebaut wurde. Zusätzlich zwei weitere Aufzüge an der Westseite einzubauen, stünde in keinem Verhältnis“, meint Hochbahn-Sprecherin Christina Becker.
Wenn demnächst 58 Haltestellen barrierefrei ausgebaut seien, habe die Hochbahn noch einmal „33 vor der Brust“. Zudem würde mit Verbänden abgestimmt, wo an jeder Haltestelle der sinnvollste Standort für einen Aufzug sei. Dirk Kienscherf fügt hinzu, vor vier Jahren sei von Barrierefreiheit noch gar nicht die Rede gewesen, nun die Stationen Hammer Kirche, Rauhes Haus und Burgstraße entsprechend hergerichtet. Als die Station in den sechziger Jahren errichtet wurde, habe man Behinderte ja noch eher „ausgeschlossen“, meint Frank Scheffler.

Nächster Umbau: Merkenstraße


Auch das Äußere des Bahnhofs soll noch verändert werden. Zuständig ist der Bezirk. Im östlichen Eingang hat ein Laden geschlossen, die Jalousie ist mit Graffiti überzogen. Der Besitzer, sagt Scheffler, habe aufgegeben, die Hochbahn werde nicht lange abwarten. Immerhin: Rund 19.600 Fahrgäste steigen hier werktags ein und aus, wie Christina Becker berichtet. Für jeden wurden, rechnet man die Baukosten entsprechend um, 100 Euro investiert, das Geld stammt aus Fördermitteln. Nächster Umbaubahnhof in der Nähe wird die Merkenstraße sein, 2017 soll er fertig sein, nächstes Jahr geht es los.
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