Mehr Flüchtlinge in Billstedt?

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Anwohner, Politiker und Vereinsvorstände stehen gemeinsam für viele Billstedterinnen und Billstedter gegen mehr Asylanten in ihrem Stadtteil. Ute Ullerich, Anwohnerin, Uwe Böhm, Billstedter Politiker und Liedermacher, Michael Baumert, Mitglied im Vorstand der BilleKidz, Joachim Ullerich, Anwohner, Hildegard Jürgens, SPD-Vorsitzende in Billstedt.Foto: Neschki
 
Hildegard Jürgens, SPD-Vorsitzende in Billstedt: „Gerade Billstedt ist sich seiner Verantwortung gegenüber den obdachlosen Menschen bewusst. Mit 837 Plätzen im Billstieg und Mattkamp hat der Stadtteil seinen solidarischen Beitrag geleistet.“ Foto: Neschki

In der Bezirksversammlung regt sich Widerstand

Von Mike Neschki
Billstedt. „Billstedt braucht eine bessere Durchmischung.“ Diese Worte sowohl von Michael Mathe, Amtsleiter des Fachamts Stadt- und Landschaftsplanung als auch von Andy Grothe, Bezirksamtchef Hamburg Mitte, die während der Podiumsdiskussion auf dem Forum Billstedt-Horn fielen, stehen seit dem 26. November wie in Stein gemeißelt in den Notizblöcken interessierter Zuhörer. Aus diesem Grund wurde die Fläche der stillgelegten Schule am Oststeinbeker Weg zum Baugrundstück für Reihen- und Mehrfamilienhäuser erklärt, deren Baubeginn zügig vorangetrieben werden soll. Doch am 27. November war diese Aussage Makulatur. Da heißt es auf einmal in einer Presseerklärung, dass der Hamburger Senat mehr Plätze für Flüchtlinge und Wohnungslose braucht. Sozialsenator Detlef Scheele: „Jeder Bezirk ist gefordert! Nur wenn wir alle an einem Strang ziehen, werden wir es schaffen. Das ist eine Pflicht und keine Kür.“
„Das Problem ist nur,“ so Michael Baumert, Mitglied im Vorstand der BilleKidz, „dass dabei der Einfachheit halber auch wieder an Billstedt gedacht wird,“ und weiter: „Das hatte in der Vergangenheit ja immer prima funktioniert. Aber so geht es nicht weiter. Billstedt kann nicht noch mehr Asylsuchende und Wohnungslose aufnehmen. Die Balance stimmt dann einfach nicht mehr. Rund 1000 Menschen sind mehr als genug.“

Billstedter erbost

Die Frage, die sich nicht nur die Teilnehmer des Forums Billstedt-Horn einen Tag nach Bekanntgabe stellten, war: Wieso wussten am Montag die Protagonisten auf dem Podium noch nichts davon, obwohl Volker Schiek, Staatsrat der Behörde sagte, dass „durch die intensiven Bemühungen der vergangenen Wochen und das große Engagement aller Beteiligten es gelungen ist, zügig neue Kapazitäten für die Erstaufnahme von Asylbewerbern in der Stadt zu schaffen.“
Mit Kapazitäten ist gemeint, 300 Menschen in der Schnackenburgallee unterzubringen, 300 in der Bergedorfer Rothenauschaussee und weitere 100 Menschen im Sandwisch; 180 Hilfesuchende im Industriegebiet Offakamp, in Hamburg Nord insgesamt 300, und rund 70 Menschen sollen in Billstedt in der stillgelegten Schule Oststeinbeker Weg für die nächsten fünf Jahre untergebracht werden.
„Wahrscheinlich ist nicht ein einziger Gedanke an die besser situierten Stadtteile wie Harvestehude, Blankenese oder Flottbek verschwendet worden,“ vermutet Michael Baumert.“
Fakt ist, dass in den vergangenen elf Jahren die Plätze für die Unterbringung hilfesuchender Menschen von knapp 20.000 auf rund 8000 Plätze reduziert wurden. Seit Juli 2012 hat sich aber die Zahl der Asyl suchenden Menschen wieder um mehr als 50 Prozent erhöht. Daher ist es verständlich, dass schnell Unterbringungsmöglichkeiten gefunden werden müssen.
Die Bürger Billstedts aber sind erbost. Nicht weil neue Asylanten in Billstedt untergebracht werden sollen, sondern weil wieder an die Stadtteile gedacht wurde, die ohnehin vor sozialen Proble men stehen. „Billstedt hat mit dem Mattkamp und dem Billstieg gezeigt, dass Asylanten willkommen sind, noch mehr würde die soziale Struktur in ein Ungleichgewicht bringen,“ so Bernd Ohde von der Billstedter FDP.

Weitgehende Einigkeit

Nun hat die SPD im Bezirk einen Antrag gestellt, der von fast allen Parteien unterstützt wird.
Darin wird unter anderem gebeten, dass die Fläche am Oststeinbeker Weg 29 Ecke Möllner Landstraße 180 weiterhin als Fläche für den Bau von Wohnungen vorgesehen wird. Zudem wird gebeten, dass die zuständigen Fachbehörden nach weiteren möglichen Unterbringungen suchen sollen, die die Einwohnerzahl der Bezirke berücksichtigen. Auch die CDU unterstützt dieses Ansinnen. Lediglich Die Linke und die Piraten enthielten sich. Die nach dem Sozialmonitoring bedeutend besser gestellten Bezirke nehmen nur ein Viertel der Hilfesuchenden im Verhältnis zum Bezirk Hamburg-Mitte bei sich auf. (mn)
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