Mehr Platz für Mannschaft und Fahrzeuge

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Blick von oben auf die neue Wache Foto: Freiwillige Feuerwehr Glinde
 
Das Spritzenhaus in der Dorfstraße im Jahre 1973 Foto: FF Glinde

Feuerwehr hat für 4,65 Millionen Euro eine neue Wache bekommen

Von Christa Möller
Glinde Das Einsatzspektrum der Feuerwehr reicht von der Katze im Baum bis zum Hausbrand durch die vergessene Pfanne auf dem angeschalteten Elektroherd. Das ist auch bei den freiwilligen Helfern in Glinde so, die sich im Vergleich zu den Kameraden in den Nachbarkommunen recht gut aufgestellt wissen: 83 Aktive zwischen 18 und 63 Jahren, darunter sechs Frauen, teilen sich die Einsätze, dazu kommen 30 junge Mitglieder in der Jugendfeuerwehr und 10 bis 15 Ehrenmitglieder. Fast alle waren zur Eröffnung ihrer neuen Feuerwache am Oher Weg 8 gekommen.
Vertreter befreundeter Wehren aus Bacharach, Berlin, Falkensee und Dargow waren ebenfalls zu Gast und sogar aus Finnland, Ungarn, Portugal und Frankreich waren Feuerwehrkameraden angereist, um die Einweihung von Norddeutschlands modernster Wache zu feiern, sie ist etwa 1.200 Quadratmeter groß und war 4,65 Millionen Euro. Vorausgegangen war eine vierjährige Planungs- und Bauphase: Nach dem ersten Spatenstich 2011 erfolgte die Grundsteinlegung für den Neubau im April 2012. Feuerwehr und Stadtverwaltung hatten eine Arbeitsgruppe gebildet und mit Architekt Reinhard List aus Bad Oldesloe den Entwurf geplant. „Vier Jahre, das ist eine richtig sportliche Zeit“, sagt Gemeindewehrführer Michael Weidemann. In der 650 Quadratmeter großen Fahrzeughalle mit Absauganlage finden die elf Einsatzfahrzeuge, von denen keines älter ist als zwölf Jahre, vier Anhänger Platz sowie „Oma Glinde“ Platz. Das einsatzbereite Feuerlöschfahrzeug von 1960 kommt allerdings nur noch bei Oldtimer-Veranstaltungen auf die Straße. In den 140 Quadratmeter großen Umkleideräumen stehen noch einige der 110 Spinde leer. Wer also die Feuerwehr Glinde unterstützen möchte, ist herzlich willkommen.
„Die meisten Kameraden generieren wir aus der Jugendwehr“, sagt Pressewart Tom Reher, der 1978 zu den Gründungsmitgliedern gehörte. Aus der alten Fahrzeughalle ist ein moderner, 223 Quadratmeter großer Versammlungsraum mit moderner Küche für bis zu 200 Personen geworden, der bei Bedarf in vier kleine Räume unterteilt werden kann.
Hier könnte bei größeren Einsätzen die Mannschaft verpflegt werden. „Die Fahrzeuge werden immer größer, wir hatten Schwierigkeiten, sie noch in die Halle zu bekommen“, schildert Reher eines der Probleme im 1971 errichteten Altbau. Ein weiteres gehört nun glücklicherweise ebenfalls der Vergangenheit an: Die Feuerwehrleute mussten in die Fahrzeughalle, um sich umzuziehen, den ausrückenden Fahrzeugen entgegen.

200 Einsätze in 2013

Rund 200 Einsätze weist der Jahresbericht 2013 aus, dazu kommen Übungsdienste, Schulungen und Lehrgänge. „Da ist man schon ganz schön unterwegs“, meint Tom Reher, für den das besonders gilt, ist er doch mit seiner Familie in Ebstorf in Niedersachsen zuhause, wo er ebenfalls in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, und als Pressesprecher bei einer Krankenkasse in Hamburg-Wandsbek arbeitet. „Nur bei größeren Einsätzen fahre ich mit raus“, sagt er. Damit bildet er allerdings eine Ausnahme: 85 Prozent seiner Kameraden kommen aus Glinde oder arbeiten im Einsatzbereich, denn nur so können sie im Notfall schnellstens vor Ort sein.
Zu ihrem Gebiet zählen auch das Gewerbegebiet und Streckenabschnitte der Kreisstraße 80 und der Autobahn 24. Bei Bedarf leisten sie außerdem Löschhilfe in umliegenden Ortschaften und haben etwa beim Elbehochwasser in Lauenburg geholfen. Kulturell beleben die Kameraden die Stadt durch Veranstaltungen wie das Osterfeuer und sind am Marktfest beteiligt, während die Jugendwehr bei Umweltsauberkeitsaktionen tätig ist.
Zwar gibt es erst ab 100.000 Einwohnern eine Berufsfeuerwehr, aber in Glinde laufen derzeit Überlegungen, die Gerätewarte, die sich um den Fuhrpark kümmern, als städtische Beamte einzustellen, wie Tom Reher erklärt.
Blick in die Geschichte
Gegründet wurde die Glinder Brandwehr 1898. Ihr erstes Spritzenhaus stand am Dorfteich an der alten Möllner Landstraße neben der Burmeister’schen Kate. 1927 wurde ihr Gerätehaus an der Dorfstraße gebaut, die Remise diente zeitweise auch als Gefängniszelle.
Im Herbst 1968 wurde die Gemeinde aufgefordert, einen neuen Standort und den Baubeginn für ein neues Feuerwehrgerätehaus festzulegen, da sonst die gesamte Wehr ihren freiwilligen Dienst zum 1. April 1969 einstellen wollte, wie der Chronik zum 100-jährigen Bestehen zu entnehmen ist. Seit 1972 teilte sich die Feuerwehr das neue Gerätehaus am Oher Weg mit dem DRK. Seit kurzem unterstützt ein Förderverein die Wehr.
Im Zuge des Um- und Neubaus entstanden neben der modernen Einsatzzentrale unter anderem neue Räume für die sehr aktive Jugendwehr sowie für Gäste und für den Verwaltungsbereich und.
„Nicht jeder hat hier seinen eigenen Schreibtisch“, erklärt Tom Reher, der seine Schreibarbeit im Wehrführerraum erledigt. Die alte Einbauküche fand in der Teeküche einen neuen Platz. (cm)
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