Mit dem Rad von Billstedt in die City

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Mit dem Rad von Billstedt in die City Grafik: wb/Kühn
 
Häufig werden Fahrrad und Bahn kombiniert Foto: Timm/ wb

Wochenblatt-Reporter startet den Selbstversuch

Von Frank-Berno Timm
Billstedt/Hamm/City
Hamburg soll Fahrradstadt werden – Konzepte und Verträge entstehen, neue Routen und Schutzstreifen auf den Straßen markiert. Derweil stehen die Autofahrer immer wieder im Stau oder Bahnen fahren seltener, weil die Sommerzeit für Erneuerungen genutzt wird. Hat das Fahrrad jetzt schon Vorteile? Das habe ich getestet. An der Kreuzung Möllner Landstraße, Ecke Kapellenstraße fahre ich in die Grünanlage, „auf der Rückseite“ des Geschehens zum Bahnhof Billstedt. Von meiner Wohnung bis zum U-Bahnhof dauert es rund zehn Minuten. Mit dem Bus der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) dauert es acht Minuten – Fußweg und Wartezeit kommen hinzu. Der kombinierte Rad- und Fußweg durch die Horner Geest ist, je jünger die Route ist, um so besser ausgebaut. Deutliche Aufmerksamkeit fordern die Kreuzungen mit dem Autoverkehr – am Schiffbeker Weg regelt eine Ampel das Nötige, anderswo ein Zebrastreifen. An der Horner Rennbahn ist die Lösung für Radfahrer verbesserungswürdig: Ich wähle den Weg quer über die Washingtonallee und die Rennbahnstraße und schlängele mich auf Seitenstraßen zur Horner Freiheit, wo es flugs weiter stadteinwärts geht. Die Alternative wäre gewesen, durch den Fußgängerverkehr am U-Bahnhof zu fahren oder einen Eingang zum Tunnel unter der Rennbahnstraße zu suchen – eine Wegeleitung fehlt. Überhaupt ist die Markierung der Routen sehr lückenhaft – so dass ich schließlich am U-Bahnhof Rauhes Haus lande. Zwanzig Minuten Fahrradfahren habe ich bis hierher gemessen. Das ist fast so schnell wie der HVV: Die Fahrplanauskunft nennt 16 Minuten – wiederum Wartezeit und Fußweg nicht eingerechnet. Positiv auch: Radler dürfen die Aufzüge am U-Bahnhof auch dann benutzen, wenn sie keine HVV-Fahrkarte haben. Offensichtlich kombinieren Fahrgäste gern das Fahrrad mit der Bahn: Am Eingang zur ebenen Erde sind zahlreiche Räder geparkt. Kurz nach dem U-Bahnhof biege ich auf einen Radweg ein, der durch die Anlagen verläuft, in allerbestem Zustand ist und bis hinunter zur Klaus-Groth-Straße in Borgfelde führt. Nicht nur auf die Fußgänger und Jogger müssen Radfahrer hier achtgeben, auch auf querende Autos, wie kurz hinter dem U-Bahnhof Hammer Kirche. Dort ist, und das ist eine gute Idee, eine Luftpumpe für Radfahrer an den Fahrradständern installiert – allerdings fehlen die Ventileinsätze. Am U-Bahnhof Burgstraße ist der für zwei Spuren frei gegebene Radweg, der zwischen Bushaltestelle und Stationsgebäude entlanggeführt wird, deutlich sichtbar für Radfahrer markiert. Weiter stadteinwärts wird es lauter, weil Radfahrer meistens direkt am Verkehr entlangfahren. Von der Straße Am Strohause zur Adenauerallee führt ein kleiner Radweg, an dessen Ende hat sich ein Kurierfahrer mit seinem Transporter so ins Sichtfeld der Radler gestellt, dass man nur ganz vorsichtig vorbeikommt. Dafür klappt das Zusammenleben mit den Autos auf der kleinen Fahrradstraße neben der Adenauerallee gut, und schnell ist der Hauptbahnhof erreicht. Die Fahrzeit betrug 38 Minuten für 9,61 Kilometert. Der HVV ist mit 24 Minuten scheinbar schneller. Extrem waren die Testbedingungen: Sommerwetter und Windstille. Schlechtes Wetter ließe die Entscheidung in jedem Fall für den ÖPNV ausfallen: Ihn gibt’s auch bei Starkregen, Dunkelheit, Sturm und Kälte. Fazit: vernünftig sind beide.

Der Rad-Reporter:
Hamburg soll Fahrrad-Stadt werden, kündigt der rot-grüne Senat an. Doch wie geht das überhaupt? Wie funktioniert das Zusammenleben mit Autofahrern und Fußgängern? Der neue Radreporter vom Wochenblatt, Marco Dittmer, testet nicht nur neue Radwege, auf seinem Rennrad berichtet er über alle Themen, die ihm auf seinen Touren durch Hamburg begegnen. Sie haben Anregungen, Wünsche oder Kritik? Dann mailen Sie ihm unter Radreporter@hamburger-wochenblatt.de
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