Moschee verschenkt Kreuz

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Pastor Christian Denkers mit dem neuen Kreuz für die „Kirche ohne Turm“ Fotos: mdt

„Kirche ohne Turm“ erhält goldenes Symbol dank eines Wochenblatt-Berichts

Von Marco Dittmer
Hamburg. Hochgewachsen, 7/8 Tarnhose, die schwarzen Socken über die Knöchel gezogen: den Pastor sieht man Christian Denkers auf den ersten Blick nicht an – es sei denn, er hat ein riesiges, goldschimmerndes Kreuz auf dem Schoß, das ist aber selten der Fall. Dass der 34-Jährige heute mit eben jenem Kreuz auf einem Dachboden seiner Gemeinde „Kirche ohne Turm“ sitzt, kann man Zufall nennen – vielleicht war es aber auch Schicksal. Denn die Geschichte, wie die evangelische-freikirchliche Gemeinde an dieses Kreuz kam, ist ungewöhnlich. Auch das Wochenblatt spielt darin eine Rolle:

So blätterte sich der Gemeindeleiter Jörg Milla vor einem Jahr durch das Billstedter Wochenblatt. Dabei las er einen Artikel über die muslimische Al-Nour-Gemeinde aus Horn. Die hatte ein Kirchenkreuz übrig – und wollte es verschenken. Im Wochenblatt suchte das islamische Zentrum damals eine christliche Gemeinde, die das zwei Meter hohe Kreuz haben wollte. Ein goldenes Kirchenkreuz, geschenkt? Milla wollte sofort mehr über dieses ungewöhnliche Angebot erfahren und griff zum Telefon. Es meldete sich Daniel Abdin, Vorstand der muslimischen Gemeinde. Al-Nour baut seit mehr als einem Jahr (Wochenblatt berichtete) die frühere Kapernaumkirche an der Sievekingsallee zu einer Moschee um. Jahrzehntelang prangte auf dem 44 Meter hohen Turm das Kreuz. Nun wurde es mit einer arabischen Kalligrafie „Allah“ ausgetauscht. Der 1,20 Meter breite und 80 Zentimeter hohe Schriftzug wurde in der vergangenen Woche auf dem früheren Kirchturm installiert. „Wir waren froh, dass sich die christliche Gemeinde bei uns gemeldet hat. Wir wollten, dass dieses symbolträchtige Kreuz an eine kirchliche Einrichtung gelangt“, sagt Daniel Abdin.

Auf neues Kreuz folgt neue Kirche

Neben dem Kreuz bekommt die „Kirche ohne Turm“-Gemeinde noch in diesem Jahr auch eine neue Kirche. Dafür wurde die Aula der früheren Schule „Oststeinbeker Weg“ gekauft. Die hat zwar keinen Turm, dafür aber deutlich mehr Platz für die wachsende Gemeinde. Die bisherigen Kirche ist für die 114 Gemeindemitglieder zu klein geworden. Mit dem Umzug stockt die Kirche die Zahl der Plätze von 100 auf 288 deutlich auf. Zur Zeit wird das Gebäude noch grundlegend saniert. Wo das neue Kreuz aufgestellt wird, ist noch nicht entschieden. Ausgeschlossen wurde eine Installation auf dem Dach. Was aber klar ist: Bis zum Umzug schaut Pastor Denkers in jedes Wochenblatt – wer weiß schon, was sich aus den Geschichten ergeben kann.
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