Muss ich Nachbars Laub fegen?

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Laub macht haufenweise Arbeit... Foto: thinkstock

Experten beantworten wichtige Fragen zur Entsorgung der fallenden Blätter

Hamburg. Kinder haben ihre Freude daran, Igel auch, Hausbesitzer und Fußgänger verteufeln es mitunter – das Laub, das jetzt die Gehwege bedeckt, Regenrinnen verstopft und so manchen Haus- und Gartenbesitzer auf Trab hält. Dabei ist Laub nicht nur Ärgernis, sondern kann durchaus nützlich sein. Für das WochenBlatt beantworten Experten Fragen rund um das Thema Laub:
WochenBlatt: Wer muss das Laub vom Gehweg schaffen?
Heinrich Stüven, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Grundeigentümer-Verbandes Hamburg: Grundsätzlich der Eigentümer, es sei denn die Stadt hat die Gehwegreinigung übernommen. Darüber gibt das Wegereinigungsverzeichnis Aufschluss, das die entsprechenden Straßen uflistet. Auch kann der Eigentümer die Reinigungspflicht an Mieter übertragen. Da hilft ein Blick in den Mietvertrag.
WB: Wer haftet, wenn man auf dem Laub ausrutscht und sich verletzt?
Stüven: Der Eigentümer oder eben der, der zu der Gehwegreinigung verpflichtet ist. Die Reinigungspflicht gilt übrigens auch für die Radwege.
WB: Muss ich auch das Laub von den Bäumen meines Nachbarn beseitigen, wenn es auf mein Grundstück, meinen Gehweg geweht oder gefallen ist?
Stüven: Die Hamburger Rechtsprechung lässt da keine Zweifel: Wer in einer begrünten Gegend wohnt, muss auch das Laub von Nachbarn in Kauf nehmen und es gegebenenfalls wegschaffen.
WB: Warum wird das Laub aus den Stadtreinigungssäcken zu Pellets zur Bodenanreicherung verarbeitet? Nutzt man die üblicherweise nicht zum Heizen?
Reinhard Fiedler, Stadtreinigung Hamburg: Um die Laub-Pellets überhaupt verbrennen zu können, müsste man sie energieaufwendig trocknen. Bei der Verbrennung von Laub entsteht zudem wenig Energie und sehr viel Asche. Beides macht Laub als Brennstoff uninteressant.
WB: Wie kann man Laub noch entsorgen?
Fiedler: Für organische Abfälle wie Laub gibt es ein Trenngebot, das heißt wenn es eine Biotonne gibt, sollte diese auch für die Laubentsorgung benutzt werden. Gleiches gilt für den privaten Komposthaufen, den Laubsack und die Recyclinghöfe, die ebenfalls Laub getrennt annehmen.
WB: Werden Garten- und Straßenlaub separat entsorgt, weil die Blätter mit Schwermetallen oder Schädlingen belastet sind?
Fiedler: Da machen wir keinen Unterschied. Einerseits ist die Belastung mit Schwermetallen mit der Abschaffung verbleiten Benzins stark zurückgegangen, andererseits werden bei der Herstellung von Pellets Temperaturen über 65 Grad erreicht. So werden alle Schädlinge und ihre Entwicklungsstadien sicher abgetötet.
WB: Was können Gartenbesitzer denn sonst noch mit ihrem Laub machen als es über die Laubsäcke der Stadtreinigung zu entsorgen?
Helmuth Schwarz, Bund deutscher Baumschulen:
Man kann das Laub immer auf die Erde zwischen den Pflanzen verteilen, das schützt den Boden und dient als Heimstätte für kleine Lebewesen. Dort zersetzt es sich dann. Auch als Frostschutz für empfindliche Pflanzen und abgeschnittene Stauden lässt es sich verwenden. Wer Igel im Garten hat, kann ihnen mit einem Laubhaufen einen Ort für den Winterschlaf schaffen.
WB: Lassen sich alle Blätter gleich gut verwenden?
Schwarz: Zu beachten ist, dass einige Blätter etwa von der Eiche, der Kastanie und der Walnuss fester sind und sich daher langsamer zersetzen. Wer also im nächsten Frühjahr nicht noch Blätter in und auf seiner Erde haben will, sollte sie anders entsorgen, oder sie zu Mulch verarbeiten, also verhäckseln. Sind die Blätter von der Miniermotte befallen, empfiehlt sich Verbrennung.
WB: Darf man das?
Stüven: Grundsätzlich ja, allerdings ist das eine unglaubliche Umweltverschmutzung, es qualmt wie verrückt. Und die Nachbarn müssen diese Qualmbelästigung nicht hinnehmen. (wb)
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