Nahverkehr im Wandel

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Das Horner Straßenbahndepot: Das Foto wurde 2007 aufgenommen Foto: wb
 
Das Horner Straßenbahndepot im Jahre 1959 Foto: wb

Von der Straßenbahn zum Bus. Wie sich die Infrastruktur in Horn veränderte. Teil 7 der Serie.

Von Gerd von Borstel
Horn
In der siebten Folge unserer Serie in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Horn drehen wir das Rad der Geschichte zurück in das Jahr 1968, denn vor ziemlich genau 47 Jahren – am 29. September – fuhr in der Horner Landstraße die letzte Straßenbahn. Anlass für das Stadtteilarchiv, heute die Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs in Horn vorzustellen.
Was nur wenige wissen: Als 1835 die ersten regelmäßig verkehrenden Pferdeomnibuslinien eröffnet wurden, bekam auch Horn am 27. Juli 1835 mit der „Journalière von Ham und Horn“ eine Anbindung an die Innenstadt. Eigentümer war Johann August Jahns jun., Wirt des bekannten Horner Gasthofs „Neuer Schinkenkrug“. Die Kutschen verkehrten zweimal täglich zwischen der Petrikirche und dem Letzten Heller. Das beliebte Ausflugslokal, bekannt auch durch seine alljährlichen „Blutegelbörsen“, war nun noch attraktiver geworden, denn selbstverständlich besaß es jetzt auch eine eigene Haltestelle. Parallel zur Journalière betrieb die Firma „Basson & Co.“ seit dem 28. Juni 1840 eine Pferde-Omnibuslinie nach Horn. Somit gehörten wir neben Altona zu den beiden Vororten, in die man zu einem Preis von 4 Schilling „nach Fahrplan“ fahren konnte.

„Elektrische“ hält Einzug


Nach den Pferdeomnibussen rollte vom 2. November 1880 an die Pferdebahn über Gleise ab Horn in Richtung Dornbusch. Nachdem vierzehn Jahre später erstmalig die „Elektrische“ den Betrieb in Hamburg aufnahm, wurde am 13. April 1896 auch die Strecke in der Horner Landstraße elektrifiziert. An der Streckenführung hatte sich seit 1839 aber nichts geändert - Endstation der Straßenbahnlinie 24 war immer noch das Lokal am Letzten Heller. Erst 1914 wurde die Strecke bis Billstedt verlängert.
Für viele Jahrzehnte gehörte die Straßenbahn fest zum Erscheinungsbild in Horn, nicht nur in der Horner Landstraße, sondern ab 1932 auch in der neuen Sievekingsallee mit der Linie 17. Diese endete zuerst auf Höhe der heutigen Hausnummer 209, wurde dann aber im November 1936 über die Kreuzung der Rennbahnstraße verlängert und erhielt nun eine Kehrschleife im Bereich des heutigen EKZ-Parkhauses.
Aus dem ehemaligen Pferdebahndepot gegenüber dem jetzigen Horner Park entstand eines der großen Straßenbahndepots in Hamburg mit 59 Abstellplätzen auf 16 Gleisen in drei Hallen. In den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs Ende Juli 1943 wurden die Hallen mitsamt den sich darin befindlichen Fahrzeugen zerstört. Unser Vergleichsfoto zeigt das Depot im Jahre 1959. Die Hallen wurden mit Ausnahme der viergleisigen rechten Halle nicht wieder aufgebaut.
Gleichzeitig mit Inbetriebnahme der U-Bahn am 2. Januar 1967 begann der langsame Abschied von der Straßenbahn in Horn. Bereits am 28. Mai 1967 hatte man die Linie 7 aus Horn abgezogen und am 29. September 1968, mit Beginn des Winterfahrplanes, wurde auch die Linie 1 in der Horner Landstraße eingestellt. Schnell verschwanden die Gleise in der Horner Landstraße und das Bahndepot wurde zum Busdepot umgebaut, auf dem allerdings noch lange Zeit parallel eine Tankstelle mit Waschanlage betrieben wurde. Die Straßenbahnhalle wurde zur Buswerkstatt umgebaut und existiert noch heute – auf dem Vergleichsfoto von 2007 ganz rechts zu erkennen.
Zur Versorgung der Hammer und Horner auf dem Geestrücken fuhren die Linien 5 und 15 von der U-Bahn-Haltestelle Burgstraße kommend auf der Sievekingsallee nach der U3-Eröffnung noch weiter. Allerdings schlug auch für diese Strecke am 7. März 1976 - zwei Jahre bevor sich die Straßenbahn ganz aus Hamburg verabschiedete - das letzte Stündlein: Horn war „straßenbahnfrei“.

Archiv öffnet Türen


Die Geschichtswerkstatt Horn startet nach der Sommerpause mit folgenden Angeboten: Das Archiv öffnet am 9. September wieder ab 16.30 Uhr seine Türen. Am 13. September geht es auf den Spuren der Galopper über die Horner Rennbahn. Treffpunkt ist um 15 Uhr am Eingang zwischen Hotel und der Tribüne. Am 24. September zeigt das Stadtteilarchiv um 19 Uhr im Gemeindehaus der Martinskirche einen Diavortrag über den Blohms Park.

Lesen Sie auch: Die Geschichte vom Horner Berg. Teil 1

Lesen Sie auch: Villen in Blohms Park. Teil 2

Lesen Sie auch: Als Pelikane in Horn lebten. Teil 3

Lesen Sie auch: Wie Horn nach 1945 neu entstand. Teil 4

Lesen Sie auch: (Fast) auf dem Trockenen. Teil 5

Lesen Sie auch: Das Horner Grün ist noch jung. Teil 6

Weitere Infos zum Stadtteil Horn und seiner Historie gibt es online auf www.geschichtswerkstatt-horn.de
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