Neue „Heimat“ umstritten

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Zukunftsblick Billstedt-Öjendorf: Südlich des Öjendorfer Parks ist eine neue Gartenstadt mit Wohnungen im Grünen entstanden Foto: Behörde für Stadtentwicklung
 
Luftbild des zu bebauenden Areals rund um den Öjendorfer See

SPD Mitte will Flüchtlingssiedlung am Öjendorfer See. Anwohner in Sorge

Von Annette Luckey
Billstedt
„Heimat schenken“ – unter diesem Titel hat die SPD Hamburg-Mitte ein Konzept zur Quartiersentwicklung in Billstedt erarbeitet, um längerfristig Flüchtlinge unterzubringen. 3000 bis 4000 Menschen sollen möglichst schon Ende 2016 die Notunterkünfte verlassen und rund um den Öjendorfer See ein Zuhause finden. Geplant sind 800 neue Wohnungen (wir berichteten). Doch es regt sich Widerstand: Anwohner halten die Zahl der Neuankömmlinge für zu groß. Sie wollen eine Infoveranstaltung am 2. November abwarten, dann eventuell gegen die Pläne klagen.
Das Ziel ist hoch gesteckt. Die Sünden des sozialen Wohnungsbaus der 1970er-Jahre und die Vermeidung neuer Brennpunkte im Blick, wollen die Bezirksabgeordneten sozial durchmischte, hochwertige Quartiere an mehreren Standorten schaffen – Voraussetzung für eine „wirkliche“ Integration. So kommt als Standort außer dem etwa zehn Hektar baumbestandenen Wiesenareal zwischen Haferblöcken und dem Schleemer Bach auch die mehr als 17 Hektar große Ackerfläche am Haßloh auf der Westseite des Öjendorfer Sees in Betracht (wir berichteten). Beide Areale sollen im Schnellverfahren – zunächst ohne Bebauungsplan – entwickelt werden: mit viel Freiraum, hoher Aufenthaltsqualität und moderner Infrastruktur, die eine Ergänzung mit freifinanziertem Wohnungsbau sowie Eigenheimen vorsieht und eine soziale Durchmischung garantiert.
Der Rahmen für die Realisierung der unter dem Titel „Parkstadt Öjendorf“ gefassten Siedlungsbereiche am Haferblöcken und am Haßlohredder ist denkbar eng gesetzt. Als Vorhabenträger sollen keine Investoren, sondern bestandshaltende Baugenossenschaften gewonnen werden und die Entwicklung der Flächen übernehmen. In offenen Workshopverfahren (für einen städtebaulichen Wettbewerb bleibt keine Zeit) werden die Anwohner beteiligt. In Anpassung an die bestehende Eigenheimsiedung sollen die Gebäude zwei bis maximal vier Geschosse haben. Die Wohnungen werden bedarfsgerecht geschnitten, heißt es. Sobald die Wohnungen bezugsfertig sind, soll die Unterkunft am Mattenkamp aufgelöst werden. Die Betreuung der „neuen Billstedter“ leistet in den ersten 15 Jahren das öffentliche Sozialdienstleistungsunternehmen „fördern und wohnen“. Auf lange Sicht übernehmen die Genossenschaften Verwaltung sowie Bestandspflege. Sie sollen wegen ihres großen Wohnungsbestandes die soziale Durchmischung gewährleisten.

Auch Gartenstadt Öjendorf wird forciert entwickelt


Parallel zur „Parkstadt Öjendorf“ soll die im Senatsprogramm „Stromaufwärts an Elbe und Bille“ avisierte „Gartenstadt Öjendorf“ südlich des Öjendorfer Sees forciert angebunden, erschlossen und entwickelt werden. Das ursprünglich für gehobenen Wohnstandard vorgesehene Areal entlang der Glinder Straße soll vom Jenfelder Bach bis zum Kolbergredder erweitert und auch hier mit einem „angemessenen Bestand an Flüchtlingswohnungen“ durchmischt werden.
Die Ziele sind gesetzt: In einem 15 Punkte fassenden Antrag hat die SPD-Bezirksfraktion Hamburg-Mitte die Qualitätsstandards gefasst. Dazu gehören großzügige Freiraumgestaltung, bedarfsgerechte Infrastruktur, Stadtteilanbindung (öffentlicher Nahverkehr), Nahversorgung, Spiel- und Sportflächen, internationale Kitas und Schulen sollen die Menschen in der Parkstadt Öjendorf einbinden und das Quartier für den Zuzug von Familien attraktiv machen.
Für Montag, 2. November, lädt der Bezirk die Billstedter Bürger zu einer ersten Infoveranstaltung ins Kurt-Körber-Gymnasium (Pergamentweg 1) ein. Beginn ist um 19.30 Uhr. Bezirksamtsleiter Andy Grote, Staatsrat Matthias Kock (Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen), Baudezernent Bodo Hafke und der Leiter des Fachamtes Stadt- und Landschaftsplanung, Michael Mathe, sowie der Chef des Stadtplanungsausschusses, Dr. Gunter Böttcher, stellen das Projekt vor und beantworten Fragen. Mit dabei auch die Flüchtlingsbeauftragte der Hamburger Sozialbehörde, Bettina Prott.

Anwohner erwägen Klage:
Unter den Eigenheimbesitzern an der Hans-Rubbert-Straße machen sich angesichts der Wohnungsbaupläne für Flüchtlinge Sorgen breit. In den vergangenen Tagen machte ein Schreiben die Runde, in dem sie zur Gründung einer Bürgerinitiative aufrufen. Die Familien, die erst kürzlich wegen der attraktiven Lage am Rande des baumbestandenen Landschaftsschutzgebietes nach Öjendorf zogen , fürchten um „ihr“ Naherholungsgebiet und eine Wertminderung ihrer Eigenheime. Die Rede ist von „Überbeanspruchung der Infrastruktur“. Ihnen sei die „große Anzahl von Flüchtlingen schlichtweg zu viel“, heißt es darin. Und sie hätten „Bedenken gegenüber den meist männlichen Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten“. Sollten sich ihre Befürchtungen am 2. November nicht ausräumen lassen, erwägt die Initiative zu klagen.
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4 Kommentare
19
Christiane Störig aus Billstedt | 28.10.2015 | 13:36  
6
Thomas Schulz aus Billstedt | 28.10.2015 | 20:29  
16
to berg aus Billstedt | 29.10.2015 | 14:17  
6
John Doe Billstedt aus Billstedt | 01.11.2015 | 01:10  
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