Oase in schwerer Zeit

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Klein, aber gemütlich und ein Ort zum Wohlfühlen: das neue Familienzimmer in der Klinik St. Georg
 
Zur Einweihung brachte Initiatorin Beatrice Bartz (42, mit Halstuch) ihren Sohn Alexander (22, kariertes Hemd) mit in die Klinik. Vor ihm seine Schwester Enna (9, lange Haare) Fotos: ks

Familienzimmer für Krebsstation mit Hilfe aus Billstedt

Von Klaus Schlichtmann
Billstedt. Eine Träne konnte sie dann doch nicht unterdrücken in dem Augenblick, als ihr Sohn gemeinsam mit der Stationsschwester die rote Schleife vor der Tür mit einer Schere durchschnitt. Es war ein großer Moment für Beatrice Bartz (42) und ihre Mitstreiterinnen vom Elternrat der Grundschule Archenholzstraße in Bill-
stedt - im Beisein der Klinikleitung, des Stationsarztes sowie Schwestern und Pfleger wurde  jetzt das renovierte Familienzimmer auf der Station G2 im Krankenhaus St. Georg mit einer kleinen Feierstunde eingeweiht. Über drei Monate lang hatten die Mütter – unterstützt von Handwerkern der Klinik – den rund 15 Quadratmeter großen Raum wohnlich für Patienten und ihre kleinen Besucher hergerichtet, das Zimmer gemütlich mit Möbeln, Bildern, Bücherregalen und vor allem Spielzeug liebevoll eingerichtet. Zuvor fristete der schmucklose Raum eher ein Schattendasein und war wenig einladend.
Das war die Zeit, als Beatrice Bartz aus leidvoller Erfahrung auf die Idee kam, das vernachlässigte Familienzimmer auf der Hämatologischen/Onkokogischen Station aufzumöbeln.
Ihr Sohn Alexander, damals 18 Jahre, war an Lymphdrüsenkrebs erkrankt. Vier Monate dauerte die erste stationäre Therapie. Unterbrochen nur von kurzen Pausen folgten weitere schier endlose Wochen und Monate auf der Station G 2 - immer wieder Chemotherapie, Bestrahlungen, Blutkontrolle. „Unterm Strich war Alex bis zu seiner Entlassung 14 Monate in seinem Krankenzimmer“, hat Mutter Beatrice Bartz ausgerechnet. Eine schwere Zeit für die ganze Familie. Auch für Alex kleine Schwester Enna (9), die ihren kranken Bruder damals gerne einmal besucht und in den Arm genommen hätte.
Aber das war nicht möglich, sie konnte ihrem Bruder lediglich von
außen durch die Fensterscheibe zu winken, denn Kindern unter sieben Jahren ist das Betreten des Krankenzimmers verboten. „Die Infektionsgefahr für die Patienten ist einfach zu groß“, erklärt die leitende Stationsschwester Anke Detering.
Die Lösung lag nur ein paar Meter entfernt - in einem nahezu ungenutzte Zimmer gegenüber der Station als Rückzugsraum für die Angehörigen - ohne Klinik-Atmosphäre. „Die Idee war da, nur das Geld für die Renovierung fehlte“, sagt Beatrice Bartz. Aber auch hier gab es schließlich einen Weg, das „Projekt Familienzimmer“. Denn als die Leiterin der Grundschule Archenholzstraße in Billstedt von dem Engagement der Mütter aus dem Elternrat hörte, war sie nicht nur beeindruckt, sondern hatte auch einen Plan.
„Wir veranstalten mit unseren Kindern regelmäßig Schulfeste, verkaufen dann auch selbstgebackenen Kuchen, Kaffee oder belegte Brötchen an die Eltern und haben so am Ende ein wenig Geld in der Kasse“, erklärt Antje Weber. So war es auch beim letzten „Laternenfest“ in der Grundschule Archenholzstraße - und von den Kuchen-Einnahmen gingen stolze 978 Euro als Spende an das „Projekt Familienzimmer“ in St. Georg. „Selbst unsere Ehemänner haben mit angepackt und bei der Renovierung geholfen“, sagt Andrea Hoppe vom Elternrat.
Alexander übrigens, dessen Erkrankung überhaupt erst der Anlass für das Engagement seiner Mutter und deren Mitstreiterinnen war, geht es gut. Er macht jetzt eine Ausbildung zum Einzelhandels-Kaufmann.
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