Opfer von Trickdieben

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Karin B., 74, aus Horn wurde Opfer von Trickdieben Foto: Schlichtmann
 
Weil es keine Einbruchspuren gab, zahlte die Versicherungen nicht

Der Fall von Karin B. zeigt, wie dreist die Täter vorgehen

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg. In der ersten Zeit, nachdem es passiert war, konnte Karin B. schlecht einschlafen. „Es ist schon bedrückend, dass mir das in meiner eigenen Wohnung passiert ist“, sagt die 74-jährige Rentnerin aus Horn. Bislang kannte sie das nur aus der Zeitung - Trickdiebstahl.
Die ehemalige Geschäftsfrau war arglos, als es an ihrer Tür klingelte und sich eine junge Frau über die Gegensprechanlage meldete: „Ich habe hier Blumen für Sie, würden Sie wohl bitte kurz ‚runter kommen.“
Karin B. hatte wenige Tage vorher Geburtstag, ein verspäteter Blumengruß, glaubte sie. Sie zog ihre Wohnungstür im vierten Stock eines Neubaus hinter sich ins Schloss, fuhr mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoß, zur Eingangstür, wo die junge Blumenfrau wartete. Karin B.: „Als ich dann aber den verwelkten Strauß in der Folie sah, ahnte ich schon, dass da etwas nicht stimmt! Dass ich nur nach unten gelockt werden sollte.“ Sie sprach nur kurz mit der vermeintlichen Blumen-Botin, nahm den Strauß auch nicht an, sondern fuhr direkt wieder nach oben. Die Wohnungstür war immer noch verschlossen, ihr Portemonaie lag auf dem Tisch, das Geld war noch da. „Gott sei dank“ - Karin B. war erleichtert.

Schmuck war weg

Erst am nächsten Morgen musste Karin B. feststellen, dass auch sie das Opfer von Trickbetrügern geworden war. „Ich wollte in die Kirche und mir dazu eine goldene Kette aus meiner kleinen Schmuckschale holen. Als sie den Deckel der Kristallschale anhob, erschrak sie: Ketten, Gold-Kreolen, Armbänder, eine alte Rolex-Uhr, die ihr 1967 ihr Mann zur Hochzeit geschenkt hatte - alles war weg. Persönliche Erinnerungsstücke im Wert von zirka 6.000 Euro! Nur noch wertlosen Modeschmuck hatte der Täter zurück gelassen. Karin B. war geschockt. Sie rief die Polizei, erstattete Anzeige.
Die Beamten protokollierten später den vermutlichen Tathergang: Während Karin B. durch die „Blumenfrau“ ins Erdgeschoß gelockt wurde, wartete ihr Komplize bereits im 4. Stock hinter einem Mauervorsprung, um dann in die verlassene Wohnung einzudringen. Wie, ist bis heute nicht restlos geklärt. „Mit einem speziellen Werkzeug“, vermutete der Polizist.
Immer häufiger werden Menschen in Hamburg Opfer von Trickdieben. Besonders Männer und Frauen der älteren Generation sind davon betroffen, weil sie gutgläubig auf die raffinierten Tricks der Täter herein fallen.
In Dulsberg war es kürzlich der „Gardinen-Trick“: Zwei Frauen an der Wohnungstür einer 87-Jährigen gaben vor, sie würden demnächst auch in das Mehrfamilien-Haus einziehen, in eine identische Wohnung. Ob man für den Gardinenkauf schon ‚mal das Fenster ausmessen könne? Die Rentnerin ließ die beiden vermeintlichen Neu-Mieterin herein. Während eine mit einem Zollstock am Wohnzimmerfenster hantierte, schlich die Komplizin ins Schlafzimmer und raffte den Schmuck aus der Nachtisch-Schublade. Beide Frauen wurden gefasst und zu jeweils acht Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt.
In Lurup war es der „Verkleidungs-Trick“: zwei Männer in blauen Overals gaben sich als Heizungsmonteure aus, um in die Wohnung der 81-jährigen Mieterin zu kommen. Als sie gingen, fehlten ein paar hundert Euro. Auch in Alsterdorf gaben sich zwei Männer als Handwerker aus, als Mitarbeiter der Wasserwerke, die angeblich die Wasseruhr kontrollieren müssten. Opfer wurde diesmal ein 89-jähriger Senior. Die Täter konnten aber schon kurz nach der Tat durch Zivilbeamte in der Krochmannstraße festgenommen werden. Die Liste der Taten ließe sich beliebig verlängern. „Und in Zukunft werden wohl leider immer mehr solcher perfiden Straftaten passieren, weil es immer mehr ältere Menschen in unserer Stadt geben wird“, sagt Polizeisprecherin Karina Sadowsky.
Der beste Schutz vor solchen Tätern ist eine gute Nachbarschaft und gesunde Skepsis. In der Sicherheits-Broschüre „Der goldene Herbst“ empfiehlt die Polizei, innerhalb der Nachbarschaft im Wohnblock die Telefonnummern aus zu tauschen. Grundsätzlich gilt: Schließen Sie Ihre Wohnungstür wieder, wenn Handwerker in Ihre Wohnung wollen, die Sie nicht kennen oder nicht angemeldet sind. Und fragen Sie bei Ihrem Hausmeister oder bei der Hausverwaltung nach, ob das seine Richtigkeit hat. Karin B. aus Horn ist auf ihrem Schaden sitzen geblieben. „Weil keine Einbruchsspuren festgestellt werden konnten“, zuckt sie resigniert die Schultern. 100 Euro, aus Kulanz, hat die Versicherung ihr angeboten.
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